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Wirtschaftskammer: So sieht die neue Innovationsstrategie von Harald Mahrer aus

WKÖ-Präsident Harald Mahrer bei der Präsentation der Innovationsstrategie in Wien. © WKÖ
WKÖ-Präsident Harald Mahrer bei der Präsentation der Innovationsstrategie in Wien. © WKÖ

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) will den Innovationsmotor in Österreich anwerfen. Im Kampf um die Innovationsvorherrschaft zwischen den USA und China droht Europa und Österreich unterzugehen. Sog enannte Innovationsregionen, ein Innovations-Radar und ein Radikal-Fonds sowie der Beteiligungsfreibetrag für Investoren sind Teil der neuen Innovationsstrategie, welche WKO-Präsident Harald Mahrer am Mittwoch vorstellte.

„Die Wirtschaftsmächte werden sich verschieben,“ sagte der ehemalige Wirtschaftsminister. Wenn es so weiter geht, gewinne Asien in Sachen Innovation die Oberhand, so Mahrer. Als stark auf Export orientiertes Land hängt Österreich vom „Sich-Neu-Erfinden“ ab. „Dafür haben wir mit der Innovationsstrategie einen Plan entwickelt, um Österreich nach vorne zu bringen.“

Schwellenländer holen auf

Diese Zahlen sollen die Strategie untermauern. Bis 2050 sinkt der Anteil der etablierten Industrienationen (G7) an der globalen Wirtschaftsleistung von derzeit 44 auf 31 Prozent. Parallel bauen die sieben größten Schwellenländer (E7) ihren Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung von 56 auf 69 Prozent aus. Während China seine Forschungsausgaben von 2012 bis 2017 um 56 Prozent auf 442,7 Mrd. Dollar erhöht hat, konnte Europa seine Ausgaben in diesem Bereich lediglich um 12,2 Prozent steigern.

„Für Österreich muss die Devise daher sein: Runter von der Zuschauerbank und ab aufs internationale Spielfeld der Innovatoren, wo wir hingehören“, so Mahrer.

Salzburg könnte erste Innovationszone werden

Um sich international abzusetzen, soll es in Zukunft Innovationszonen geben. „Das wäre etwas, das uns unterscheiden könnte“, erklärt Mahrer. Die schon am Dienstag angekündigten Innovationszonen sind eine Art Freihandelszone für innovative Produkte (Trending Topics berichtet). In einem Bezirk oder mehreren Gemeinden würden Regularien nur zum Teil oder gar nicht gelten.

Ähnlich wie bei „Regulatory Sandboxes“ wird dabei ein Freiraum für Innovationen geschaffen. Dabei lerne der Gesetzgeber, welche Regeln tatsächlich sinnvoll sind, ohne dass das österreichische Regelkorsett Neues unterdrückt. Junge Produkte können so einfacher getestet werden. In Salzburg gibt es schon Interesse. Gerade für den Tourismus wäre eine Innovationszone spannend, so Mahrer.

Innovationsradar soll Österreichs Netzwerk anzapfen

Um Neues in die Welt zu exportieren, stecke in Österreich enorm viel Potenzial, sagt Mahrer, der seit September des vergangenen Jahres auch Präsident der Oesterreichischen Nationalbank ist. Der sogenannte „Innovationsradar“ soll Unternehmen bei der internationalen Positionierung unterstützen.

Beim ersten Schritt in einen neuen Markt könnte Österreich mit seinem ausgezeichneten Netzwerk Betrieben unter die Arme greifen. Um unser Netzwerk würden uns andere Länder beneiden, so Mahrer. „Das Netzwerk ist Teil des Exporterfolges Österreichs.“ Diese Informationen müsse man auch nach Hause holen und nutzen.

Mehr Forschungsprämie für Startups

Österreich erhöhte seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) von 2012 bis 2017 zwar um 15,4 Prozent aber China steigerte seine Ausgaben um 56 Prozent auf 442,7 Mrd. Dollar. Österreich könne nicht im Mittelfeld bleiben um wettbewerbsfähig zu sein. „Wir müssen ins Spitzenfeld“, mahnt Mahrer. Auf dem Weg Österreich nach vorne zu bringen, sieht sich die WKO als Partner.

Es gehe nur gemeinsam, kündigt Mahrer an und hat dabei auch Forderungen an die Politik. So soll die Forschungsprämie erhalten bleiben. Diese wurde erst 2018 von 12 auf 14 Prozent angehoben. Die Förderung dürfe allerdings nicht nur der Grundlagenforschung zugute kommen, sondern auch dem angewandten Bereich. Gerade KMUs soll die Forschungsprämie leichter zugänglich gemacht werden. „Österreich soll Hot Spot für die Spitzenforschung werden.“

Privatwirtschaft soll Radikalfonds bilden

Auch Venture Capital müsse gestärkt werden. „Beim Risikokapital sind wir steinzeitlich aufgestellt.“ Mit dem Radikal-Fonds schwebt Mahrer eine Art „Moonshot Initiative“ vor, um radikale Ideen zu fördern. Sogenannte Moonshot Initiatives sind komplett neuartige Unterfangen mit hohem Scheiter-Potenzial aber wenn sie fliegen, dann richtig. Ein Fonds oder eine Stiftung würden eine Gruppe finanzieren die sich einer neuen Idee verschrieben hat. Dafür könne die WKO nur Vermittler sein und Rahmenbedingungen schaffen. Die Initiative müsse aus der Privatwirtschaft kommen. Dafür müssten mehr Anreize für Risikokapital gesetzt werden. Daher fordert er den Beteilungsfreibetrag bzw. Business-Angel-Freibetrag privater Investoren, die in kleine Unternehmen investieren.

Österreich soll wettbewerbsfähig bleiben. Dafür braucht es Investitionen in die Bildung, die Förderung von Talenten und gute Rahmenbedingungen für neue Ideen. Zukunftsentscheidend sind laut WKO vier Handlungsfelder:

  • Angewandte F&E in Unternehmen unterstützen
  • Neuen Technologien und Daten nutzen
  • Gesellschaftliche Innovation durch Unternehmen gestalten
  • Rahmenbedingung für mehr Innovation schaffen

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