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Kommentar

Zeitenwende in der Startup-Szene

Aus dem sektor5-Fotoalbum. © sektor5/Facebook
Aus dem sektor5-Fotoalbum. © sektor5/Facebook

Dank der kitschigen Instagram-Filter schauen die Fotos viel älter aus als sie tatsächlich sind. Wie Relikte aus den 1970ern. Dabei sind sie nur sechs, sieben Jahre alt und kleben nicht in einem Fotoalbum, sondern lassen sich auf der Facebook-Seite des mittlerweile legendären Coworking Space sektor5 durchblättern. Die Menschen, die man darauf sieht, bildeten damals einen kleinen Haufen. Aus heutiger Sicht könnte man ihn als den Nukleus der Startup-Szene bezeichnen. Oder zumindest als wichtigen Teil davon.

Heute sind viele der jungen Wilden, die auf den Fotos zu sehen sind, Geschäftsführer und Millionäre, Seriengründer und erfolgreiche Auslandsösterreicher, Mentoren und Berater, Politiker und Eltern. Die Sessel und Couchen, auf denen sie auf den Fotos herumlungern, stehen aber nicht mehr im sektor5. Den gibt es nicht mehr, die Retro-Möbel mit Oma-Charme landeten auf willhaben.

Aus Indie wird Mainstream

Der Wiener Startup-Zirkus ist weiter gezogen. Aus dem Hinterhof in Margareten neben dem Lidl-Supermarkt an Wiens Flanier-Promenade. Der Hotspot der Szene ist jetzt weXelerate, In Linz ist es die Tabakfabrik. Während sektor5 aus Geldnöten zusperren musste, eröffnete mit weXelerate fast zeitgleich ein Startup-Hub, der um ein Vielfaches größer ist und sowohl private als auch öffentliche Kapitalgeber gefunden hat. Statt Kebap von Gegenüber gibt es jetzt dicke El-Gaucho-Steaks im Erdgeschoss, schicke Hipster-Cafés ums Eck und fancy Cocktails im 18. Stock mit Blick über Wien.

Für die Szene-Insider, für die alten Hasen ist das ein wenig ungewohnt. Es fühlt sich an wie damals, als die Lieblings-Indieband plötzlich groß wurde und nicht mehr im Flex, sondern in der Stadthalle spielte. Und nicht mehr nur für den eigenen Freundeskreis, sondern für die halbe Stadt.

Das ist weder gut noch schlecht, es ist einfach der logische Lauf der Dinge, die Konsequenz der Kommerzialisierung. So wie HipHop und Nirvana Mainstream wurden, sind es auch die Startups geworden.

All eyez on us

Mit dem Ankommen der Startups im Mainstream sind auch die Erwartungen an sie gestiegen. Es gibt kaum mehr Unternehmen, die nicht in irgendeiner Form mit Tech-Jungfirmen zusammenarbeiten wollen. Die Hoffnungen, dass Startups veraltete Geschäftsmodelle erneuern und ins digitale Zeitalter heben und gleichzeitig die Arbeitsplätze von morgen schaffen können, wollen erfüllt werden.

Unterm Strich werden Corporates „Return On Investment“ (ROI) für ihr Startup-Engagement sehen wollen. Auch immer mehr Steuerzahler werden genau wissen wollen, wofür die Förder-Euros genau vergeben werden. Die Maßnahmen des Startup-Pakets sollen bis 2020 bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen können.

Fokus auf B2B

Besondere Bedeutung für die Erreichung dieser Ziele wird dem B2B-Markt zukommen. B2C-Brands wie Runtastic, Shpock oder mySugr hochzuziehen, ist heute schwerer als noch vor einigen Jahren. Doch gerade im Bereich von Software und Technologie für Unternehmen gibt es 2017 Entwicklungen, denen man in der Startup-Branche verstärkte Aufmerksamkeit schenken sollte.

Tricentis (165 Millionen Euro Investment durch Insight Venture Partners), StreamUnlimited (Google kaufte sich 41 Prozent), Kreisel (Investment durch Schwarzenegger-Neffe Patrick Knapp-Schwarzenegger) oder TTTech (75 Millionen Investment durch Samsung) sind spannende Beispiele von sehr erfolgreichen Tech-Unternehmen, die ohne starke Verwurzelung in der öffentlichkeitswirksamen Startup-Szene die Latte ordentlich nach oben gelegt haben.

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