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Warum Kryptowährungen 2018 rund 70 Prozent ihrer Marktkapitalisierung verloren haben

Bitcoin Bubbles. © Pixabay

War der Jänner 2018 eine kurze Phase in der Geschichte von Krypto-Coins und -Token, an die sich Trader einmal mit glänzenden Augen zurück erinnern werden? Als am 7. Jänner die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen mit rund 830 Milliarden Dollar ihren vorläufigen Höchststand erreichte, schien alles möglich. Bitcoin wird einmal bei 100.000 Dollar gehandelt gehandelt werden, Bitcoin wird auf 0 Dollar abstürzen – Analysen, die in beide Extreme tendierten, waren vielerorts zu lesen.

Beide Extreme sind natürlich nicht eingetroffen. Stattdessen haben sich die Krypto-Märkte in den vergangenen drei Monaten auf eine deutlich geringere – und vernünftigere – Marktkapitalisierung eingedampft. Rund 260 Milliarden Dollar sind Coins und Token weltweit insgesamt laut CoinMarketCap aktuell wert. Damit hält der Markt bei einem Niveau wie zuletzt Ende November 2017 – also einem Zeitpunkt, bevor die Rallye (to the moon!“) so richtig losging und BTC und Konsorten nahezu täglich neue Rekorde sprengten.

© CoinMarketCap

Was ebenfalls immer wieder anzumerken ist: Die Marktkapitalisierung der Kryptowährungen liegt aktuell immer noch beim Zehnfachen als vor genau einem Jahr – damals lag der Market Cap bei 26 Milliarden Dollar.

Bitcoin ist wieder dominant

Durch den Hype rund um Kryptowährungen haben es Bitcoin-Rivalen eine zeitlang geschafft, die Marktdominanz von Bitcoin zu brechen. Anfang 2017 lag der Marktanteil von BTC bei sämtlichen gehandelten Coins und Token bei rund 70 Prozent, viel in Folge des Booms auf etwas mehr als 30 Prozent – und ist jetzt wieder zurück bei rund 45 Prozent. Vor allem Ripple (XRP) und Ethereum (ETH) rüttelten an der Marktdominanz des scheinbar übermächtigen Bitcoin, sind jetzt aber wieder auf Marktanteile geschrumpft wie in der Zeit vor dem Boom. Ethereum, das kurze Zeit von Ripple überholt wurde, sitzt jetzt wieder fest im Sattel als Nummer 2 des Marktes.

© CoinMarketCap

Was ist passiert?

Dass Kryptowährungen den Kurs des Jänner 2018 nicht für immer halten werden können, war vielen Beobachtern klar. Dass der neue Markt innerhalb von rund drei Monaten 70 Prozent seines Werts verlieren wird, ist dennoch eine dramatische Entwicklung, die vielen den Glauben an den Krypto-Markt und digitale Währungen nahmen. Dabei ist auch klar: Die Hype-Phase hat aufgezeigt, dass Coins und Token erstmal lediglich der Spekulation an Exchanges dienen – die Geschichten, wie Trader zu unverhofftem Reichtum gelangten, häuften sich.

Währenddessen schafften es Bitcoin, Dash und Co. nicht, sich im „real life“ auch nur ansatzweise als Zahlungsmittel durchzusetzen. Zu hoch die Volatilität, zu gering ist die Marktdurchdringung, zu groß die Transaktionsgebühren, zu langsam die Blockchains. Lediglich ein geschätztes Prozent der Weltbevölkerung besitzt Kryptowährungen. Zudem verzichteten Plattformen wie Steam (Games) oder Stripe (Payment) auf Bitcoin als Zahlungsmittel. Dort, wo Firmen neue Services für Kryptowährungen einführten (z.B. Robinhood, Square), geht es ums Handeln mit Coins und Token.

