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„Cash is Trash“: Warum jetzt auch Tesla Milliarden in Bitcoin steckt

Tesla-Chef Elon Musk am Battery Day. © Tesla
Tesla-Chef Elon Musk am Battery Day. © Tesla

„Cash is Trash.“ Für Tyler Winklevoss, eine Hälfte der berühmten Winklevoss-Zwillinge, ist die Sache glasklar. Wenn Tesla in Bitcoin investiert, dann kann das nur einen Grund haben: Elon Musks E-Auto-Firma wendet sich vom Fiatgeld ab und sucht ihr Heil (ergo Ertragssteigerungsmöglichkeit) im heißesten Asset des 21. Jahrhunderts: BTC.

Genau: Tesla hat in einem SEC-Dokument verraten, dass es BTC im Wert von etwa 1,5 Milliarden Dollar zugekauft hat, und die Exchanges spielen verrückt. Nachdem die Meldung um die Welt ging, ist der Preis von Bitcoin sprunghaft von etwa 39.000 auf fast 44.000 Dollar angestiegen – auch wenn er sich nun zwischenzeitlich wieder bei etwas mehr als 43.000 Dollar eingependelt hat.

Angedeutet hat Musk dieses Investment schon länger, jetzt ist es wirklich da. Die Krypto-Industrie feiert das natürlich, doch noch gehört Tesla zu einer kleinen Minderheit von Unternehmen, die Assets von anderen Klassen hinein in BTC verschieben. “Investoren und andere Branchenbeobachter werden die Vorgänge genau beobachten, um zu sehen, ob andere Unternehmen dem Beispiel von Tesla auf diesem Krypto-Weg folgen oder ob es andererseits bei wenigen Namen bleibt, die diesen strategischen Sprung um Bitcoin herum machen”, meinen die Analysten der Investmentfirma Wedbush. Klar: Bitcoin ist wegen der starken Preissteigerung der letzten Monate spannend, aber eben auch ein Risiko.

Bei Tesla selbst, das sein BTC-Investment ein wenig zwischen den Zeilen versteckt, aber dann doch deutlich sichtbar für die ganze Welt kommunizierte, ist es ebenfalls ein Risiko, aber wohl kein Großes. Bei einer Marktkapitalisierung von 820 Milliarden Dollar und dem Rang des siebt wertvollsten Unternehmens der Welt kann man 1,5 Milliarden Dollar schon mal investieren. Da stecken andere Firmen mehr Geld ins eigene Marketing, und Tesla ist heute (wieder einmal) sehr viel Aufmerksamkeit sicher.

MicroStrategy: Die 875-Millionen-Dollar-Wette auf Bitcoin

„Maximierung der Rendite“ als Ziel

Die Bitcoin-Jünger gratulieren Musk natürlich zu seinem Investment, immerhin jagt die Meldung die Werte ihrer eigenen BTC-Bestände mit nach oben. Michael Saylor, CEO von MicroStrategy, ist da natürlich vorne mit dabei. Seine Software-Firma (manche meinen bereits: Investment-Firma) hat die Nase immer noch vorne, was BTC angeht – die hauseigenen Bestände sind gerade mehr als drei Milliarden Dollar wert geworden.

Dass Krypto-Business riskantes Business ist, muss man Musk nicht erzählen, immerhin kann er alleine mit seinen Tweets die Kurse von Coins und Token nach Belieben beeinflussen (zuletzt haben wir das bei Dogecoin erlebt). Bei Tesla sieht man Bitcoin klarerweise als riskante Angelegenheit an, doch auch als Möglichkeit zur “weiteren Diversifizierung und Maximierung der Rendite auf unsere Barmittel”. Man wolle nicht nur Bitcoin kaufen, sondern auch Gold und andere Assets.

Flucht vor Fiat

Kenner der Entwicklung verweisen dabei immer auf eine Grafik: jene der M2 Geldmenge des US-Dollars. Diese ist im Corona-Krisenjahr sprunghaft angestiegen, weil die Notenbanken neues Geld drucken wie nie zuvor, um der Wirtschaftskrise entgegen zu steuern. Warum sollte man da sein Geld im Dollar lassen, wenn man ihm dabei zusehen kann, wie er immer weniger wert wird?

Manager wie Saylor, der via Twitter einen Draht zu Musk aufbaute, sehen das als guten Grund, Firmenvermögen raus aus Fiat hinein in ein alternatives Wertaufbewahrungsmittel zu bewegen. „The most important digital transformation is the digital transformation of your balance sheet“, predigte er wieder einmal kürzlich. Musk hat er überzeugt, nun wird Musk wohl andere zum Nachdenken bringen. Eine Beimischung von BTC zur Balance Sheet, warum nicht? Für alle aber, die sowohl der exorbitanten Bewertung von Tesla sowie Krypto-Assets skeptisch gegenüber stehen, werden sich fragen: Verschmilzt da gerade eine Blase mit der anderen?

Selbst wenn man Tesla als Big Tech einstuft, ist die Aktie komplett überbewertet

Die PayPal-Wurzeln

Tesla folgt aber nicht nur Square und MicroStrategy, sondern auch jener Firma, die Musk vor vielen Jahren mitgegründet hat: PayPal. Der Payment-Riese will es dieses Jahr ermöglichen, dass Nutzer mit Crypto in Online-Shops bezahlen. Auch Tesla will das für seine Kunden ermöglichen und behält sich vor, demnächst auch Krypto-Payments einzuführen. Schon bald könnte man also ein Model 3 mit Bitcoin bezahlen. 1,27 BTC muss man nach aktuellen Kurs derzeit für ein Model 3 in der Basisversion springen lassen.

Und damit zeigt Tesla möglicherweise vor, wozu Krypto-Assets im Payment-Sektor taugen könnten. Vielleicht wird man niemals wieder Pizza mit BTC bezahlen – aber für höherpreisige Geschichten (z.B. auch Immobilien), da erscheinen Bitcoin und Co. immer klarer als interessante Zahlungsmittel.

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