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Dominik Greiner

weXelerate-Geschäftsführer: „Wir möchten mit Talent Garden kooperieren“

weXelerate-Geschäftsführer Dominik Greiner. © D. Greiner
weXelerate-Geschäftsführer Dominik Greiner. © D. Greiner

Nach dem Abgang des ehemaligen Geschäftsführers ist Dominik Greiner gemeinsam mit Stephan Jung in die Geschäftsführung des Wiener Startup-Hubs weXelerate aufgestiegen. Greiner, der der oberösterreichischen Unternehmerfamilie Greiner entstammt, hat mit seiner Camouflage Ventures nicht nur in mehrere Startups (z.B. Luke Roberts, Cubilehealth) investiert und ist Mitglied des Business-Angel-Netzwerks startup300, sondern ist eben auch an weXelerate beteiligt.

Mit Trending Topics hat er über die anstehenden Herausforderungen des Startup-Hub, bis dato entstandene Projekte zwischen Jungfirmen und Corporates, den Einsatz von öffentlichen Fördergeldern und kommenden Änderungen in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat gesprochen.

Trending Topics: weXelerate gibt es jetzt seit vier Monaten. Der erste Batch war bereits da. Was ist Ihr Zwischenfazit? Was hat gut funktioniert, was nicht?

Dominik Greiner: Das erste Zwischenfazit ist positiv. Das Haus ist ausgebucht, der erste Batch ist bei den Corporates gut angekommen, und die verschiedenen Gruppen im Haus fangen an sich zu vernetzen. Auch von den Startups wird weXelerate gut angenommen. Was sind die Learnings? Wir haben haben viel Erfahrung gesammelt und werden einige Dinge nachschärfen. Etwa beim Programm für Early Stage und Later Stage. Ebenso führt die Internationalität zu einigen Thematiken in punkto Anreise. Auch die Ausstattung war an den ersten Tagen von Batch 1 noch nicht komplett fertiggestellt, wir sind quasi an Tag eins, nachdem die Baustelle beendet war, eingezogen. Der zweite Batch startet am 5. März, da wird alles fix und fertig sein.

weXelerate setzt auf die Vernetzung zwischen Startups und Corporates. Wurden da schon Deals geschlossen?

Es finden Gespräche zwischen Startups und Corporates als auch den Investoren im Haus statt. Ob schon etwas unterschrieben ist, weiß ich nicht im Detail, bei einigen Projekten wird es aber nicht mehr lange dauern. Es ist aber auch nicht unser Ziel, die größte Funding-Summe für Startups zu generieren, sondern Corporate-Partner mit den Startups gemeinsam das externe Innovations-Management ausbauen zu lassen. Das ist für uns die Messgröße. Im ersten Durchlauf gab es 20 Projekte, die zwischen Corporates und Startups entstanden sind.

Können Sie ein Beispiel für eines dieser Projekte geben?

Die Uniqa hat beispielsweise mit einem Startup und einem Mieter im Haus gemeinsam eine Lösung im Bot-Bereich entwickelt. Das ist ein Projekt, das jetzt ausgerollt wird.

Corporate-Partner bezahlen bis zu 250.000 Euro pro Jahr. Was ist das Geschäftsmodell von weXelerate im Unterschied zu WeWork oder Talent Garden?

Wir kombinieren Plug & Play und WeWork in einer Location. Wir haben einen Accelerator und Office Spaces, die wir vermieten, unter einem Dach. Diese Kombination ist am europäischen Markt eher selten und hat sich auch ein wenig zufällig ergeben.

Wie sieht der ROI für ein Corporate aus?

Der ROI für Corporates ist, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Startups innerhalb bestehender Wertschöpfungsketten einsetzen zu können. So sparen sie Prozess- und Strukturkosten. Würde ein Corporate das selbst betreiben und selber weltweit nach Startups suchen, hätte es eine ganz andere Kostenstruktur. Zu uns wird ein Bereich der Innovations-Wertschöpfung outgesourced. Ich glaube, dass das erst am Anfang steht, in zehn Jahren wird jede größere Abteilung in einem Unternehmen einen Innovations-Manager haben. Eine HR-Abteilung etwa muss wissen, welche neuen Technologien auftauchen. Im Legal- und Governance-Bereich ist die Digitalisierung ein Riesenvorteil, vor allem für global agierende Unternehmen. In jedem Bereich eines Organigramms kann man heute Prozesse mit digitalen Lösungen verbessern. Es geht also nicht immer nur darum, dass beispielsweise eine Versicherung das Geschäftsmodell neu erfindet, sondern dass sie mit Hilfe von digitalen Lösungen ihr Profil schärft, agiler und wettbewerbsfähiger wird.

Funktioniert diese Zusammenarbeit immer? FinTechs etwa treten oft in Konkurrenz zu traditionellen Banken.

Prinzipiell passt es schon immer, weil ja die Corporates die Startups aussuchen und nicht wir. Mit einigen Ausnahmen wie N26 gibt es ja viele FinTechs, die Teile des Bankgeschäfts verbessern, aber nicht das Bankgeschäft in seiner Grundstruktur neu aufsetzen. Die Erste Bank hat es mit George vorgezeigt, wie das geht und gesagt, dass so etwas nicht in den eigenen vier Wänden entwickelt werden kann, sondern ausgegründet werden muss.

