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Wie die Wirecard-Insolvenz Fintech-Startups mit sich reißt

© Pexels
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2014 hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg seinen Leitspruch “Move Fast and Build Things“ gegen “Move Fast With Stable Infra” ausgetauscht. So mancher europäische Fintech-Gründer wünscht sich derzeit, diesen Spruch ganz groß an der Bürowand prangen zu haben. Denn im Zuge der Wirecard-Insolvenz sind bei einer ganzen Reihe von europäischen und asiatischen Startups die Lichter ausgegangen. Denn sie haben auf eine Wirecard-Tochter gesetzt, mit deren Hilfe sie Visa- und Mastercard-Karten an Kunden ausgeben konnten.

„Alle Holvi Business Mastercards wurden in Verbindung mit dem Insolvenzverfahren der Wirecard AG temporär gesperrt. Wir arbeiten rund um die Uhr an einer Lösung, um die Kartennutzung wieder möglich zu machen“, heißt es etwa seitens des finnischen Banking-Service für Freelancer und Selbstständige Holvi. „Zahlungen und Geldabhebungen mit der Mastercard sind derzeit nicht möglich.“ Nicht betroffen seien das Versenden von Rechnungen sowie das Tätigen von Überweisungen.

Das Problem liegt in Großbritannien

Was ist passiert? Am Freitag, den 26. Juni, hat die britische Finanzbehörde Financial Conduct Authority (FCA) die Erlaubnis für die britische Wirecard Card Solutions Limited (WDCS), Kartenzahlungen und anderen regulierten Aktivitäten durchführen zu dürfen, vorübergehend ausgesetzt. WDCS stellt Drittanbietern wie eben auch Holvi Mastercard- und Visa-Karten zur Verfügung.

Auch bei den in Asien angesiedelten Krypto-Startups TenX und Crypto.com gingen Warnungen an die Nutzer. Bis auf weiteres sind die Visa-Karten, die an Kunden ausgegeben werden, nicht benutzbar. „Leider werden unsere Kunden nicht in der Lage sein, ihre Karten zu benutzen oder Bitcoin, mit Kreditkarte oder Debitkarte als Zahlungsmethode, über die App zu kaufen“, heißt es etwa seitens TenX rund um den Tiroler Gründer Toby Hoenisch.

Curve über dem Berg

Glück im Unglück dürfte Curve, ein Startup mit einer Über-karte für allen anderen Zahlungskarten eines Kunden, gehabt haben. Auch Curve-Kunden wurden am Wochenende über Ausfälle informiert, mittlerweile gab es wieder Entwarnung. Denn das Startup hatte ohnehin bereits eine Migration weg von Wirecard geplant, und die dürfte vollzogen sein. Im Laufe des Tages (Montag) sollen die Karten wieder regulär funktionieren. Auch bei Revolut, dass mit Wirecard zusammengearbeitet hat, soll es keine Probleme geben, weil man den Anbieter gewechselt hätte.

Bitter ist die Angelegenheit auch für Kunden von boon Planet, ein hauseigenes Produkt von Wirecard, das an andere Challenger-Banken wie N26 erinnert. „Wir müssen dir leider mitteilen, dass Deine boon.Card und alle damit verbundenen Transaktionen, einschließlich Geld senden und empfangen, aktuell nicht funktionieren“, heißt es in einem Schreiben an Kunden. Wie es mit der Wirecard-Tochter generell weitergehen wird, steht in den Sternen.

Mitarbeiter springen ab

Wie es mit Wirecard weitergeht, ist derzeit sehr ungewiss. Insidern zufolge überprüfen Mastercard und Visa gerade, wie sie mit dem Fall weiter umgehen werden. Während der Vorstand des deutschen Unternehmens glaubt, dass die Firma saniert werden kann, gehen viele Beobachter davon aus, dass es da nichts zu retten gibt. Hunderte der weltweit rund 5.800 Mitarbeiter haben bereits begonnen, sich nach neuen Jobs umzusehen.

Via Linkedin wird derzeit eine Liste verbreitet, die auf den Namen #BeyondWirecard hört und in der sich Wirecard-Mitarbeiter eintragen können, um dort von den Personalabteilungen oder Gründern von Fintech-Unternehmen gefunden werden zu können (Trending Topics berichtete). Zu den Unternehmen, die Jobs an sie zu vergeben haben, zählen zahlreiche Fintechs und Startups, darunter Bitpanda, Bluecode, N26, Ready2Order, Revolut, TransferWise, Trade Republic oder Monzo.

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