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Wege aus der Corona-Krise, Teil 3: „Ärmel hochkrempeln – miteinander und füreinander!“

Wege aus der Corona-Krise, Teil 3: „Ärmel hochkrempeln - miteinander und füreinander!“
Isabell Claus, Gründerin von thinkers.ai. © thinkers.ai

Isabell Claus ist Mitgründerin und Managing Director des Wiener Machine-Learning-Startups thinkers.ai.

Die Geschäftswelt ist weitgehend lahm gelegt. Aber nicht überall ist das gleich. Während wir in Österreich alles was möglich ist heruntergefahren haben, zieht China gerade wieder an. Jede Region hat in dieser Krise viel, sehr viel zu verlieren: Es geht um Wohlstand, Arbeitsplätze und das zukünftige globale Kräfteverhältnis. Die Karten könnten in diesen Monaten überraschend schnell neu gemischt werden – das betrifft sowohl die „old economy“ als auch die „new economy“. Es ist daher eine Zeit, in der wir weder aufgeben noch uns zurücklehnen, langsamer werden oder abwarten dürfen.

Nur wenige profitieren von der Krise

Durch Verzicht und Zurückhaltung leisten gerade alle einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit in unserem Land. Mit unserem Handeln werden Menschenleben gerettet. Nachdem sich mittlerweile statistisch Wirkung zeigt und die Fallzahlen sinken, gilt es, gemeinsam an der schnellen Genesung unserer Wirtschaft zu arbeiten. Viele UnternehmerInnen trifft es gerade extrem hart und das hatte sofortigen Verdienstausfall und Existenzängste zur Folge. Andere kommen mit staatlichen Hilfen kurzfristig über die Runden, stellen sich aber die Frage, wieviele Monate sie den Stillstand und eine Rezession durchhalten können. Nur sehr wenige machen „business as usual“ oder profitieren von der Krise.

Die Startup-Welt stellt sich nicht so viel anders da. Einige stehen gerade am Anfang, verfügen weder über viel Cash, noch viel Krisenerfahrung. Andere haben kurz vor dem Wirtschaftsschock Finanzierungsrunden durchgeführt, müssen sich jetzt aber intensiven Fragen und Erwartungen ihren Investoren stellen oder erreichen vereinbarte Vertriebsziele nicht. Viele befinden sich gerade irgendwo dazwischen.

Neuausrichtung statt Stillstand

Nun wird uns Tech-Startups eine besonders wichtige Eigenschaft zugeschrieben: Wir sind wendig und schnell. Wir denken neu und packen’s einfach an wenn andere noch darüber reden. Und genau das ist jetzt das Gebot der Stunde. Neuausrichtung statt Stillstand. Proaktiv statt reaktiv. Die neuen Rahmenbedingungen als gegeben hinnehmen, in keinem Bereich (und auch nicht im Kopf) an alten Strukturen hängen. Sensibel hinhören was der Markt zukünftig braucht und wie Bedürfnisse in naher Zukunft ganz konkret aussehen werden. Planen. Und umsetzen. Ready sein.

An unserem eigenen Beispiel aufgezeigt: thinkers.ai entwickelt Suchmaschinen-Technologie: Mittels Machine Learning werden Suchergebnisse inhaltlich wesentlich besser vorqualifiziert als wir das alle von herkömmlichen Keyword-Suchmaschinen kennen. Das spart viele teure Arbeitsstunden die bei unseren Unternehmenskunden bisher für lange Internetrecherchen aufgewendet wurden.

Vor Corona haben wir unser Geschäft vor allem in Vertriebs- und Marketingabteilungen akquiriert und waren mit der Identifikation neuer Kunden und der Beobachtung von Wettbewerbern beschäftigt. Seit dem Wirtschaftsschock sehen 80 Prozent unserer Auftragseingänge anders aus: Es geht darum, die Zukunft im Kerngeschäft unserer Kunden abzuschätzen. Wir merken ganz klar, dass Unternehmen uns jetzt ganz anders brauchen, nämlich um überlebenswichtige Fragen zu beantworten: Wie lange müssen Auslandswerke noch stillstehen? Wie schnell geht es in China voran und was lässt sich daraus für Europa ableiten? Welche Teile der Wirtschaft werden sich schnell erholen, welche langsam?

Frühe Signale zur Geschäftsentwicklung aus der aktuellen Flut der Negativberichterstattung und Schreckensmeldungen herauszukristallisieren, ist das A und O. Genau darauf konzentrieren wir uns jetzt und leisten einen Beitrag: Denn jeder Tag und jede Stunde Stillstand kostet Unternehmen nicht nur kurzfristig Geld, sondern potentiell auch unsere bisher so starke wirtschaftliche Substanz.

Den Wiederaufbau stemmen

Nach dem Kraftakt der Krankheitsbekämpfung dürfen wir nicht minder erfolgreich den Kraftakt des Wirtschaftswiederaufbaus stämmen. Auch hier ist das „Wir“ gefragt, jeder einzelne Arbeitnehmer wird durch sein Tun und seine Einstellung über Erfolg oder Misserfolg seines Unternehmens mitentscheiden. Alle haben wesentlich mehr Verantwortung für unseren Wohlstand und müssen den Ehrgeiz leben, der Nationen wie China schon vor der Krise in besonderem Maße zugesprochen wurde. Es wird nach der Krise kompetitiver für alle sein, deshalb heißt es „Ärmel hochkrempeln“ – miteinander und für einander.

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