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Wirtschaftskammer drängt auf Steuererleichterungen für Investoren

Christiane Holzinger, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft (JW). © Junge Wirtschaft
Christiane Holzinger, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft (JW). © Junge Wirtschaft

Die Wirtschaftskammer Österreich und die Junge Wirtschaft starten heute, Donnerstag, eine neue Kampagne, um mehr Unterstützung für einen lange geforderten Beteiligungsfreibetrag für private Investitionen in österreichische Unternehmen zu bekommen. Das Thema schwirrt seit vielen Jahren vor allem durch die Startup- und Business-Angel-Szene und gilt als Hebel, um mehr Risikokapital für Firmen in Österreich bei Wohlhabenden locker zu machen.

Auf einer neuen Seite der Wirtschaftskammer kann man seine Unterstützung kundtun und auch gleich angeben, wie viel Geld man denn investieren würde. Die Junge Wirtschaft hat wie berichtet gemeinsam mit Wirtschaftsforschungsinstitut Economica Ende 2020 eine Studie zu einem Steuerfreibetrag für Investoren vorgelegt. Diese besagt, dass ein solcher Investitionsanreiz 334 Mio. Euro Wertschöpfung und 4.600 zusätzliche Arbeitsplätze bringen würde.

Wie könnte ein solcher Beteiligungsfreibetrag aussehen? „Ein Beteiligungsfreibetrag bedeutet, dass private Investitionen in Österreichs Unternehmen in der Höhe von 100.000 Euro über vorzugsweise 5 Jahre linear von der Steuerbemessungsgrundlage abgeschrieben werden können“, heißt es seitens Wirtschaftskammer. „Investoren bekommen dadurch Steuererleichterung, eine potentielle Gewinnbeteiligung und stärken aktiv unsere regionalen Unternehmen, denen durch das Investment zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen.“

Steuerfreibetrag für Investitionen könnte sich nach 7 Jahren für Österreich auszahlen

In der Praxis würde ein Beteiligungsfreibetrag laut Junge Wirtschaft für den einzelnen Investor so aussehen:

„Ein Kapitalgeber hat ein Einkommen von 100.000 Euro. Davon investiert er 10.000 Euro in ein Unternehmen. Diesen Freibetrag kann er verteilt über 5 Jahre von der Steuerbemessungsgrundlage für die Einkommenssteuer abziehen, die somit jährlich auf 98.000 Euro vermindert wird. Werden Gewinne durch Veräußerung von Beteiligungen erzielt, sind diese vom Kapitalgeber zu versteuern.“

Maßnahme würde weniger Steuereinnahmen bedeuten

Der Beteiligungsfreibetrag hätte bei Inanspruchnahme durch viele Investoren natürlich auch die Folge, dass dem Fiskus Steuereinnahmen entgehen. Economica zufolge würden Steuerausfälle von 202 Millionen Euro über fünf Jahre Mehreinnahmen von 141 Millionen Euro gegenüberstehen. Ab dem Ende des siebten Jahres würde der Saldo der Maßnahme erstmals positiv ausfallen.

Die Regierung, müsste sich also dazu durchringen, mittelfristig auf einige Steuereinnahmen zu verzichten – in der Hoffnung, dass die Investitionen gesündere Unternehmen, die mehr Arbeitsplätze schaffen und langfristig mehr Steuern zahlen, hervorbringen. In der Wirtschaftspolitik wird das geringe Eigenkapital, dass österreichische Firmen im internationalen Vergleich haben, als große Schwäche in der Corona-bedingten Wirtschaftskrise diskutiert.

Der Austrian Private Equity Fonds – oder warum Eigenkapital wieder sexy wird

Der heutige Präsident der Wirtschaftskammer Harald Mahrer hat als damaliger Staatssekretär 2015 die Gründerlandstrategie präsentiert. Einer der 40 Punkte war schon damals eben ein Beteiligungsfreibetrag für Investoren. Damals der Vorschlag wie heute: ein Freibetrag von bis zu 100.000 Euro, abschreibbar über fünf Jahre.

In anderen Ländern gibt es solche steuerlichen Anreize für Investoren bereits – etwa in Großbritannien, der Schweiz oder Deutschland. Über die Modelle im Vergleich kann man hier mehr erfahren.

Staatssekretär Harald Mahrer: „Der Beteiligungsfreibetrag ist eben nicht ein Steuersparmodell für Reiche“

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