Interview

„Modernes Online-Banking soll bei den wichtigen Lebensentscheidungen genauso unterstützen wie im täglichen Leben.“

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Das Team hinter predictR besteht aus Mathematikern und Software-Entwicklern, am Bild (v.l.n.r.) Jan Michael Auer, Maximilian Bernkopf, Jakob Etzel, Bernd Funovits, Richard Knoll und Martin Prebio. © Mantigma.
Das Team hinter predictR besteht aus Mathematikern und Software-Entwicklern, am Bild (v.l.n.r.) Jan Michael Auer, Maximilian Bernkopf, Jakob Etzel, Bernd Funovits, Richard Knoll und Martin Prebio. © Mantigma.

Im Dezember 2014 lud die Erste Group zum Hackathon: Wie kann man aus Banktransaktionen von Privatkunden eine Kontostandsprognose gewinnen? Ein Team aus vier Studenten konnte bei diesem Programmierwettbewerb die Jury von sich überzeugen – und gründete kurze Zeit später das Start-up predictR. Als die Erste Group im März 2016 öffentlich die Kooperation mit dem FinTech bekanntgab, sorgte das für Wirbel in der Finanzszene.

Nun haben sie es schon wieder getan: Die Köpfe hinter predictR heute auch bei „Innovation to Company“ (1. Platz NFG-Challenge) und im Herbst 2016 bei der CA Technology Challenge ab (3. Platz).

Grund genug für Trending Topics, das innovative Wiener Start-up predictR rund um die Mathematiker und Software-Entwickler Jan Michael Auer, Maximilian Bernkopf, Jakob Etzel, Bernd Funovits, Richard Knoll und Martin Prebio näher unter die Lupe zu nehmen.

Jakob Etzel, Geschäftsführer der Mantigma GmbH, die predictR entwickelt, im Interview mit Trending Topics.

Eine Revolution im Online-Banking

Trending Topics: Wie lange gibt es das Start-ups PredictR schon und welche sind eure wichtigsten Milestones?

Jakob Etzel: Wir haben im Dezember 2014 einen Programmier-Wettbewerb der Erste Group gewonnen und uns dann Schritt für Schritt mit predictR selbständig gemacht. Das Gründerteam waren damals vier Personen und wir sind sehr stolz, heute mit einer der größten mitteleuropäischen Bankengruppen zusammenzuarbeiten. Wir sind jetzt ein Team von sechs Personen aus Mathematikern und Software-Entwicklern.

TT: Was können Anwender von predictR erwarten – und was nicht?

Etzel: Die Erste Group hat in den letzten Jahren im Online-Banking schon für einige Überraschungen gesorgt. Da möchte ich jetzt nicht die Spannung nehmen und über unsere konkreten Pläne sprechen. Jedenfalls arbeiten wir hart daran, dass die Kunden der Bank bald mehr Informationen über ihre Finanzen bereitgestellt bekommen – und das auch in die Zukunft schauend. Modernes Online-Banking soll mich bei den wichtigen Lebensentscheidungen genauso unterstützen wie im täglichen Leben. Was nicht geht: Wir werden nicht auf den Tag genau vorhersagen, wann du in fünf Jahren ein neues Auto kaufen wirst. Wir helfen hingegen jetzt schon sicherzustellen, dass dieses Auto dann auch wirklich leistbar ist.

TT: Mit der Erste Group als Kooperationspartner ist ja bereits ein wichtiger Partner mit an Bord. Was hat die Erste überzeugt?

Etzel: Ja, starke Partner sind bei solchen Projekten in der Tat sehr wichtig! Die Erste Group ist eine Bank mit 16 Millionen Kunden und dieses geballte Kunden- und Marktverständnis ist genauso wichtig wie unsere fein abgestimmte Algorithmik. Ich denke, ausschlaggebend für diese Kooperation waren unsere Geschwindigkeit in der Programmierung sowie unser Verständnis für die Realität der Banken. Ich habe selber in einer Bank gearbeitet – am Schalter und im Backoffice sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft. Viele unserer Mitarbeiter bringen eine besondere Affinität zur Finanzwelt mit. So ist unser Chef-Statistiker nicht nur promovierter Mathematiker, sondern auch Absolvent der anspruchsvollen CFA-Prüfungen und mit Erfahrung aus dem Investment Banking bei Credit Suisse.

