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Airbnb für Segler

Yachthafen-Startup Seasy: „Wollen nächstes Jahr europäischer Marktführer sein“

Das Team von Seasy: Ivana Zemanovicova, Geschäftsführer Niklas Baumgartner, Daniel Machacek und Martin Olsansky. © Seasy
Das Team von Seasy: Ivana Zemanovicova, Geschäftsführer Niklas Baumgartner, Daniel Machacek und Martin Olsansky. © Seasy

Wer segeln geht, muss irgendwann auch wieder anlegen. Aber: Wo kann ich mir den Anlegeplatz im nächsten Hafen reservieren? Und passt meine Yacht auch für den jeweiligen Anlegeplatz? Genau hier kommt Seasy ins Spiel: Das Startup aus der Steiermark vernetzt Marinas auf der ganzen Welt mit Seglern rund um den Globus. Das „Airbnb“ für Segler also?

Zuerst zu den Begrifflichkeiten: Eine Marina ist ein Yachthafen, „dessen Anlegestellen, Liegeplätze und Einrichtungen auf die Bedürfnisse der Sportschifffahrt ausgerichtet“ sind. Wer segelt, braucht also zumeist eine Marina, um dort anlegen zu können. Diese vermittelt Seasy. In der abgelaufenen Premierensaison gab es so über 500 Vermittlungen zwischen 5.000 Seglern und 170 Marinas. Geografisch erstreckt sich der Tätigkeitsbereich aktuell zwischen Häfen in Kroatien, Griechenland und Montenegro.

Idee beim Segeln

Die Idee zu Seasy kam Niklas Baumgartner, dem Gründer von Seasy – wie sollte es anders sein – auf dem Wasser. „Die Idee zu Seasy ist während der zahlreichen Segeltörns mit meinem Onkel entstanden. Schon während dieser Segelreisen haben wir erkannt, wie unterschiedlich die Vorlieben der Mitreisenden sind: Oft braucht es anstelle der ruhigen Bucht etwa facettenreiche Häfen mit Restaurants, oder statt dem Hafen in der Großstadt eher den abgeschiedenen Anlegeplatz. Um diesen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, wird aktuell sehr stark auf Bücher zurückgegriffen“.

Zentraler Nachteil eines gedruckten Mediums: Die Informationen seien nach wenigen Jahren bereits oft veraltet. Baumgartner: „Ziel ist es daher, dass Häfen künftig nicht nur in Büchern auffindbar sind, sondern auch auf unserer digitalen Plattform“.

Seasy: Das Airbnb für Segler

Wer eine Marina reservieren möchte, wird sich ein wenig an eine bekannte Plattform für Zimmer und Hotels erinnert fühlen. Das streitet der CEO auch gar nicht ab: „Wir haben das Rad nicht neu erfunden, sondern setzen auf bestens erprobte Modelle, die mit Airbnb vergleich sind. Konkret wird das Boot – sowie seine Spezifikationen – auf unserer Plattform registriert. Anschließend können Anlegeplätze in den Häfen reserviert werden, die von den entsprechenden Marinas bestätigt werden, sofern ein freier Platz vorhanden ist“. Für Segler sei das Service kostenlos. Die Buchungspreise selbst seien mit jenen der Häfen vergleichbar. Geld verdient Seasy über die Anlegestellen, die Marinas führen eine Gebühr in der Höhe von zirka 10 bis 15 Prozent pro Buchung an das Startup ab.

„Kurs auf spanische und französische Häfen“

Nächstes Jahr will man wachsen. Seasy-Gründer Niklas Baumgartner: „Im kommenden Jahr nehmen wir Kurs auf spanische und französische Häfen und wollen so an die 300 Marinas auf unsere Plattform bringen“. Zentral seien neben dem Komfort, den die Plattform mit sich bringen würde, auch der Sicherheitsaspekt: „Insbesondere auf See schlägt das Wetter bekanntlich schnell um. Segler sind dann gefordert, innerhalb kürzester Zeit, eine sichere Anlegestelle zu finden – unsere Entwicklung ist dafür maßgeblich“.  Zurzeit beschäftigt das Unternehmen vier Vollzeitmitarbeiter und eine Teilzeitkraft, hauptsächlich für die Entwicklung der Software. Darüber hinaus gebe es mehrere Mitarbeiter auf Werkvertragsbasis.

Weltraum-Technologie aus Graz

Zudem arbeite man bereits an einer neuen Entwicklung: Auf Basis von globalen Navigationsdaten sollen Segler künftig präventiv vor Unwettern gewarnt werden. Anleihen nimmt das Unternehmen dabei in der Raumfahrt, weswegen man im ESA-Gründerzentrum an der Weiterentwicklung tüftelt. Baumgartner: „Noch bevor der Segler in Turbulenzen gerät, können wir eine Warnung inklusive mögliche Anlegeplätze via Push-Nachricht übermitteln. Mit unserer Entwicklung können wir die Sicherheit auf See maßgeblich erhöhen“.

Das freut auch Martin Mössler, CEO des Science Park Graz (wo Seasy sitzt) beziehungsweise ESA-Botschafter des Business Incubation Center Austria: „Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, innovative Weltraum-Technologien einerseits für die Gesellschaft nutzbar zu machen, andererseits um daraus innovative neue Entwicklungen zu forcieren“. Seasy zeige auf, wie aus Raumfahrt generierte Innovationskraft terrestrisch nutzbar gemacht werden könne.

Ziel: Nächstes Jahr Marktführer in Europa

Auch Niklas Baumgartner hat große Pläne: „Wir wollen bereits nächstes Jahr europäischer Marktführer sein. Mittelfristig ist das Ziel, der One-Stop-Shop für alle Segler und damit zusammenhängende Aktivitäten zu werden, da unser System sehr schnell skalierbar ist“. Die Corona-Krise habe den Plänen keinen Abbruch getan. Auch Seasy habe aber „insbesondere im Zeitraum während des Lockdowns“ gespürt, dass die Buchungen zurückgegangen sind.

Baumgartner sieht aber auch die positiven Seiten: „Nichtsdestotrotz hat Corona den Trend zur Digitalisierung noch weiter verstärkt. Ein Vorteil für uns: Unsere Plattform bietet jedem Hafen ein Gratis-Profil, Marinas haben dadurch einen Website-Ersatz“. Demnächst übrigens auch in Form einer App – die soll auf jeden Fall dieses Jahr noch in die diversen Stores einziehen. Das Airbnb für Segler wäre dann vollständig.

+++Seit 45 Tagen auf dem Meer: WU-Professor Sebastian Kummer im Interview+++

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