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Austrian Startup Monitor

Wir wissen endlich, wie viele Startups es in Österreich gibt – und was sie wollen

Markus Raunig präsentiert in der Skylounge der WKO. © Austrian Startups
Markus Raunig präsentiert in der Skylounge der WKO. © Austrian Startups

Es sind genau 1.534 Startups, die der Austrian Startup Monitor (ASM) in seiner Datenbank hat. Das und viele weitere Daten, Zahlen und Fakten rund um junge, tech- und wachstumsorientierte Firmen aus Österreich wurden am Dienstag Abend in der Skylounge der Wirtschaftskammer vom Thinktank Austrian Startups und einer Vielzahl an Partnern präsentiert. “Es mangelte in der Startup-Szene an Zahlen, Daten und Fakten”, sagte Markus Raunig, Geschäftsführer von Austrian Startups, im Rahmen der Präsentation. Künftig müsse man nicht mehr aufs „Bauchgefühl“ hören, sondern könne sich an den Zahlen orientieren.

Wie viele Arbeitsplätze schaffen Startups? Woher bekommen sie ihre Finanzierung? Wie viel Umsatz machen? Der ASM soll diese Fragen beantworten und wird künftig – angesichts von Partnern wie aws, FFG, Wirtschaftsagentur, Wirtschafts-,  Digitalisierungs- und Infrastrukturministerium, Wirtschaftskammer, AIT oder Industriellenvereinigung – als Messlatte für kommende Initiativen dienen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Der ASM, der auch als Buch herausgegeben wird, liefert auf 113 Seiten tiefe Einblicke in die österreichische Startups-Szene. Bevor wir auf die wichtigsten Ergebnisse eingehen, hier einmal die Definition eines Startups, die bei der Online-Befragung (n=532), die herangezogen wurde:

  • Startups sind jünger als 10 Jahre
  • Startups sind mit ihren Produkten, Dienstleistungen, Technologien oder Geschäftsmodellen innovativ
  • Startups weisen ein signifikantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum an oder streben es an

Unter diese Definition fallen laut ASM also rund 1.500 österreichische Firmen. Wohlgemerkt würden diesen Kriterien zufolge aber auch Runtastic (gegründet 2009) oder Shpock (2011) unter diese Definition fallen.

Hier jedenfalls die bemerkenswertesten Ergebnisse:

  • Startups beschäftigen im Schnitt 8,2 Mitarbeiter (6 Vollzeit, 2,2 Teilzeit)
  • 12% sind Spin-offs von Universitäten
  • 50% der Startups kommen aus Wien, 15% aus Oberösterreich, 12% aus der Steiermark
  • 44,3% sind in der Startphase (MVP, erste Umsätze), 33,6% in der Growth-Phase (verstärkte Umsätze und Mitarbeiterwachstum)
  • Das Durchschnittsalter der Gründer liegt bei 36,6 Jahren
  • 75% der Gründer sind Hochschulabsolventen
  • 12% der Gründer sind weiblich
  • 29% der Teams haben mindestens eine Gründerin
  • 81% finanzieren sich aus selbst Ersparten, 55% aus öffentliche Förderungen, 33% über Business Angels
  • 15% haben externes Kapital von mehr als einer Mio. Euro aufgenommen
  • Rund 50% erwirtschafteten weniger als 50.000 Euro Umsatz, nur rund 10% machten im vergangenen Jahr mehr als 1 Mio. Euro Umsatz

Was Startups wollen

“Startups sind das Salz in der Suppe der österreichischen Wirtschaft”, sagte Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) bei ihrer Eröffnungsrede bei der Präsentation des ASM. “Wir müssen es schaffen, dass es wieder Spaß macht, ein Unternehmen zu gründen, und dass es leicht ist.” Besonders interessant für sie war, was sich Startups von der Politik wünschen.

Margarete Schramböck, Ministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. © Austrian Startups
Margarete Schramböck, Ministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. © Austrian Startups

Dem ASM zufolge sind es ganze 75% der befragten Startup-Vertreter, die sich eine Senkung der Lohnnebenkosten wünschen. Das ist insofern spannend, weil die aktuelle Bundesregierung die von der vorherigen Regierung eingeführten Lohnnebenkostenförderung für Startups gestrichen hat (Trending Topics berichtete). Als Grund nannte Schramböck damals, dass das Budget dafür zu weniger als 50 Prozent ausgenutzt worden sei. Im Rahmen der ASM-Präsentation verwies die Wirtschaftsministerin auf die geplante Steuerstrukturreform 2020, bei der Lohnnebenkostensenkungen für alle Unternehmen – ob Startup oder nicht – kommen sollen.

Wichtig ist Startups auch der Abbau von bürokratischen Hürden (70%). Auch das soll weiter schrittweise umgesetzt werden. “Das ist nicht leicht. Mit Harald Mahrer und mir haben sie dabei Verbündete”, so Schramböck mit Verweis auf den ebenfalls anwesenden Präsidenten der Wirtschaftskammer. Den zwei wichtigen Förderinstitutionen aws und FFG hätte sie den „eindeutigen Auftrag“ gegeben, „schneller und einfacher zu werden.” (Trending Topics berichtete). “Einige Förderungen brauchen viel zu lange, bis sie bei den Unternehmen sind”, so Schramböck.

Startups schaffen Arbeitsplätze

Dass Startups hoch im Kurs bei Politikern stehen, demonstrierten sie bei der ASM-Präsentation durch die Bank. “Volkswirtschaftlich sind jene Gründungen sehr wichtig, die viele Arbeitsplätze schaffen”, so WKO-Präsident Harald Mahrer. Und: Sie seien auch wichtig, um einen Know-how-Transfer zu jenen vielen mittelständischen Unternehmen im Land herzustellen, die glauben, dass sie von der Digitalisierung nicht betroffen sind.

WKO-Präsident Harald Mahrer. © Austrian Startups
WKO-Präsident Harald Mahrer. © Austrian Startups

Insgesamt sind es dem SAM zufolge rund rund 5.000 neue Arbeitsplätze, die Startups im Land schaffen könnten. Ein großes Problem dabei ist der Fachkräftemangel – also wenn es etwa darum geht, Spezialisten für AI, Big Data oder Programmierung zu finden. Und da nahm Schramböck schließlich die Jungunternehmer in die Pflicht: “Die Startup-Szene soll mehr zum Thema Lehre beitragen“, sagte sie. So könnten Startups bereits App-Entwickler als Lehrlinge aufnehmen, bald auch eCommerce-Kaufmännern/frauen.

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