Eine Challenger Bank hätte also keinen Platz bei weXelerate?

Corporates haben Mitspracherecht und hätten bei Projekten, die komplette Disruption bringen, wohl eine Sorge. Ich glaube aber, dass man das nicht per se ausschließen kann. Es gibt Organisationen, die digitalen Wettbewerb im Kleinen sehen und die Chance nutzen, sich das näher anzusehen. Da wäre eher die Frage, ob das Startup da mitmachen würde, weil es dann sein Geschäftsmodell dem Corporate gegenüber offenlegen müsste.

weXelerate ist selbst ein Startup und jünger als so manche Firma, das hier eingezogen ist. Welche Challenges habt ihr selbst?

Ich glaube, wir sind die jüngste Firma im Haus. Unsere Challenge ist das Tempo, das wir hingelegt haben. Wir werden das Team weiter ausbauen, um eine Basis zu schaffen, die jetzt 16 und später noch mehr Corporates betreuen zu können. Eine Challenge war auch, das Leben im Haus anzukurbeln. Ansonsten sehe ich weniger Challenges, sondern vielmehr Opportunities.

Bei weXelerate am Wiener Donaukanal. © weXelerate
Bei weXelerate am Wiener Donaukanal. © weXelerate

Wie sieht es bei weXelerate finanziell aus? Ist man in der Gewinnzone?

weXelerate soll nicht vorrangig Geld abwerfen, sondern sich tragen. Wir haben das nicht gegründet, um Gewinnausschüttungen an die Eigentümer zu machen, sondern um ein interessantes Ökosystem aufzubauen. Sollten wir Gewinne erwirtschaften, werden wir diese reinvestieren, das Team weiter ausbauen, die Immobilie weiter entwickeln und an der Vision weiter feilen, in Auslandsmärkte zu gehen.

In welche Märkte wollen Sie denn expandieren?

Es gibt noch keine konkreten Pläne. Grundsätzlich glauben wir an die Brückenfunktion Wiens nach Osteuropa, das ist auch eine Chance für uns. In Osteuropa gibt es viele Talente, eine Generation, die willens ist, jetzt den nächsten Schritt zu machen. Die Ökosysteme sind dort aber noch nicht sehr ausgebaut, deswegen sehen wir unsere Entwicklung östlich von Wien.

In Budapest oder Prag?

Nein, eher in Südosteuropa, in Bukarest, Sofia oder Kiev. Solche Städte haben grundsätzlich Interesse, von dort kommen immer wieder gute Ideen und gute Teams. Ich muss da aber betonen, dass es dazu noch keinen Plan und kein Budget gibt, es gab auch noch keine Reisen dorthin. Aber nur Wien bleibt es nicht für die nächsten zehn Jahre.

Ist weXelerate ein Monopolist in Wien?

Nein, weil es in Wien Unternehmen wie A1 oder Kapsch gibt, die ihren eigenen Accelerator betreiben. Im Bereich der Vermietung von Büroflächen gibt es in Wien bekanntlich mehr als nur uns, und Talent Garden wird heuer loslegen. Wir sehen das ergänzend: Es gibt derzeit 28 Firmen, die gerne bei uns einziehen würden, wir bringen sie aber leider nicht unter. Hier möchten wir auch mit Talent Garden kooperieren.

Und innerhalb Österreichs? Wie ist das Verhältnis zu Linz, der Tabakfabrik und factory300?

Chris Müller von der Tabakfabrik war erst vergangene Woche bei uns, ich selbst bin startup300-Mitglied der ersten Stunde. Ich kenne diese Sicht, dass wir Konkurrenten wären. Aber startup300 ist ein Business-Angel-Netzwerk, ähnlich wie die aaia, die fünfzehn Meter von meinem Büro weg sitzt. Wir alle wissen, dass es gewisse Überschneidungen im Corporate-Bereich gibt. Ich sehe da aber wenig Konkurrenzrisiko. Nehmen Sie die KPMG als positives Beispiel, die sowohl uns als auch die factory300 unterstützt. Solche Kooperationen zeigen, dass es in verschiedenen Städten verschiedene Ansätze gibt. Ich bin dringend darum bemüht, zu zeigen, dass es in erster Linie um Entrepreneurship und ums Gründen geht und nicht um irgendwelche Eitelkeiten, wer den größeren Event-Raum hat. Als Oberösterreicher liegt mir Linz persönlich auch sehr am Herzen.

Sie sind seit Oktober 2017 Geschäftsführer als Nachfolger von Hassen Kirmaci. Es gibt schon wieder Gerüchte, dass es bald wieder einen Wechsel in der Geschäftsführung geben wird.

