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Warum Ski-Weltmeister Aksel Lund Svindal heute in Startups investiert

© Franz Oss
© Franz Oss

Im Rahmen der 80. Hahnenkammrennen in Kitzbühel lud Mastercard am Dienstag und Mittwoch in den Wintersport-Hotspot. Wir hatten vor Ort die Möglichkeit, uns mit Aksel Lund Svindal zu unterhalten. Der Olympiasieger, Weltmeister und mittlerweile Ski-Pensionist investiert seit einigen Jahren sehr umtriebig in verschiedene Startups.

Langweilig wird Aksel Lund Svindal in der Skipension nicht. „Sie (die Skipension, Anm.) ist gut, aber ziemlich anstrengend, muss ich sagen. Aber daran bin ich selber Schuld, weil ich viele verschiedene Projekte habe“. Schon beim Sports Talk zum Thema „The Future of Sports – 5 Thesen zur Zukunft des Wintersports“, der vor unserem Gespräch stattfand, verriet der Norweger, dass er in den letzten Jahren in viele verschiedene Startups investiert hat. Am Fuße der Streif, im Kulthotel Rasmushof, wollten wir dann wissen, wie der Investor Aksel Lund Svindal so tickt. Ein Gespräch über notwendige Risiken, richtige Investitionen und die Frage, was Gründer von Profisportlern lernen können.

Trending Topics: Aksel, wie ist die Skipension?

Aksel Lund Svindal: Sie ist gut, aber ziemlich anstrengend, muss ich sagen. Aber daran bin ich selber Schuld, weil ich viele verschiedene Projekte habe. In den letzten sechs Jahren habe ich in ziemlich viele verschiedene Startups investiert, bei einigen davon sitze ich auch im Aufsichtsrat. Außerdem besitze ich eine Kleidungsfirma, da werden wir demnächst eine neue Kollektion zeigen. Mit Head und Porsche arbeite ich so noch, bei Porsche vor allem im Bereich Elektroautos. Bei der Elektromobilität ist Norwegen ja sehr weit vorne. Ich schaue darauf – auch bei der Bekleidung -, wie man so nachhaltig wie möglich produzieren kann.

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Weißt du wirklich, wo und wie deine Mode produziert wird?

Genau, ich weiß, welche Materialien wir nutzen und woher die kommen. Das ist wirklich interessant, muss ich sagen. Also du siehst: Ich habe viele Projekte.

In welche Startups investierst du? Was muss ein Startup mitbringen, damit es für dich interessant ist?

Ich musste am Anfang viel lernen – und hab mir dann gedacht, ich kann da schon ein wenig Risiko nehmen. Ich habe ja nie für die Schule gezahlt, also hab ich keine Schulden (grinst) und davor habe ich sogar ein paar andere Investments gemacht. Das ist sehr gut gegangen. Ich habe ein paar davon (Aktien, Anm.) verkauft, um lernen zu können, wie es ist, wenn man in Startups investiert. Da lernt man viel. Ich hab viel gelesen und weiß auch genau, „Team, Team, Team“ ist typisch und wichtig für Startups. Das ist genau wie bei Immobilien, nur heißt es dort „Location, Location, Location“. Man lernt aber nicht so richtig, bis man nicht selbst mitmacht.

Learning by doing quasi.

Genau, das ist wichtig. Ich kenne mittlerweile viele Menschen in diesem Bereich in Norwegen – und auch ein paar richtig gute.

Auch im Norselab? (Anm.: ein Investitions- und Inkubationsdienstleister für Technologie-Startups, Svindal ist Senior Partner)

Ja genau. Da beispielsweise war ich Co-Founder und bin immer noch aktiv dabei. Ich war sehr aktiv dabei, als ich verletzt war, da hatte ich viel Zeit. Jetzt ist es ein bisschen weniger. Einige Co-Investments habe ich außerdem privat gemacht. Bei einem davon ist ein Norweger dabei, ein richtiger „Serial Entrepreneur“ in Norwegen. Er hat schon drei Firmen verkauft und investiert jetzt fleißig. Jetzt habe ich mit ihm viele Co-Investments gemacht. Er ist fast gleichzeitig mit mir in eine Firma eingestiegen, so haben wir uns kennengelernt. Er redet keinen Bullshit, ist ziemlich direkt und sehr klug – aber man muss auch die richtigen Fragen stellen, weil sonst bekommst du keine Antwort.

Aksel Lund Svindal und Trending Topics-Redakteur Oliver beim Interview.
Aksel Lund Svindal und Trending Topics-Redakteur Oliver beim Interview.

