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Wiener Startup mything will alle Produkte vom 3D-Druck-Anbieter nebenan produzieren lassen

Florian Mott im Mything Modelshop Vienna. © Wolfgang Wolak
Florian Mott im Mything Modelshop Vienna. © Wolfgang Wolak

2,1 Millionen Euro Investment für ein Startup, das noch gar kein Produkt hat – das ist in Österreich ungewöhnlich und hat vor einem halben Jahr für viel Aufmerksamkeit gesorgt (Trending Topics berichtete). Mit ein paar Monaten Verspätung ist es nun so weit: der Marktplatz mything ist fertig und gestartet. Kunden können auf der Plattform kleine bis mittelgroße Produkte von Designern kaufen und von einem 3D-Druck-Anbieter ihrer Wahl fertigen lassen. Der Vorteil: statt einer komplizierten Fertigung in China, kann schnell beim Anbieter ums Eck produziert werden – inklusive Versand dauert das dann nur ein bis zwei Tage statt mehrerer Wochen.

Vom Schmuck zu Schuhen und Ersatzteilen

Zu Beginn sind auf der Plattform vor allem Schmuck und kleinere Accessoires erhältlich. Bei 3D-Druck ist die Größe derzeit auf 30 x 30 x 30 Zentimeter beschränkt – Bilder im Lasercut können auch etwas größer ausfallen. Die Vision ist allerdings eine Plattform für Produkte jeglicher Art, erklärt Co-Founder Florian Mott im Gespräch mit Trending Topics: „50 Prozent aller Consumer Goods werden in Zukunft so entstehen“. Das umfasse beispielsweise Schuhe, Kleidung oder Ersatzteile.

mything hofft darauf, diesen Milliardenmarkt erobern zu können: „Wir sind die Ersten, die dafür eine Plattform bauen“, so Mott. Das hat mything auch der Komplexität eines dreiseitigen Marktplatzes zu verdanken – ein Thema, an das sich kaum jemand heranwage, meint Mott. mything vermittelt zwischen Designern, Produzenten und Kunden.

Preisberechnung als Herausforderung

mything wollte eigentlich schon im Spätherbst 2017 starten. Die Entwicklung des Marktplatzes war dann aber doch komplizierter als gedacht. Einerseits musste jedes 3D-File der Designer auf die Druckfähigkeit überprüft werden. Die eigentliche Herausforderung war laut Mott aber die technische Umsetzung der Preisberechnung. Der Preis für die Designobjekte setzt sich aus den Lizenzgebühren der Designer und den Produktionskosten der 3D-Druck-Anbieter zusammen. Die Produktionskosten wiederum variieren bei jedem Produkt und hängen von mehreren Parametern ab. Aus diesen Faktoren wird der Preis in Echtzeit berechnet.

Zum Start bieten auf der Plattform 50 internationale Designer 800 Produkte an, die von 20 3D-Druck-Anbietern in Österreich gefertigt werden. Kunden suchen sich ein Produkt aus, dann erhalten sie eine Liste möglicher Hersteller und wählen diesen selbst aus. Um Produktion und Versand kümmert sich dann der Hersteller selbst. mything erhält dafür eine Provision von 25 Prozent von beiden Seiten.

„Geschäftsmodell leicht skalierbar“

Im zweiten Halbjahr will mything bereits nach Deutschland expandieren. „Das Geschäftsmodell ist sehr leicht skalierbar“, sagt Mott. Die Designer hat das Startup bisher persönlich angeschrieben oder über Designwettbewerbe auf die Plattform aufmerksam gemacht. Die Produkte der Plattform funktionieren international. Bei der Expansion in neue Märkte muss folglich vor allem auf den Aufbau eines Netzes an Produktionsstätten, also 3D-Druck-Anbietern geachtet werden.

Noch heuer Deutschland, USA 2020

Weitere europäische Länder will mything entweder noch heuer oder im Frühjahr 2019 abdecken. Dazu peilt das Startup noch heuer eine weitere Investmentrunde im einstelligen Millionenbereich an. Im Frühjahr 2019 nimmt mything außerdem am GoSiliconValley-Programm der Außenwirtschaft Austria teil und will dort den Eintritt auf den US-Markt vorbereiten. Der ist dann für 2020 geplant.

mything wurde 2017 von Florian Mott (ehem. bwin), Gerhard Pail und Frank Kappe gegründet. Pail und Kappe sind Serial-Entrepreneurs und haben über ihren VC KaPa Ventures 2,1 Millionen Euro in das Startup investiert.

 

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