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Sag‘ nicht Startup-Hub: weXelerate positioniert sich neu

weXelerate-Geschäftsführer Awi Lifshitz. © weXelerate
weXelerate-Geschäftsführer Awi Lifshitz. © weXelerate

Vielleicht haben wir da was falsch verstanden, oder vielleicht war das Wort einfach zu hip, um es wegzulassen. Aber: weXelerate war nie ein Startup-Hub, kein Coworking Space und auch kein Accelerator. Denn das Geschäftsmodell ist auf große Unternehmen zugeschnitten, die stattliche Beträge bezahlen, um am Wiener Donaukanal, im laut Eigendefinition „größtem Innovations-Ökosystem Österreichs“, Leistungen zu beziehen.

Awi Lifshitz, Geschäftsführer von weXelerate, sagt einfach „Corporate Innovation Hub“ dazu. Die Corona-Krise hätten er und sein Team dazu genutzt, Selbstfindung zu betreiben und das Ergebnis in neue Produkte zu gießen. Wir erinnern uns: Der Startup-Hub, Verzeihung, das Innovationszentrum ging vor drei Jahren an den Start, und zwar mit Hilfe einer Förderung der Stadt Wien und zahlreichen Corporates, die pro Jahr bis zu 250.000 Euro zahlten, um mit dabei sein zu können. Nun sind die Drei-Jahres-Verträge zu Ende, und weXelerate stand dieses Jahr vor der Aufgabe sich neu zu erfinden.

Weg von „One Size Fits All“

„Wir haben die letzten Monate genutzt, um mit uns selbst zu beschäftigen. Wir haben die Zeit Corona-bedingt genutzt, um uns neu zu positionieren“, sagt Lifshitz im Gespräch mit Trending Topics. Startup-Batches wird es im vormaligen Sinn (dutzende Jungfirmen kommen kostenlos für 100 Tage in den Standort) nicht mehr geben. „Die Startup-Batches haben wir drei Jahre gemacht. In der Analyse haben wir festgestellt, dass das zu schwerfällig wurde“, sagt Lifshitz. Künftig wolle man Startup-Programme vor Ort „kleinteiliger und häufiger“ machen. Und es gebe keine Calls mehr, sondern man würde aktiv Scouting betreiben, um die Qualität zu sichern.

Aber wir schweifen ab, denn eigentlich geht es ja gar nicht um Startups, sondern um neue Services für Unternehmen. Fuhr man bisher ein „One Size Fits All“-Modell, wolle man künftig die einzelnen Bedürfnisse von Corporates passgenauer abdecken. Dazu gibt es drei neue Programme, die unter der Federführung von Lifshitz und der neuen Innovations-Verantwortlichen Maria Seifert-Gasteiger (Ex-ÖBB) entstanden sind. Die da wären:

  • WEXPLORE: Um Insights in das Innovations-Ökosystem zu bieten, versteht sich weXelerate künftig als Adressbuch der Szene und kuratiert jedes Monat ein Thema, das dann von Zahlungswilligen in Reports, Trend-Analysen und Webinaren zugänglich gemacht wird. Für C-Level wird es außerdem zwei Mal jährlich exklusive Events geben, um tief in die Themen eintauchen zu können. Dieses Angebot, so Lifshitz, stoße derzeit auf die meiste Resonanz
  • WEXECUTE: Hier geht es um das, was noch am ehesten an Startup-Arbeit erinnert: Innovationsprojekte von Corporates auf den Boden bringen, und zwar im Sinne von Open Innovation nicht nur mit Gründern, sondern auch mit Entwicklern, EPUs, Think Tanks und Universitäten. Am Ende des Prozesses sollen Proof of Concepts stehen, mit denen man dann Richtung Markt gehen kann
  • WEXPERTS: Hier soll es sich um eine moderierte Werkstatt für Innovations-Verantwortliche handeln, wo Gleichgesinnte voneinander lernen und sich austauschen können. Cross Corporate Collaboration wird angestrebt

Diese drei Programme stehen Kunden nun zur Verfügung, und zwar in Zwei-Jahres-Verträgen („ein Jahr ist zu kurz“). Die Preise seien deutlich kleiner als bisher, sagt Lifshitz, man würde beim vollen Paket bei ungefähr der Hälfte der bisherigen Preise landen. „Wir haben viele in die neuen Programme konvertieren können.“ Bisher hat weXelerate mit 30 Corporate gearbeitet.

Die Vermietung von Büroflächen läuft bei weXelerate weiter wie bisher. „Man kann ein Mieter sein, aber man muss nicht am Programm teilnehmen“, sagt Lifshitz. „Wir haben immer noch mehr Anfragen, als wir bearbeiten können, und zu 90 Prozent ausgelastet.“ Insgesamt stehen nun 12.000 Quadratmeter zur Verfügung, betreut wird weXelerate von einem Team aus 15 Mitarbeitern. Der Jahresumsatz belaufe sich von Jahr zu Jahr auf etwa 3,5 Millionen Euro, so der WeXelerate-Geschäftsführer – und trotz Corona sei das „sehr stabil“.

Blue Minds von Bord gegangen

Auf Gesellschafterebene ist zu bemerken, dass etwas Ruhe eingekehrt ist. Die Blue Minds Solutions GmbH rund um Christian und Eveline Steinberger-Kern ist nicht mehr an weXelerate beteiligt, vielmehr sind die beiden Geschäftsführer – Lifshitz und Unternehmer Dominik Greiner (Camouflage Ventures) – in der deutlichen Mehrheit. Die durchaus bewegte Geschichte von weXelerate rund um seine Gesellschafter und Geschäftsführer scheint nun beruhigt worden zu sein.

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