Für weitere Verunsicherung bei Anlegern sorgten die Ankündigungen von Politikern und Zentralbanken, Regulierungen für ICOs und Exchanges einzuführen. Chinas hartes Voranpreschen wurde dabei aber nicht zum Vorbild genommen. Mittlerweile sind viele, vor allem westliche Regierungen, der Meinung, den neuen Markt nicht mit zu strengen Regeln abzuwürgen. Klar ist aber auch: Der Schutz von Konsumenten vor Betrügern und das Eindämmen potenzieller Geldwäsche haben weiter Vorrang. Der Hack von Coincheck in Japan, die fragwürdigen Vorgänge rund um Tether oder Pyramidenspiele im Visier der Ermittler waren weitere Stiche in die Blase.

ICOs werden schwerer

Reichte vor einem Jahr noch eine hübsche Webseite mit Wallet-Adressen, um viel virtuelles Geld für ein geplantes Krypto-Projekt aufzustellen, sieht die Angelegenheit 2018 schon anders aus. Zwar wurden auch im Jänner und Februar noch ordentliche Beträge in Startups (z.B. Envion, Elastos) investiert, kühlt der ICO-Markt spürbar ab. In den USA sind viele Startups dazu übergegangen, ICOs nach einer „Simple Agreement for Futures Tokens“-Struktur (SAFT) durchzuführen. Dabei kann nicht mehr jedermann investieren, sondern nur mehr akkreditierte Investoren. Populärstes Beispiel: Telegram hat nach diesem Schema bis dato 1,7 Milliarden Dollar für seine Blockchain- und Kryptowährungs-Pläne eingenommen.

© Coindesk

Auch die Bewerbung für ICOs, die oft und gerne via Social Media und Search Advertising betrieben wurde, ist heute ungleich schwerer als noch vor einigen Monaten. Mittlerweile haben Google, Facebook, Twitter und Mailchimp Ads für Kryptowährungen und ICOs von ihren Plattformen und Diensten verbannt. So haben Krypto-Startups deutlich weniger Chancen, die breite Masse für ihre Token Sales zu begeistern. Somit ist der Gang zu klassischen Investoren wieder naheliegender, als zu versuchen, im Netz Crowdfunding mittels Kryptowährungen zu betreiben.

Immerhin gibt es immer mehr Länder, die sich als neue Heimat für Krypto-Startups positionieren – allen voran die Schweiz. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) der selbst ernannten „Krypto-Nation“ hat bereits Regeln für Initial Coin Offerings auf Basis des bestehenden Finanzmarktrechts aufgestellt. Daran sollen sich Startups orientieren, wenn sie Zahlungs-, Nutzungs- oder Anlage-Token in die Welt setzen wollen.

Blockchain ist nicht totzukriegen

Der Bitcoin-Hype hat auch dafür gesorgt, dass vom Gründer eines Startups bis zum Vorstand eines Großkonzerns nahezu jeder zu glauben weiß, dass die Blockchain-Technologie ein sinnvolles Instrument zur Entwicklung neuer Tech-Innovationen sein kann. Erste Bank (Ripple), Raiffeisen (R3), Deutsche Telekom, Bosch (IOTA), IBM (Stellar), Google, Wien Energie, die Stadt Wien, Verbund, Salzburg AG, Shell, Maersk – zahlreiche Unternehmen testen bereits, wie die Blockchain zu ihren Zwecken eingesetzt werden kann. Damit ist klar: Der Bitcoin-Hype hat dafür gesorgt, dass sich die digitale Wirtschaftswelt intensiv mit der Idee von dezentralisierten Netzwerken auseinandersetzt.

„Bitcoin ist das MySpace der Blockchain“, sagt etwa Andrew Keys von der Krypto-Firma ConsenSys aus Brooklyn. „Es gibt bereits eine Reihe innovativerer Kryptowährungen als Bitcoin“, meint Kryptowährungs-Experte Valentin Hofstätter von Raiffeisen Research. Vor unseren Augen entsteht ein neues Internet, das die unterschiedlichen Distributed-Ledger-Ansätze miteinander verknüpft und so eine neue digitale Welt schafft, in der Protokolle der einzelnen verteilten Datensätze miteinander kommunizieren“, sagt Petia Niederländer von der Erste Group. Bedeutet insgesamt: Die Krypto-Welt, Blockchain und Distributed-Ledger-Systeme stecken noch in den Kinderschuhen. Man darf gespannt sein, was aus ihnen wächst.

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