Gregor Bierent (rechts), Director New Frontier Group, gratuliert dem predictR-Team – hier im Bild Maximilian Bernkopf, Martin Prebio, Jakob Etzel (v.l.n.r.).
Gregor Bierent (rechts), Director New Frontier Group, gratuliert dem predictR-Team – hier im Bild Maximilian Bernkopf, Martin Prebio, Jakob Etzel (v.l.n.r.).

Datenschutz & Hackathons

TT: Bankdaten sind ja recht heikel. Wie sieht es dabei mit dem Thema Datenschutz aus?

Etzel: Banken haben jahrzehntelange Expertise im Bereich Datenschutz und gelten wohl als einer der sichersten Datenhorte. Die Zusammenarbeit mit etablierten Banken ermöglicht uns, dass wir den Fokus auf Innovation legen, während die Bank den Schutz der Bankdaten sicherstellt.

TT: Wird PredictR exklusiv für Kunden der Erste Bank zur Verfügung stehen?

Etzel: Aus heutiger Sicht kann ich dazu keine Aussage machen. Aber mit Sicherheit werden die Kunden der Erste Bank als erste in den Genuss unserer Lösungen kommen.

TT: Nach dem Hackathon Ende 2014 habt ihr kürzlich gleich den nächsten Wettbewerb gewonnen. Was ist das Geheimnis eures Erfolgs?

Etzel: Ja, unser Team hat im November 2016 die Scientific Computing Challenge der New Frontier Group im Rahmen von „Innovation to Company“ gewonnen. Zum Erfolg tragen wohl drei Dinge besonders bei: Unsere Programmierer zählen zu den besten in Österreich und Deutschland – echtes Talent kann man mit fast nichts aufwiegen. Zudem sind wir seit vielen Jahren ein eingespieltes Team und drittens echt interdisziplinär unterwegs. Bei uns sind Statistiker, Finanzmathematiker, Software- und Hardwareentwickler und Politikwissenschaftler im Team.

TT: Was hat die Jury der Bewerbe überzeugt?

Etzel: Die Jurys waren jeweils war top-besetzt und haben uns auch nach dem Bewerbungsprozess und dem öffentlichen Pitch noch in kleinen Runden auf Herz und Nieren geprüft. Ich denke, sie haben gesehen, dass wir mit unserer Lösung im richtigen Trend sind und den Bankenmarkt gut verstehen. Besonders unsere Fähigkeiten im Bereich Data Science und Algorithmen können regelmäßig beeindrucken.

Fahrplan für rasche Expansion

TT: Gab es auch Stolpersteine oder Hürden auf eurem Weg?

Es gibt immer wesentlich mehr Stolpersteine und Hürden als Erfolge. Davon liest man natürlich nicht in der Zeitung, aber die Wahrheit ist, dass man bei jedem Innovationsprojekt viele Hindernisse aus dem Weg schaffen muss. Wir freuen uns dafür dann mit unseren Kunden und Partnern besonders, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen ist.

TT: Zum Start-up selber: Wie läuft die Umsatzentwicklung von PredictR?

Etzel: Wir befinden uns zurzeit noch in der Phase der finalen algorithmischen Entwicklung – da kann man noch nicht wirklich von berauschenden Umsätzen sprechen. Wir sind aber mit vielen potentiellen Kunden in mehreren Kontinenten in Kontakt und haben einen klaren Fahrplan für eine rasche Expansion.

TT: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus, sind Investments geplant oder sucht ihr nach Investoren? Oder strebt sogar eine eigene Banklizenz an?

Etzel: Es ist möglich, dass wir bei predictR in mittlerer Zukunft eine Finanzierungsrunde machen. Der Einstieg von Investoren kann eine passende Unterstützung bei der geographischen Expansion sein oder für die Entwicklung eines Folgeprodukts. Im Moment suchen wir aber nicht gezielt nach Investments. Die Zusammenarbeit mit etablierten Banken und Versicherungen ist deswegen so spannend, weil viel mehr Ressourcen und eine große Kundenbasis zur Verfügung stehen. Deswegen brauchen wir auch keine eigene Bankenlizenz.

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