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Forum Alpbach

“Wir müssen der AI den Stecker ziehen können”

Matthias Strolz. © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch
Matthias Strolz. © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch

Für 81 Prozent der österreichischen Unternehmen ist AI das wichtigste Digitalisierungsthema überhaupt, 57 Prozent erwarten einen hohen Einfluss durch AI auf Geschäftsfelder, die es noch gar nicht gibt. Und das das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort erwartet durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz ein Wirtschaftswachstum von 3 Prozent jährlich, was einer Verdoppelung zum Ist-Zustand entspricht (2019 werden 1,6 Prozent erwartet).

Eigentlich müssten viele Bestrebungen in Österreich auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz hinauslaufen. Die Stadt Wien präsentierte erst diese Woche ihre AI-Strategie (Trending Topics berichtete), immer mehr AI-Startups drängen auch hierzulande in den Markt, und eine AI-Strategie für das gesamte Land befindet sich in Entwicklung. Jedoch: Der „KI-Reifegrad“ österreichischer Unternehmen ist noch sehr gering, nur fünf Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Einsatz von AI als „fortgeschritten“, 81 Prozent sind noch in der Planungsphase, und 14 Prozent denken noch überhaupt nicht daran, AI einzusetzen.

Bernd Carsten Stahl (Professor an der De Montfort University, UK, Leiter des Centre für Computing & Social Responsibility). © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch
Bernd Carsten Stahl (Professor an der De Montfort University, UK, Leiter des Centre für Computing & Social Responsibility). © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch

„Die Politik hinkt hinterher“

Wer ist nun daran schuld, warum Europa neben den USA und China in Sachen Investitionen in AI ziemlich blass aussieht? Die einfache Antwort: die Politik. “Die Politik hinkt hinterher. Sie versucht bestehende Probleme zu lösen und antizipiert nicht”, sagte Ex-Politiker Matthias Strolz (NEOS) bei einer Diskussion zum Thema beim Europäischen Forum Alpbach. Immerhin will die EU bis Ende 2020 mindestens 20 Milliarden Euro sowie in den darauf folgenden zehn Jahren über 20 Milliarden Euro jährlich an öffentlichen und privaten Investitionen in die Forschung und Innovation im Bereich der künstlichen Intelligenz fließen lassen.

So sollte es nicht an Geld fehlen (auch wenn sich die Wirtschaft gerne noch mehr wünscht), doch noch fehlt der konkrete rechtliche Rahmen, der Unternehmen zeigt, was geht und was nicht. Wo etwa soll die Grenze für automatisierte Gesichtserkennung liegen – darf man solche Technologien an Behörden verkaufen oder gar an andere Staaten? Und: wem gehören überhaupt die Daten, mit denen AI arbeitet und die AI produziert?

Andreas J. Ludwig (Vorstandsvorsitzender, Umdasch Group AG). © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch
Andreas J. Ludwig (Vorstandsvorsitzender, Umdasch Group AG). © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch

Nur Selbstregulierung reicht nicht

“Es gibt absoluten Regelungsbedarf. Es ist derzeit nicht klar, wem die Daten gehören, die wir schon jetzt generieren”, sagte Andreas J. Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Umdasch Group AG. Sein Unternehmen werde künftig nicht nur mehr Stahlkonstruktionen und Schalungselemente verkaufen, sondern auch die Sensorik darin. Und dann werde die Frage noch dringlicher, wem jetzt die Daten gehören – Umdasch selbst, der Cloud-Anbieter, der Bauträger?

Aber nicht nur das österreichische Unternehmen, sondern auch große US-IT-Konzerne wünschen sich mittlerweile entsprechende Regulierung. “Am Ende brauchen wir einen Rechtsrahmen, das kann keine Selbstregulierung sein”, so Dorothee Ritz, General Managerin von Microsoft Österreich. „Es sind Regulierungen notwendig, um den Menschen ehest möglich die Ängste und Sorgen vor AI zu nehmen und den Fokus auf die vielen Möglichkeiten und das nahezu unbegrenzte Potential zu lenken.“

Dorothee Ritz (General Managerin, Microsoft Österreich). © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch
Dorothee Ritz (General Managerin, Microsoft Österreich). © Microsoft Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hetfleisch

“Jede AI-getriebene Entität braucht einen Killswitch“

Die Regulierungsfrage ist stark mit der Ethik-Frage verbunden. Gerade der EU wird zugetraut, bei „Ethical AI“ eine führende Rolle einnehmen zu können. “Was der chinesischen Regierung an Daten verkauft wird, will ich bei uns nicht sehen”, so Ludwig. Auch Microsoft sieht sich auf dieser Seite. So hätte man kürzlich eine Milliarde US-Dollar in die Non-Profit-Organisation OpenAI investiert, um Künstliche Intelligenz „zum Wohle der gesamten Menschheit“ weiter zu entwickeln. OpenAI ist aber auch hat etwa eine Software entwickelt, mit der automatisch Nachrichtenartikel geschrieben werden können, die täuschend echt sind – aber auch Fake News entdeckt werden können.

Ein zweischneidiges Schwert also. Nicht auszudenken, wenn solche Tools in die falschen Hände geraten oder sich eine AI gar verselbstständigt. Ex-Politiker Strolz, der neuerdings an Bord des Salzburger Startups Story.one ist (Trending Topics berichtete) und AI dort gerne zum Überprüfen von Nutzer-Content einsetzen würde, fordert deswegen: “Jede AI-getriebene Entität braucht einen Killswitch. Wir müssen der AI den Stecker ziehen können.”

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