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Wer gewinnt das Match Slack vs. Microsoft, Felix Häusler?

Felix Häusler, Gründer und CEO bei Grape. © Grape
Felix Häusler, Gründer und CEO bei Grape. © Grape

„Weak copycat product“ hat das Silicon-Valley-Unternehmen Slack Microsofts Büro-Chat-Software geheißen – und im selben Atemzug eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Teams würde illegalerweise mit dem Office-Paket gebündelt werden, und das würde Microsoft am Markt einen unfairen Vorteil verschaffen. Microsoft hat bereits reagiert und kontert: Teams hätte durch die Corona-Krise starken Zuspruch erfahren und einen entscheidenden Vorteil gegenüber Slack: Video-Conferencing.

Wie die Sache zwischen den beiden Streitenden ausgeht, die mit ihren Mail-Ersatz-Tools für interne Kommunikation um Firmenkunden rittern, darf nun die EU-Kommission entscheiden. Diese hat bereits gewisse Vorerfahrung mit Microsoft und hat den IT-Konzern aus Seattle 2013 zu einer Strafe von 561 Millionen Euro verdonnert. Der Grund: Die Bündelung des Internet Explorer mit dem Betriebssystem Windows 7 würde andere Browser-Anbieter am Markt benachteiligen.

„Ich kann mich Slacks Ansichten voll anschließen“

Ist es der richtige Weg, den Slack eingeschlagen hat? Der Wiener Gründer Felix Häusler kämpft mit seinem Slack-Konkurrenten Grape einen ähnlichen Kampf und beschwerte sich zuletzt über die vermeintliche Bevorzugung von Microsoft Teams und Skype bei einem Testvergleich von Video-Telefonie-Lösungen – und wäre dort vermutlich selbst gerne mit seiner eigenen Lösung vertreten gewesen. Stiftung Warentest konterte sogleich auf die „absurde Kritik“ (mehr dazu hier).

Nun hat Häusler also einige Erfahrung in Sachen Marktdominanz von Microsoft. Was sagt er zum Aufbegehren von Slack? „Ich kann mich Slacks Ansichten voll anschließen. MS hat modernes File Sharing (OneDrive) und Messaging (Teams) nicht erfunden, aber in die Office Suite mit Word und Excel gepackt“, sagt Häusler. „Microsoft hat damals das Gleiche mit Internet Explorer und WinAmp gemacht und musste nach einer Ermahnung zurück rudern.“

„Viel erwarten wir uns nicht davon“

Die Integration von Cloud-Speicher und Messaging in die Office-Suite sei am Ende nachteilig für den Kunden. „Das belastet den Kunden, der sich nicht mehr andere Lösungen aussuchen kann und mehr Geld hinblättern muss“, so der Grape-Gründer. „IT-Firmen bekommen einen Lock-In und CIOs müssen andere Tools abdrehen, um ihr IT-Budget zu halten.“

Doch würde sich Grape der Wettbewerbsbeschwerde von Slack anschließen? Nein, heißt es seitens Häusler. „Viel erwarten wir uns bei Grape nicht davon: Globale Player haben all diese Cases in ihren Risk Assessment mit eingerechnet. Eine Rechtssprechung wird viele Jahre dauern und die Strafe geht nicht an Messaging-Anbieter sondern an die EU“, sagt der Grape-Gründer. „Wir fokussieren uns lieber auf die Innovation und unser Wachstum: Da hat man schnellere Ergebnisse.“

Wettbewerbsstrafen haben Microsofts Wachstum übrigens nicht bremsen können. Der IT-Konzern ist mit einer Börsenbewertung von 1,5 Billionen Dollar hinter Apple und Saudi-Aramco und vor Amazon und Alphabet eine der wertvollsten Firmen der Welt. Es hat sich ironischerweise aber auch gezeigt, dass Microsoft in zwei seiner Kernbereiche (bei mobilen Betriebssystemen und bei Browsern) heute keine Macht ist – dort dominieren mittlerweile Google und Apple.

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