Risiken und Ängste

Wie profitierst du von der Zusammenarbeit?

Er hat schon viel Erfolg gehabt, darum haben die Leute auch viel Respekt vor ihm. Darum trauen sich Leute oft auch nicht so richtig Sachen nachzufragen. Auch wenn ich verstehe, was passiert, sehe ich am Tisch oft, dass andere nicht alles richtig verstanden haben. Für mich ist es kein Problem, da „dumm“ zu sein und zu fragen, ob man das bitte nochmal erklären kann.

Das heißt, die Angst hemmt den Prozess?

Ja. Mir ist es wichtig, dass alle das verstehen, weil dann kann man weitergehen. Das ist mir wichtiger, als wenn eine Person da denkt, dass ich dumm bin. Ich habe oft einen komplett anderen Hintergrund, ich komme aus dem Sport. Ich habe gelernt, dass ich ganz gut analysieren kann, ob die Leute alles verstehen, wenn wir im Aufsichtsrat zusammensitzen und ob wir die gleiche Meinung haben. Oft ist es auch ein wenig gemischt, aber die Leute trauen sich nicht, was zu sagen. Auf lange Zeit ist es eine schlechte Alternative, dass die Leute nichts sagen.

Das ist in Unternehmen auch noch manchmal der Fall – der Chef/die Chefin schafft an und niemand traut sich zu widersprechen.

Sicherlich. Bei uns funktioniert das ganz gut mittlerweile, ich helfe ihm auch dabei, dass sich alle etwas einbringen trauen. In Norwegen ist die Struktur ganz flach normalerweise. Du hast mich am Anfang gefragt, ob wir „per Du“ sein wollen, in Norwegen würde das niemand fragen.

Warum nicht?

Vielleicht würde meine Großmutter „Sie“ sagen. Aber sonst ist das in Norwegen nicht üblich. „Sie“ sage ich eigentlich nur, wenn ich mit der Königsfamilie Kontakt habe. Egal ob das der CEO von der größten Firma oder ein Politiker ist, die sind alle „per Du“ und da sehr relaxed. Ich glaube auch, dass das ein Vorteil ist.

Denke ich auch, in der Startup-Szene ist das ja auch üblich.

Da sowieso, genau. Darum ist unsere Struktur ganz flach und alle können ihre Meinung einbringen – solange es vernünftig ist. Es ist auch für das Unternehmen viel wichtiger, dass alle einen Beitrag leisten, statt das viele nur herumsitzen, weil sie Angst haben. Aber logisch, bei Leuten, die sehr viel geschafft haben und vielleicht ein wenig autoritär auftreten, trauen sich viele nicht. Aber da kann ich ja ein bisschen mithelfen. Darum bin ich auch bei den Aufsichtsratssitzungen dabei, dann bekommt man ein ein bisschen mehr Gefühl dafür, was da eigentlich passiert.

+++Original+: „Wir haben klar den klimaneutralen Ski als Ziel“+++

Sport und Wirtschaft – ein gleiches Paar?

Gibt es etwas, dass du vom Sport in den wirtschaftlichen Bereich mitnehmen konntest?

Das alles. Wir haben bei uns nicht geeinigt, bis jeder wirklich zugestimmt hat. Nur, weil jemand nichts sagt, heißt das noch lange nicht, dass er oder sie zustimmt und wir in die gleiche Richtung weitergehen können. Es gibt einen Unterschied, nicht einfach nicht zuzustimmen und wirklich zuzustimmen. Das ist im Sport genauso. Das ist der „Wert des wirklichen Zustimmens“ und sehr wichtig. Der Wert, Fakten zu haben, ebenso.

Wenn wir verschiedene Meinungen haben – oder auch fast die gleiche Meinung vertreten -, verschwenden wir trotzdem zu viel Zeit damit, Meinungen zu diskutieren. Jede Meinung kann ich diskutieren. Aber wenn du Daten hast, Fakten, kannst du einfach die korrekte Antwort doppelt unterstreichen und weitermachen – in die Richtung, die uns die Fakten zeigen. Mit Daten ist es einfacher, Menschen zum Zustimmen zu bewegen, verglichen damit, wenn wir jede Entscheidung anhand Meinungen diskutieren. Das sind die Fakten, das ist die Richtung, in die wir gehen – beim Sport und in der Wirtschaft.

Wenn man sich die Streif mit 140 km/h runterstürzt, wird man dann risikofreudiger? Hast du noch Angst vor falschen Entscheidungen?

