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Wien Token: Wirtschaftsuni berät Stadt Wien bei Krypto-Projekt

Mehr Öffi, weniger Auto - vielleicht werden Wiener dafür bald belohnt © Pixabay
Mehr Öffi, weniger Auto - vielleicht werden Wiener dafür bald belohnt © Pixabay

Wie kann man sanfte Anreizsysteme schaffen, um Bürger zu einer nachhaltigeren Lebensweise zu bewegen oder etwa Steuererklärungen zeitgerecht einzubringen? „Nudging“ stammt aus der Verhaltensökonomie und schafft diesen Anreiz durch transparente, harmlose, kleine Kniffe. Dafür hat einer der Väter dieses Prinzips, Richard Thaler, 2017 den Wirtschaftsnobelpreis verliehen bekommen.

Solche Anreizsysteme können auch mit Blockchain-Technologie geschaffen werden. Und genau das scheint die Stadt Wien nun vorzuhaben. Der Wien Token, den Brigitte Lutz, die „Data Governance Koordinatorin“ der Stadt Wien, bereits in einem Interview mit Trending Topics anklingen ließ, geht nun in die Konzeptphase. Beratend steht der Stadt Wien dabei die Wirtschaftsuniversität Wien zur Seite, die sich mit dem Institut für Kryptoökonomie und dem ABC, Austrian Blockchain Center, bereits international als Blockchain-Forschungszentrum positioniert hat.

Noch in einer frühen Design-Phase

Vergangenen Herbst habe man gemeinsam einige Use Cases für die Stadt erarbeitet, bestätigt Shermin Voshmgir, die Leiterin der Forschungsinstituts für Kryptoökonomie, im Gespräch mit Trending Topics. Details könne man aber noch keine nennen: „Wir sind in einer sehr frühen Design-Phase, in der wir gemeinsam mit der Stadt Wien überlegen, wie ein solcher Wien Token aussehen könnte“, so Voshmgir. „Es geht darum, zu verstehen, wie wir einen Token generieren können, der für die Stadt einen Mehrwert bringt“.

„Eine Idee wäre ein Belohnungssystem durch Token. Man könnte zum Beispiel für eine Beschwerde über die Stadt-Wien-App einen Token bekommen, den man dann bei einem Theater einlösen könnte. Oder man erhält einen Token für jede Fahrt mit dem Fahrrad“, so Lutz.

Die „Killeranwendung der Blockchain“

Tokens werden über einen Smart Contract auf der Blockchain generiert und können jegliches Gut oder jeglichen Wert repräsentieren. Darunter fallen zum Beispiel auch Kryptowährungen. Voshmgir geht aber davon aus, dass dieses System in den nächsten zehn Jahren ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen wird und ähnlich revolutionär wirkt wie das Internet selbst: „Meiner Meinung nach sind Tokens die Killeranwendung der Blockchain schlechthin“.

Ein spannender Anwendungsfall sei etwa „fractional ownership“. Ein Kunstwerk oder eine Immobile könnte über ein Token-System zahlreiche Anteilseigner haben, die im Fall der Fälle an einer Miete oder einem Verkauf partizipieren. „Theorien, die es schon länger in der Ökonomie gab, die schwer zu verwalten waren, sind plötzlich administrierbar“, so die Forscherin. Die großen Vorteile: Token gelten als fälschungssicher und die Erstellung ist einfach und billig.

Bitcoin selbst lebt von einem Anreizsystem

Die Idee, Tokens als Anreizsystem zu verwenden, steckt bereits in der bekanntesten Blockchain-Anwendung, dem Bitcoin. „Der Sinn von Bitcoin ist, dass ich die Akteure im Netzwerk dafür belohne, dass sie das System sicher halten und Transaktionen richtig verifizieren. Die Kryptoökonomie dahinter ist so designt, dass es sich nicht auszahlt, korrupt zu sein“, beschreibt die Institutsleiterin der WU Wien das System. Dieses Prinzip könne man auch verwenden, um beispielsweise Anreizsysteme für eine nachhaltigere Welt zu schaffen. Aktuelle kryptografische Methoden wären auch bereits geeignet, die Privatsphäre in einem solchen System sicherzustellen. „Man muss natürlich aufpassen, dass man etwas Gutgemeintes nicht falsch designt“.

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