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Blockchain

Kommentar

Wo ist eigentlich die Blockchain, wenn man sie mal wirklich braucht?

© addendum
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Kannst du dich noch erinnern? Damals, in Prä-Corona-Zeiten, da wurde eine Technologie als Lösung für einfach alles verkauft. Das Geld könne man damit neu erfinden, Wertpapiere besser machen, unsere Privatsphäre im digitalen Zeitalter retten, tollere Social Networks damit bauen, die Lieferketten endlich transparent und nachvollziehbar machen, die Herkunft von Lebensmitteln verifizieren, und so weiter und so fort.

Jetzt bricht aber die Post-Corona-Ära a.k.a. „neue Normalität“ an, und die scheint noch ziemlich gut ohne Blockchain auszukommen. Noch ringen Staaten wie Frankreich, Deutschland und die USA und Konzerne wie Apple, Google, SAP und die Deutsche Telekom darum, wie künftig die Apps zum „Contact Tracing“ genau funktionieren sollen. Eines scheint aber klar: Weil es sich um ziemlich heikle Daten (wer trifft wen? wer ist infiziert? wer meldet eine Erkrankung?) handelt, wollen alle vor allem eines: dezentrale Datenspeicherung.

Dezentrales Contact Tracing im Kommen

Derzeit sieht es so aus, als würde sich die Welt (inklusive Deutschland und der österreichischen „Stopp Corona“-App des Roten Kreuzes) dem Vorschlag von Apple und Google zuwenden. Das von europäischen Wissenschaftlern ersonnene PEPP-PT-Konzept ist in Verruf gekommen, weil dabei auf zentrale Datenspeicherung gesetzt wird, und dann hat sich mit DP3T rund um die Schweizer Wissenschaftlerin auch noch ein Projekt abgespalten, das stark auf Dezentralität setzt.

Aber zurück zum Thema. Wäre es nicht aufgelegt, Blockchain-Technologien einzusetzen, um Anonymität, dezentrale Speicherung und Vernetzung mit Kontakten unter einen Hut zu bringen? Doch weder bei DP3T, noch beim gemeinsamen Google-Apple-Projekt ist etwas von Blockchain zu lesen oder zu hören. Kein Startup ist an den Start gegangen, um Contact Tracing mit Hilfe von Blockchain anzubieten. Und die Krypto-Milliarden schweren Stiftungen, die ihre Coins und Token auf den Markt gebracht haben, sind auch sehr still, was dieses Thema angeht (hallo, Krypto-Valley?).

Hauptsache getradet wird munter weiter

Stattdessen wird mit Blockchain das gemacht, was man eh schon immer damit gemacht hat: Kryptowährungen traden. Bis auf einige wenige Ausnahmen scheint die Krypto-Community lieber auf das Bitcoin-Halving und bessere Kurse zu warten und pumpt mittels Tether mitten in der Krise frische Assets in die Exchanges. Da spitzen einige darauf, in der Krise schlau zu handeln und auf der Gewinnerseite zu landen.

Für eine Technologie, die noch vor kurzer Zeit als das „neue Internet“, als ein neues Betriebssystem für Wirtschaft und Gesellschaft, als die Über-Revolution der digitalen Welt angepriesen wurde, ist ihr aktueller Beitrag zur Bekämpfung der Krise – naja, sagen wir mal, überschaubar.

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Corona-Krise