Ja, aber es ist schlimmer, gar keine Entscheidung zu treffen, als eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich habe einmal vor einer amerikanischen Gruppe eine Rede gehalten und hab denen erzählt, dass ich risikoavers bin, dass ich Risiken gar nicht wirklich mag. Damals war ich aber noch im Weltcup. Ich hab dann eine Sekunde überlegt, dass das für die Amerikaner jetzt vielleicht nicht wirklich so klingt. Immerhin hab ich damals davon gelebt, Abfahrten zu fahren. Außerdem habe ich mein Preisgeld in Early-Stage-Tech-Unternehmen investiert, also vielleicht bin ich doch nicht so risikoavers.

Der Unterschied ist, dass es erstens nichts gibt, über das ich besser Bescheid weiß, als Abfahrtsrennen. Also wenn ich wo Risiken eingehe, dann bei der Abfahrt – weil da mein Wissen einfach am größten ist. Ich kann die Risiken also abwägen. Das gleiche gilt für die Tech-Unternehmen: Wenn ich das Team kenne, weiß, wie gut es ist und wie hart es arbeitet, ist das ein Risiko, dass ich einfacher abwägen kann.

Wenn Trump den Iran angreift oder China irgendwas anstellt, ist das ein Faktor auf der Makroebene, den ich als sehr risikoreich ansehe. Das ist eine andere Art von Risiko, ich nehme lieber das Risiko mit den Startups auf mich. Wenn es scheitert, scheitert es, aber ich war wenigstens da, hab das Unternehmen beeinflusst und bin oder war mit im Boot.

Wenn ich irgendwelche Aktien kaufe, dann China den Iran oder die USA – oder umgekehrt – mit Strafzöllen belegt und alles vierzig Prozent runter geht, dann ist das ein Risiko, von dem ich nicht einmal etwas lerne. Alles was ich lernen würde, wäre, dass so etwas scheiße ist.

Der Werdegang

Woher kommt das Interesse für Startups und die Börse? Du hast meinen Infos zufolge schon 2007, im Alter von 24 Jahren, die ersten Aktien gekauft. Das ist vergleichsweise jung.

Ich habe damit 2007 angefangen, aber erst 2008 so richtig losgelegt. Damals ist alles nach unten gegangen und wenn es schon nach unten gegangen ist, ist das ein guter Zeitpunkt, um zu investieren. Das ist schwierig, aber auf längere Zeit ist es immer gut gegangen. Man muss schon eine längere Perspektive haben und man trifft nie den genauen Zeitpunkte, wenn es (die Aktie, Anm.) am tiefsten ist. Aber ob es ganz unten oder etwas weiter oben ist, ist egal, weil meistens geht es wieder bergauf.

Ich habe dann in Fonds und verschiedene Sachen investiert, und alles ist ordentlich nach unten gegangen. Dann verkauft man nicht. Also hab ich mir gedacht, jetzt musst du positiv denken, anstatt zu denken, dass das alles ein Scheiß ist, nur weil es jetzt dreißig, vierzig Prozent weniger wert ist. Fokussiere dich auf die Möglichkeiten, die es gibt. Dann habe ich angefangen, Einzelaktien zu kaufen. Das ist gut gegangen. Ich bin aber nicht der Typ, der gern vor einem Terminal oder so sitzt, ich rede viel lieber mit Leuten. Darum hab ich dann angefangen, in kleinere Firmen zu investieren, die nicht an der Börse sind. So ist das alles in Richtung Startups gegangen.

Das heißt, du kommst dann auch ins Büro, schaust dir alles an und bringst dich ein?

Ja, ich besuche die Unternehmen, in die ich schon investiert bin. Am Anfang will man ja immer sehr viel machen, da habe ich auch oft zu viel gemacht. Aber so ist das eben.

Hast du einen abschließenden Tipp für Junggründer?

Ich glaube, man soll positiv sein und richtig Gas geben. Aber man braucht auch Geduld. Wenn ich zum Beispiel jemanden treffe, der mir sagt, das wird so einfach und das und das auch – das ist ein schlechtes Zeichen. Mir hat mal ein Gründer gesagt, über Norwegen brauchen wir gar nicht reden, reden wir lieber über China. Ich habe nicht investiert. Es ist nicht so einfach! Es kommen immer Schwierigkeiten, an die man vielleicht nicht gedacht hat und wenn es so einfach wäre, wäre das Produkt ja schon da. Also: Ein wenig Respekt haben dafür, dass Sachen auch mal länger dauern und auch dafür, dass andere Menschen anders denken als du.

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