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Gründen in Wien

Zu wenige Chefinnen: „Die Angst zu führen beginnt im Kindergarten“

Podiumsdiskussion im Loffice, v.l.: Sara Grasel, Elizabeth Lux, Jacqueline Resch, Tanja Sternbauer, Norah Fröhlich, Alfred Pritz © Niki Sarfi
Podiumsdiskussion im Loffice, v.l.: Sara Grasel, Elizabeth Lux, Jacqueline Resch, Tanja Sternbauer, Norah Fröhlich, Alfred Pritz © Niki Sarfi

Es gibt zu wenige Frauen in technischen Berufen. Es gibt zu wenige Frauen in leitenden Positionen. Auch wenn das nicht von der Statistik erfasst wird, ist dieses Problem allen klar. Problem? „Diversität ist wichtig, um die Meinungsvielfalt zu fördern“, sagt Jacqueline Resch von WeAreDevelopers im Rahmen einer Podiumsdiskussion vergangenen Freitag im Loffice Wien. Der Co-Working-Space von Kata und Panni Klementz organisierte im Rahmen von „Gründen in Wien“ eine Veranstaltung zu Karrierewegen von Frauen und Frauen in Führungspositionen.  Gemischte Teams diskutieren und überlegen mehr und „Reibungsflächen fördern Innovation“, ist sich Resch sicher. Mehr Frauen würden also unmittelbar zum Unternehmenserfolg beitragen.

Startups und etablierte Firmen müssen auch gar nicht überredet werden, mehr Frauen anzustellen. „Die Startups wollen ja, aber es gibt einfach zu wenige Frauen mit technischer Ausbildung“, sagt Tanja Sternbauer, die die Startup-Veranstaltung Startup Live leitet und 2016 mit Female Founders eine Plattform zur Förderung von Gründerinnen in Österreich begründet hat. Das Problem gibt es nicht nur in IT-Berufen. Nora Fröhlich ist eine von sehr wenigen Ziviltechnikerinnen in Österreich. Nur wer die Ziviltechniker-Prüfung ablegt, darf Pläne unterzeichnen und kann damit ein eigenes Architekturbüro leiten. „An der Universität studieren noch rund 25 Prozent Frauen“, sagt Fröhlich. „Die Ziviltechniker-Prüfung ist eine sehr aufwändige und sehr technische Prüfung, man braucht Berufs- und Baustellenerfahrung“, erklärt Fröhlich. Das nehmen offenbar nur wenige Frauen auf sich.

Viele Studentinnen, wenige Professorinnen

Dass aus dem oft hohen Frauenanteil im Studium nur wenige Frauen in Führungspositionen gelangen, ist ein Problem, mit dem auch die Universitäten kämpfen. Der Anteil an Professorinnen ist nach wie vor gering. „Das ändert sich jetzt gerade“, ist Alfred Pritz überzeugt, der 2003 die Sigmund Freud Privatuniversität gegründet hat. Dass die Führungsebene seiner Universität zur Hälfte aus Frauen besteht, habe sich einfach so ergeben. Gender Diversity sollte zur Selbstverständlichkeit werden.

Die Angst zu Führen beginnt im Kindergarten

Die Gründe für den Frauenmangel in führenden Positionen sind schwer zu benennen. Zu einem guten Teil dürfe aber die nach wie vor männlich orientierte Kultur Schuld sein und die traditionellen Rollenbilder, aus denen wir uns nur schwer lösen können, sind sich die Teilnehmerinnen der Diskussion „Gender Tender, Leader Diversity“ einig. „Das Problem entsteht schon sehr früh“, sagt Cindy Moyo, die die Frauen-Netzwerk-Plattform „Lean In“ nach Österreich gebracht hat. „Schon bei sechsjährigen Mädchen hat eines von drei Angst davor, zu führen“.

Es wurden aber auch andere wichtige Aspekte angesprochen. Elizabeth Lux, „Head of People and Culture“ bei dem Software-Entwickler Jumio, machte darauf aufmerksam, dass der Technikerinnen-Mangel zunehmend ein Problem entwickelter Länder wird. „In Schwellenländern machen wesentlich mehr Frauen technische Ausbildungen“, sagt Lux. Jumio tue sich in Österreich sehr schwer, Entwicklerinnen zu finden.

Frauen bewerben sich seltener für Führungspositionen

Selbst wenn es Frauen gibt, die für eine technische Position oder eine Führungsposition infrage kommen, sind diese nur schwer zu erreichen. Resch: „Frauen bewerben sich nicht auf Stellen, wenn sie nicht alle Kriterien in einer Jobausschreibung erfüllen“. Bei Männern sei das anders: „Die bewerben sich auch, wenn sie nur drei von zehn Punkten erfüllen“. Mehr weibliche Rolemodels und starke Netzwerke würden Frauen bei ihren Karrieren helfen. Dazu gibt es neben Initiativen wie Female Founders, beispielsweise auch „Lean In“-Communities in Österreich. Das „Lean In“-Netzwerk ist eine internationale Initiative, die auf lokaler Ebene kleine Communities aus Frauen fördert.

Das Wiener Netzwerk „Lean In Femspace“ hat seinen Ursprung auf einem Spielplatz. Erzsebet Fanni Toth hat dort andere Mütter kennengelernt, die nach der Geburt ihrer Kinder auch gerne in ihre Karrieren zurückwollten. „Dabei steht man vor Herausforderungen, die man gemeinsam besser meistern kann“, erzählt die Psychotherapeutin und Psychologin, die als Assistenz-Professorin an der Sigmund Freud Privatuniversität unterrichtet. Die Community trifft sich regelmäßig im Co-Working-Space Loffice in Wien und veranstaltet Workshops und Networking-Events. In Wien gibt es bereits sechs Lean-In-Communities mit unterschiedlichen Schwerpunkten.


Die Diskussion „Gender Tender, Leader Diversity“ fand am Freitag, 23. März 2018, im Rahmen von Gründen in Wien statt. Bei dem ganztägigen Event öffneten Hunderte Coworking Spaces, Jungunternehmen, Hubs, Förderstellen und Initiativen ihre Türen und zeigten allen Interessierten, wie Geschäftsideen erfolgreich realisiert werden. 

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