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Wie Volksbank-CEO Gerald Fleischmann das „große Schlachtross“ zum Digital Player umbauen will

Generaldirektor DI Gerald Fleischmann © Volksbank
Generaldirektor DI Gerald Fleischmann © Volksbank

Früher handelte Gerald Fleischmann noch im Handelssaal übers Telefon und Schatztruhen hatten einen Hund. Inzwischen hat sich in der Finanzwelt viel verändert. Mit Trending Topics spricht der Generaldirektor der VOLKSBANK WIEN AG über die Transformation zur Digitalisierung. Die Volksbank will als erste Bank Österreichs Mitte 2019 einen digitalen Wohnkredit anbieten. Fintechs sieht Fleischmann nicht als Konkurrenten, sondern als Kooperationspartner. Er erzählt von den großen Meilensteinen der Bank-Branche und was er von Mifid II und der EU-Finanztransaktionssteuer hält.

Trending Topics: Sie haben ein spannendes Event auf der Fintech-Week gesponsert (Trending Topics berichtete). Was war die Motivation dahinter?

Gerald Fleischmann: Der Volksbanken-Verbund hat sehr viele Herausforderungen zu meistern gehabt. Wir haben sehr starke strukturelle Änderungen vorgenommen. Jetzt können wir uns um den Kanal „Digital“ stärker kümmern. Das ist der Grund warum wir heuer bei der Fintech-Week dabei waren. Wir wollen vermehrt in die Richtung Digitalisierung gehen. Es geht nicht nur darum, eine Fintech-Idee oder eine Applikation zu finden. Es geht vielmehr darum, das Thema Digitalisierung vermehrt in die Köpfe der Mitarbeiter zu bekommen. Nur als Beispiel: Bis vor zwei Jahren, haben wir weder in diesem Haus, noch in einer der Filialen W-LAN gehabt. Man kann nicht in die Digitalisierung gehen, wenn es solche grundlegenden Themen nicht gibt.

Inzwischen ist alles ausgestattet. So beginnt man die Belegschaft auf Digitalisierung vorzubereiten und umzudenken. Dafür holen wir Leute von draußen, die wissen wie es funktioniert und die als Inkubatoren innerhalb des Unternehmens wirken. Wir haben es sehr begrüßt Gastgeber eines der Events der Fintech-Week zu sein. Es hilft das Thema Digitalisierung in die Köpfe zu bekommen.

Neben den W-Lan was waren die größten Herausforderungen?

(Lacht) Das war nur ein Beispiel. Ich glaube aber dass wir da nicht die einzigen sind.

Da haben Sie bestimmt Recht.

Wir arbeiten an konkreten Lösungen. Unser Mobile- bzw. Online-Banking kann viel, ist aber nicht kundenfreundlich genug. Daher fokussieren wir uns auf Kundenfreundlichkeit. Kunden sollen ihre Banking Oberfläche schneller finden und leichter benutzen können.

Man kann online ein Konto eröffnen. Das wird unabhängig von der Bank noch wenig genutzt. Egal welche Bank man anschaut, 90 Prozent der Abschlüsse sind immer noch über den klassischen Weg der Filiale. Die Herausforderung ist, den digitalen Kanal in einem adäquaten Tempo hochzufahren. Dann sehen wir, wie viel in der Filiale noch notwendig ist. Wird das Filialnetz zu schnell abgebaut, finden die Kunden den Anschluss nicht mehr.

Das wichtigste Produkt, das hat noch keine Bank scharf geschalten, ist der digitale Wohnraumkredit. Den Konsumentenkredit kann bei uns schon digital abgeschlossen werden. Das ist einfach, weil man Geld ohne Sicherheit erhält. Ein besicherter Kredit ist komplexer. Am Ende des zweiten Quartals wollen wir live gehen. Dann kann man seine Unterlagen scannen und völlig digital seinen Wohnraumkredit abschließen. Was für uns ganz wichtig ist, wir wollen den digitalen Wohnraumkredit auch in den Filialen ausrollen. Filialmitarbeiter gehen die gleiche Strecke, wie der Kunde im Netz.

„Das Digitale hat einen riesigen Vorteil: Es ist kein Mensch mehr involviert.“

Filialen bleiben also wichtig oder sehen Sie die Volksbank irgendwann nur noch online?

Nein. Es gibt Bankgeschäfte die online super gut funktionieren werden. Da denke ich an Payments und den Konsumentenkredit. Bei anderen Geschäften ist es schwieriger. Da glaube ich an die Interaktion von Mensch zu Mensch.

Das Digitale hat einen riesigen Vorteil: Es ist kein Mensch mehr involviert. Das macht Produktstrecken einfach und ist für den Menschen bequem. Der riesige Nachteil: Man hat keine Interaktion mehr mit Menschen. Was der Vorteil ist, birgt gleichzeitig auch den Nachteil. Immer wenn man ein elektronisches Produkt kauft, möchte man beraten werden. Das Bankgeschäft ist ein komplexes Thema. Bei Kredit und Veranlagung wollen viele persönlichen Kontakt und Beratung. Deswegen glaube ich an das Existieren nebeneinander.

Auf der Fintech-Week sahen die meisten Fintechs Banken als wichtige Kooperationspartner. Könnten Sie sich vorstellen mehr mit Fintechs zu kooperieren?

Ja. Die klassischen Fintechs sind keine Konkurrenten zu den Banken. Das sind eher große Player wie Amazon und Google (ect.). Die können aufgrund ihrer großen Kundschaft disruptiv wirken. Kooperation wird den Erfolg machen. Der Vorteil der Fintechs ist das technische Know-how und die andere Denkweise. Wir sind ein großes Schlachtross, Fintechs sind kleine. Der Vorteil der Banken ist der große Kundenstamm. Die Volksbank hat 1,1 Mio. Kunden. So einen Kundenstamm muss man sich erst einmal erarbeiten.

