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Warum Forscher gute Unternehmer sein können

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Amin Shokrollahi über Wirtschaft und Forschung © Kandou Bus
Amin Shokrollahi über Wirtschaft und Forschung © Kandou Bus

Forschung und Wirtschaft. Zwei Felder, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Und doch sind sich Forscher und Unternehmer in vielerlei Hinsicht nicht unähnlich, sagt Amin Shokrollahi, Gründer und CEO von Kandou Bus.

Shokrollahi weiß wovon er spricht, wenn er diesen Vergleich anstellt, denn bevor er Unternehmer wurde, war er selbst lange Zeit in der Forschung tätig. 1991 promovierte er in Informatik, sechs Jahre später folgte seine Habilitation. Er ist Chief Scientist von Digital Fountain in Fremont und unterrichtet seit 2003 als Professor an der EPFL in Lausanne. Seine Arbeiten befassen sich mit der Kodierungstheorie, der Komplexitätstheorie und der algrorithmischen Zahlentheorie. Shokrollahi entwickelte bereits mehrere Codes, unter anderem Chordal Codes, die die Kommunikation von Chips untereinander ermöglichen. Als Wissenschaftler und Forscher blickt er auf über 100 Veröffentlichungen und etliche Preise zurück. 2011 widmete er sich dem Unternehmertum und gründete die Firma Kandou Bus.

Durch eben genau diesen beruflichen Wandel, den dabei erlernten Fähigkeiten und Einblicken in beide Bereiche meint er heute ganz besondere Vergleichs- und Unterscheidungsmerkmale erkennen zu können, die er uns im Gespräch verraten hat.

Gemeinsamer Nenner

Wirtschaft und Wissenschaft haben sich schon immer gegenseitig beeinflusst. Das hat nicht zuletzt mit den jeweiligen Abhängigkeiten zu tun: Die Wirtschaft braucht Innovationen, die Wissenschaft Forschungsgelder. Aber auch der Arbeitsprozess ist in gewisser Weise ident: Den Anfang macht eine Idee, eine, die im bestehenden Markt fehlt. Im Grunde kann man hier ebenso gut von einem Problem und einer Problemlösung sprechen. Sowohl der Unternehmer als auch der Wissenschaftler entwickeln ein Konzept, eine Methode, um die Problemlösung anzugehen. Den Rahmen für ein solches Konzept bilden Hypothesen, Experiment- und Testreihen, Produkt-  bzw. Theorievalidierungen und schließlich kann die Problemlösung, in Form eines Produkts oder einer Theorie, realisiert oder definiert werden.

Shokrollahi meint zudem, dass die Fähigkeiten, die in der Forschung und in der Wirtschaft maßgeblich mit dem eigenen Erfolg zu tun haben, grundsätzlich die Gleichen seien: Gegebene „Möglichkeiten erkennen“, „diese zu ergreifen“ und „an ihnen zu arbeiten“. Ebenso wesentlich, wenn nicht am wichtigsten, sagt er, sei es die Begabung zu haben, „sich selbst verkaufen zu können“. Insbesondere eben diese Begabung sei ausschlaggebend für den Erfolg in beiden Bereichen. Ob nun bei Geschäfts- und Kundenmeeting oder bei wissenschaftlichen Konferenzen gehe es letztlich immer um ein und dieselbe Angehensweise: Man präsentiert sich und seine Arbeit und versucht Investoren davon zu überzeugen, dass die eigene Idee, das eigene Produkt oder eben das eigene wissenschaftliche Werk das bislang beste auf dem Markt ist. Beide, sowohl Forscher als auch Unternehmer, unterscheiden sich in der Art der Geschäftsakquise also nicht.

Der große Unterschied

Amin Shokrollahi sieht bei allen Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkten allerdings auch einen großen Unterschied: Die Forschung sei ein weniger hartes Pflaster als die Wirtschaft. Denn „im Gegensatz zur Wirtschaft stellt die Forschung weitaus mehr Wege bereit den Erfolg der eigenen Arbeit zu messen. Zum Beispiel „durch Veröffentlichungen, Preise oder auch durch die Karriere der unterrichteten Studenten“. In der „Wirtschaft gibt es hingegen ausschließlich einen Faktor“, der Erfolg ausmacht und definiert: „Deine Firma macht entweder Gewinn oder nicht“.

Tiefgang versus Breitgang

Und Shokrollahi erkennt ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Bereichen. Dem Forscher darf es nicht an intellektuellem „Tiefgang“ mangeln. „Das ist es, was von ihm erwartet wird, als wissenschaftlicher Fachexperte.“ In der Wirtschaft hingegen sei ein sogenannter „Breitgang“ das Wichtigste. Damit ist ein umfassender Blick auf das jeweilige Geschäftsfeld gemeint: „Insbesondere bei einer Unternehmensgründung ist der 360°-Blick einfach unerlässlich“, meint Shokrollahi.

Die Kombination aus Erkenntnissuche und Hypothesenverifizierung, die die Arbeit des Forschers charakterisiert, ist die ideale Voraussetzung für den Innovationsgeist, den man als erfolgreicher Unternehmer benötigt. Und vielleicht entwickelt sich aus eben dieser Kombination automatisch auch der „Breitgang“.

Das vollständige, auf Englisch geführte Interview ist hier bei Startupmilestones erschienen: ).

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