Milliardenmarkt Video

YouTuber wirft Facebook “Diebstahl, Lügen und Betrug” im Videogeschäft vor – aber Facebook kontert

Schlagabtausch der Internet-Riesen. © Fotolia/Ljupco Smokovski, Montage J. Steinschaden
Schlagabtausch der Internet-Riesen. © Fotolia/Ljupco Smokovski, Montage J. Steinschaden

Dass Facebook am liebsten das gesamte Internet in sich aufsaugen würde, ist nicht erst seit den Übernahmen von Instagram und WhatsApp oder den “Instant Articles” (komplette Artikel von Medien auf Facebook) bekannt. Besonders eifrig zeigt sich Facebook 2015 beim Aufbau seines Videogeschäfts. Kein Wunder: Die Werbeausgaben für Digitalvideo sollen laut IAB-Studie (PDF) dieses Jahr die 10-Milliarden-Dollar-Grenze sprengen.

Das blau-weiße Social Network hat deswegen seine Bewegtbildkapazitäten stark ausgebaut, lässt Videos zur Erhöhung der Reichweite in andere Webseiten einbetten, spielt Clips automatisch im News Feed ab und will Videoproduzenten mit einer Beteiligung an den Werbeeinnahmen locken.

Der große Konkurrent, dem Facebook die Nutzer und die Werbemilliarden abspenstig machen will, heißt natürlich YouTube. Einer Schätzung von Ampere Analysis zufolge kam die Google-Tochter in Q1 2015 auf etwa 756 Milliarden Views, Facebook auf bereits 315 Milliarden Views – und Facebooks Videoabrufe wachsen viel stärker.

“Diebstahl, Lügen und Betrug”

Doch mit rechten Dingen gehe dieses Wachstum nicht zu, argumentiert der US-Unternehmer Hank Green, der mit seinem Bruder John das reichweitenstarke und profitable YouTube-Netzwerk VblogBrothers (insgesamt 7,3 Mio. Abonnenten und mehr als 1 Mrd. Views) mit 32 Kanälen und 30 Mitarbeitern betreibt. Er wirft Facebook in punkto Videogeschäft “Diebstahl, Lügen und Betrug” vor. Seine Argumente:

  • Der News Feed drückt die Reichweite von YouTube-Videos zu Gunsten nativer Videos. Ein Test hätte gezeigt, dass ein Video als YouTube-Embed zwischen 20.000 und 50.000 auf Facebook erreichen würde, während das selbe Video nach einem direkten Upload bei Facebook 60.000 bis 150.000 User erreichen würde. Dementsprechend kämen native Facebook-Videos automatisch auf mehr Views (hunderte vs. zehntausende).
  • Facebook zählt einen View bereits nach drei Sekunden, während YouTube einen Abruf erst nach 30 Sekunden Abspielzeit als View rechnet. Da Facebook im News Feed “Autoplay” für Videos aktiviert hat, sind drei Sekunden eines Clips schnell abgespielt, und der Zähler geht hinauf. Green schätzt, dass die View-Zahl auf Facebook nur ein Fünftel echter Abrufe repräsentiert.
  • Facebook lässt Videos mit Copyright-Problemen zu lange online, meint Green. Eine Studie von Ogilvy und Tubular hat ergeben, dass 725 von 1000 Facebook-Videos nicht authorisierte Kopien gewesen sind. Facebook, so Green, würde diese Videos erst nach einigen Tagen offline nehmen, wenn sie die Views bereits abgestaubt haben. Googles “Content ID”-System sei bei Urheberrechtsverletzungen viel effektiver, so der YouTube-Produzent.

Facebook-Manager kontert

Bei Facebook sind diese schweren Vorwürfe angekommen. Auf Anfrage von TrendingTopics.at verweist das Social Network auf die Ausführungen von Facebook-Manager Matt Pakes, der für die Videoprodukte zuständig ist. Er argumentiert:

  • Native Videos funktionieren besser als eingebettete Videos, weil erstere automatisch zu spielen beginnen würden, während der User bei YouTube-Clips erst auf “Play” klicken müsste. Die Nutzer würden Autoplay bevorzugen, weswegen native Facebook-Videos höhere Engagement- und View-Zahlen hätten.
  • Drei Sekunden signalisieren Interesse des Users, sich ein Video anschauen zu wollen, so Pakes, der Nutzer würde dann nicht einfach im News Feed an dem Video vorbeiscrollen. Außerdem böte man Video-Produzenten Tools, mit denen man genau messen könne, wie lange die bewegten Bilder wirklich angesehen werden.
  • Ein Facebook-Team kümmert sich um Urheberrechtsverletzungen, so Pakes. Das so genannte “Audible Magic”-System würde seit Jahren dabei helfen, nicht authorisierte Videokopien auf Facebook zu erkennen und zu entfernen. Pakes gesteht aber auch ein, dass man weitere technische Lösungen suchen würde, mit denen man Urheberrechtsverletzungen bekämpfen kann.

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