Datenschutz ist auch ein wichtiges Thema. Banken haben ein extrem hohes Know-how den Datenschutz wahrzunehmen. Sicherheit war immer unser höchstes Gut. Ein Kunde denkt lieber innovativ mit einer Bank, als zu jemandem zu gehen von dem er noch nie gehört hat. Dabei sind Banken hoch reguliert. Durch den Druck der Aufsichtsbehörde haben wir sehr viel Know-how. Wenn man das technische und agile Know-how der Fintechs mit dem regulatorischen Wissen der Banken verheiratet, dann wird es ein Erfolgsmodel. Deswegen sind flexible APIs das wichtigste. Die Ideen der Fintechs in das eigene Kernbankensystem zu bekommen, ist die große Schwierigkeit. Banken haben gewachsene IT-Strukturen, die schwer neue Ideen und Applikationen zulassen.

„Sandboxes sind eine gute Idee.“

Finden Sie das ungerecht, wenn Banken reguliert werden und der Finanzminister Fintechs Sandboxes erlaubt? (Trending Topics berichtete)

Nein, Sandboxes sind eine gute Idee. Die Zukunft liegt in der Kooperation. Wenn ein Fintech den Weg allein geht und zur Bank wird, dann schlägt die Regulierung sofort zu. Von einer Idee zur Bank – das ist ein mühsamer Weg.

Sie sind seit den 1990ern in der Finanzwelt tätig. Was hat die Finanzwelt tiefgreifend verändert?

Man hat Payments ins digitale Netz gebracht. 70 bis 80 Prozent der Payments finden digital statt und das instant. Alles was rund um Payments passierte, ist irre. Ich selbst komme aus dem Treasury. Ich bin ja noch im Handelssaal gesessen und hab übers Telefon gehandelt. (Lacht) Das gibt es jetzt nicht mehr. Alles was over the counter war, funktioniert nur mehr elektronisch. Der Handel ist komplett in die digitale Welt hineingegangen. Das sind die größten Innovationen. Die sind komplett wegmaschiert.

Was marschiert als nächstes weg?

Noch sind es nicht die Kreditprodukte und nicht die Wert-Papierprodukte. Das wäre das klassisch nächste. Das ist aber noch nicht im großen Stil da. Die Banken präparieren sich aber schon und schauen, dass sie den Kanal möglichst komfortabel zur Verfügung stellen. Wenn es mal beginnt, wollen alle da sein.

Ich glaube es muss ein einfaches Produkt sein: z.B. Konsumentenkredite. Man will einfach 5.000 Euro. Das sind relativ kleine Beträge. Wenn man es einmal gemacht hat, kann man das immer wieder abholen. Es ist sehr wenig Interaktion und Beratung notwendig. Fast alle Banken bieten Konsumentenkredite im Netz an.

„Meine Daten sind sicher, mein Geld ist sicher“

Ist das ein Widerspruch Tradition und Transformation zur Digitalisierung?

Nein. Das Traditionelle hat viel Wert beim Kunden. Kunden wissen, meine Daten sind sicher, mein Geld ist sicher. Die Volksbank hat extrem hohe Vertrauenswerte. Wir sind unter österreichischen Banken fast immer an der Vertrauensspitze bei Umfragen.

Für junge Mitarbeiter ist das schon ein Thema. Wir wollen junge Mitarbeiter. Gerade die Modernität muss beworben werden. Sie sollen wissen, die Volksbank ist eine traditionelle Marke aber dahinter steht eine moderne digitale Organisation. Dafür bieten wir in Zukunft innovative Bürokonzepte, neue digitale Konzepte und deswegen nehmen wir auch an der Fintech-Week teil.

Deutschland und Frankreich überraschten mit einem neuen Vorschlag für eine europäische Finanztransaktionssteuer. Was halten Sie davon?

Gar nichts. Ein liquider Kapitalmarkt ist wichtig. Österreich ist viel zu wenig liquide. Es erschwert auf dem Finanzmarkt Transaktionen zu machen. Ein funktionierender Kapitalmarkt ist wahnsinnig wichtig für wirtschaftliche Entwicklung. Das sollte man meiner Meinung nach nicht besteuern. Außerdem haben wir jetzt Mifid II.

Mifid II, die neuen Richtlinien zur Finanzmarktregulierung, trat heuer in Kraft und wurde zum Schutz der Kunden eingeführt. Haben Sie das Gefühl, es hat den Kunden geholfen?

Nein. Es erhöht vor allem den administrativen Aufwand. Der Kunde muss tausend Sachen unterschreiben. Irgendwann wird das für ihn zu kompliziert.

„Heuer haben wir ein Kreditwachstum von mehr als zehn Prozent erreicht.“

Ihr Highlight heuer?

Heuer haben wir ein Kreditwachstum von mehr als zehn Prozent erreicht. Das ist eine extrem hohe Zahl. Unser Ziel ist es die Hausbank Österreichs zu sein. Wir kommen aus einer 150-jährigen Geschichte. Wir sind eine traditionelle Bank. Im Zentrum unseres Strebens ist die Vergabe von Krediten. Dafür braucht uns der Kunde. Das ist unsere volkswirtschaftliche Verpflichtung.

In ihrem Büro steht eine Schatztruhe, ist die auch schon 150 Jahre alt?

(Lacht) Die Schatzkiste ist leider leer. Sie hat auch nicht den klassischen Hund. Sie kennen das Sprichwort „Auf den Hund gekommen“?

Ja.

Das kommt daher, dass früher ein Hund am Boden der Schatztruhen war. Und wenn man den Hund gesehen hat, dann wusste man, die Kiste ist leer.

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