Gerüchte kommentiere ich grundsätzlich nicht. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich aushelfe, aber sicher nicht die nächsten zehn Jahre die Geschäftsführung von weXelerate übernehme. Ich habe meine eigene Beteiligungsfirma (Camouflage Ventures, Anm.) und eine Rolle in der Greiner-Gruppe. Was ich formal kommentieren kann: Wir werden das Team in der nächsten Zeit auch auf Top-Level und im Bereich Sales stärker aufstellen. So können wir noch mehr Corporates ins Haus bringen und noch mehr maßgeschneiderte Programme für unterschiedliche Startups mit unterschiedlichen Laufzeiten anbieten. 2017 war für uns das Jahr, unternehmerisches Risiko beim Aufbau des Hubs zu nehmen. Das heurige Jahr steht im Zeichen des Team-Ausbaus – vom Management über Operations bis hin zur Betreuung der Startups.

Einem addendum-Bericht zufolge war Eveline Steinberger-Kern in den Mail-Verkehr rund um den Abgang des ehemaligen Geschäftsführers involviert. Welche Rolle hat sie nun bei weXelerate?

Eveline Steinberger-Kern hat als Gründerin der The Blue Minds Company GmbH weXelerate mit aufgebaut. Sie war gemeinsam mit Kerngesellschaftern in die Akquisition der 16 Corporates eingebunden und hat mit ihrer Kompetenz und ihrem Netzwerk auch den einen oder anderen Mieter überzeugt, in den Hub einzuziehen. Deswegen wurde sie gebeten, das Advisory Board von weXelerate zu leiten, in dem alle Corporates und die wichtigsten Stakeholder vertreten sind. In Zukunft wird sie auf Wunsch der Kerngesellschafter den Vorsitz im Aufsichtsrat der weXelerate übernehmen, der in Kürze implementiert wird. Sämtliche Gesellschafter möchten sie damit an weXelerate binden, um unser Innovations-Ökosystem auszubauen und weiterzuentwickeln.

Die Stadt Wien fördert weXelerate (neben drei anderen Startup-Hubs, Anm.) mit 277.000 Euro. Was genau passiert mit diesem Geld?

Da gibt es einen genauen Auflagenkatalog für förderbare Ausgaben. Konkret ist es wie bei allen Förderungen der Wirtschaftsagentur so, dass man die doppelte Summe an Ausgaben nachweisen muss. Wir müssen als rund 560.000 Euro in Arbeitskräfte und Ausstattung investieren, um überhaupt diese Förderung aktivieren zu können. Die Förderung läuft über die drei Jahre. Was ist damit passiert? Wir haben bis jetzt ein knappes Drittel dieser Förderung abgerufen und haben damit teilweise Personalkosten bezahlt. Außerdem haben wir einen ordentlichen Teil dieser Förderung ans Finanzamt als Mietvertragsvergebührung rücküberwiesen. Hätten wir die Förderung nicht bekommen, wären wir mit dem selben Setup genauso gestartet. Die Förderung war nicht der Auslöser, das zu machen.

© Stadt Wien

Was hat Sie persönlich dazu gebracht, bei weXelerate mitzumachen?

Ich habe schon über Jahre die Idee gehabt, einen Campus aufzubauen, der Startups unter ein Dach bringt. Ich habe dann die stark Accelerator-lastige Initiative weXelerate kennen gelernt und vorgeschlagen, die zwei Konzepte (Accelerator und Vermietung, Anm.) zusammenzuführen, weil es ja auch Startups gibt, die nicht am Accelerator teilnehmen und trotzdem in einem Hub sitzen wollen. Und wenn auch VCs unter dasselbe Dach ziehen, kann das nur beflügelnd sein. Die Vision war immer, dass es eine Adresse gibt für Startups in Wien. Damit meine ich nicht nur das Haus, sondern die Gegend rund um den Donaukanal. Deswegen hoffe ich, dass Talent Garden nicht weit weg von uns sein wird. Man muss die Kräfte in der Stadt bündeln. Ich habe mal meine Portfolio-Startups eine Aufstellung machen lassen, wie viele Stunden pro Woche sie im Verkehr stecken, wenn sie Termine machen. Das waren sechs bis acht Stunden pro Person. Das ist wertvolle Zeit. Die örtliche Nähe hat einen ganz praktischen Vorteil.

Besteht da nicht die Gefahr, dass die Leute bei weXelerate sich in eine Bubble aus Gleichgesinnten setzen?

Es kann sicher nicht sein, dass man seinen Arbeitstag nur in diesem Gebäude verbringt. Es ist sicher auch wichtig, außerhalb vier Wänden dieses Gebäudes zu denken. Die Startups und Corporates bei uns sollen klarerweise auch bei anderen Hubs andocken und sich das anschauen.

Welche Highlights wird es 2018 geben? Ein Millioneninvestment in ein weXelerate-Startup etwa?

Mal sehen! Es geht uns sicher auch um Investments, aber es geht nicht ums größte Investment oder den größten Coworking-Raum. Uns ist wichtig, dass die Corporate-Partner happy sind, dass spannende Projekte entstehen, und für uns als weXelerate ist es wichtig, dass wir unser Partner-Netzwerk ausbauen und uns mit internationalen Hubs vernetzen. Stetige Optimierungen und Verbesserungen, das ist das Wichtigste.

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