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Frauen in der Startup-Szene

Was bringen „Female Only“-Angebote: „Wir wollen die Gleichheit eigentlich erst erreichen“

© Pixabay
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„Female only“ oder zumindest fast Männer-frei entwickelt sich zu einem Trend im heimischen Startup-Ökosystem. Noch bis heute ist etwa der Call für den ersten österreichischen Accelerator offen, der sich explizit an Startups von Frauen wendet. Doch dieser Trend hat nicht nur für Wohlwollen gesorgt.

Neben dem Accelerator Grow F von den Female Founders hat Das Packhaus in Wien einen Coworking-Space ausschließlich für Frauen eröffnet, und die Initiative Women && Code bietet Programmierkurse an, bei denen Frauen unter sich sind. Der Frauenanteil in all diesen Bereichen ist traditionell niedrig. Solche Programme wollen helfen, in Männerdomänen ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis zu fördern.

Kontroverse um neue Initiativen

Das Thema ruft aber auch Kritiker auf den Plan: „Female-only“ fördere keine Diversität, sondern schaffe exklusive Räume, aus denen Männer ausgeschlossen werden, so der Tenor. Auf Facebook entwickelte sich rund um den Frauen-Coworking-Space ein rege Diskussion – ein Kommentator fühlte sich gar in seinen Menschenrechten beschnitten.

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Unter den Frauen-Initiativen sorgt das für Unverständnis: „Wir wollen mit diesem Angebot die Gleichheit eigentlich erst erreichen“, sagt Margot Deerenberg im Gespräch mit Trending Topics. Deerenberg ist Co-Founderin des Vereins Paradocks, der sich auf die Zwischennutzung von Immobilien spezialisiert hat und mit Das Packhaus auch Coworking-Spaces betreibt.

„Frauen brauchen eine andere Flexibilität“

„Bei unseren anderen Spaces sind die Mieter hauptsächlich Männer“, so die Paradocks-Betreiberin. „Das Ziel ist es, durch den neuen Space eine Gleichheit zu erreichen. Das Ziel ist, eine weitere Option anzubieten und ein Umfeld zu schaffen in dem Frauen andere Frauen motivieren“. Warum man dazu exklusive Räume schaffen müsse? „Wir bemerken, dass Frauen oft eine andere Flexibilität brauchen, oft auch etwas suchen, was sehr kostengünstig ist und wo sie als Frauen ein bisschen stärker motiviert werden. Da hilft eine bestimmte Atmosphäre“, glaubt Deerenberg und so sehen das auch andere Organisatorinnen von Frauen-Angeboten.

„Es ist eine ganz andere Stimmung, wenn in Kursen nur Frauen im Raum sind, vor allem, wenn es um etwas Technisches geht. Frauen trauen sich dann eher Fragen zu stellen“, sagte Barbara Ondrisek anlässlich des Starts von Women && Code vergangenen August. Und das Angebot wird gerne angenommen, die Kurse sind lange im Voraus ausgebucht.

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Männer sollen nicht ausgeschlossen werden

Sich mit einem Angebot explizit an Frauen zu richten, führe oft überhaupt erst dazu, dass Frauen ein solches überhaupt annehmen, erklärt Tanja Sternbauer von der Initiative Female Founders, die hinter dem Accelerator Grow F steckt. „Man sieht bei internationalen Programmen, dass Frauen oft nur dort teilnehmen und sich woanders gar nicht bewerben. Das zeigt, dass sie sich von solchen Programmen besonders angesprochen fühlen“. Es gehe aber keinesfalls darum, Männer auszuschließen. Die sind auf Female-Founders-Events genauso willkommen und können als Team-Mitglieder auch an dem Accelerator teilnehmen.

Und wenn jemand einen Coworking-Space nur für Männer schaffen würde, fragt einer der Facebook-Kommentatoren provokant. „Wenn sie gute Argumente haben, finde ich das super“, antwortet Deerenberg. Und Ondrisek hat für Kritiker eine Leseempfehlung: „Jenen, die meinen, das sei umgekehrter Sexismus, empfehle ich gerne das Buch ‚No More Bullshit!‘ von Sorority“.

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