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Gamestop & AMC: Reddit-Mob lässt Aktienkurse explodieren – zum Schaden von Shortsellern

reddit-Maskottchen uriniert virtuell auf Logo von Melvin Capital. © Trending Topics
reddit-Maskottchen uriniert virtuell auf Logo von Melvin Capital. © Trending Topics

„Als hätte 4chan ein Bloomberg Terminal gefunden“: So lautet die Selbstbeschreibung des berüchtigten reddit-Forums r/wallstreetbets, das dieser Tage seine ungebändigte Energie an den Aktienmärkten auslässt. Nutzer des Forums haben mit ihren Meme-gespickten Social-Media-Kampagnen geschafft, dass die Börsenkurse von durch die Corona-Krise schwer angeschlagenen Unternehmen plötzlich wieder explodierten – und jenen Investoren Millionen kosteten, die eigentlich mit Leerverkäufen („Short Selling“) auf fallende Kurse eben jener strauchelnden Firmen wetteten.

Ein Angriff des Internet-Mobs auf die Wall Street – so könnte man die Aktionen, die man aktuell an den Börsen sehen kann, auch bezeichnen. Begonnen hat es mit der Aktie des Videospiele-Händlers Gamestop (GME), der durch die Corona-Krise noch einmal zusätzlich litt. Die wallstreetbets-Anhänger, die über Kanäle wie Dischord, Twitch oder Twitter mit flotten Memes zum Kauf von GME-Aktien anstachelten, haben erreicht, dass das Papier innerhalb eines Tages um mehr als 100 Prozent zulegte.

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Nach GME kommt AMC dran

Ziel Nummer zwei ist nun die Aktie von AMC Entertainment – der weltweit operierende Betreiber von Kinos hat durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Lockdowns wenig verwunderlich ebenfalls schwer gelitten. Nun eilt den gestürzten Aktienkurs die wallstreetbets-Meute zu Hilfe – und AMC legt plötzlich innerhalb eines Tages um mehr als 170 Prozent zu. Im Forum wurde angekündigt, AMC „to the moon“ zu schicken – ein beliebter Schlachtruf. Die Kursschwankungen waren so stark, dass zu Beginn der Woche der Handel der Aktien an der Wal Street mehrere Male ausgesetzt wurde (das passiert dann, wenn ein Titel innerhalb von fünf Minuten mehr als 10 Prozent seines Wertes verliert oder gewinnt).

 

Die reddit-Trolle haben sich nicht einfach so gerade diese beiden Firmen ausgesucht. Ihnen geht es darum, den Aktienkurs von GME und AMC so zu beeinflussen, dass Investoren, die auf deren Absturz mittels Leerverkäufen wetteten, herben Schaden erleiden. Der wallstreetbets-Mob lässt aktuell die Muskeln spielen und will Hedge-Fonds und professionelle Anleger dafür bestrafen, dass sie gegen die angeschlagenen Unternehmen wetteten. Durch die plötzlichen Kursanstiege mussten sie ihre Short-Positionen vorzeitig auflösen.

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Besonders eingeschossen haben sich die wallstreetbets-Jünger auf den Shortseller Melvin Capital – das zeigt ein Mem, auf dem das Maskottchen der Unruhestifter auf das Logo des Finanzinvestors uriniert. Dem Wall Street Journal zufolge hat Melvin Capital mehr als 15 Prozent seines Kapitals wegen der verlorenen Wetten bereits verloren. Mittlerweile ist auch Elon Musk, einer der reichsten Menschen der Welt, auf den Trend aufgesprungen. Mit einem Tweet am Dienstag Abend und einem Link zu dem reddit-Forum gab er dem Run auf die Gamestop-Aktie noch einen zusätzlichen Push:

Musk selbst hat dazu natürlich eine Vorgeschichte mit Shortsellern. Diese waren für die Tesla-Aktie, die heute so hoch wie nie zuvor liegt, seine lieben Probleme. Denn TSLA war für Shortseller stets ein beliebtes Ziel, auf deren baldigen Absturz zu wetten. Es gilt aber auch festzuhalten, dass Shortseller auch Recht haben können – immerhin warnten sie vor den Aktien von Nikola und Wirecard.

Um die Aktien zu kaufen, werden gerne die Trading-Apps Robinhood oder Trading 212 von jüngeren Nutzern verwendet. Diese mussten am Mittwoch nachmittag Ausfälle wegen des Besucheransturms vermelden. Mit ihrer Hilfe können Aktien in Sekundenschnelle und wenigen Wischern am Display zugekauft werden. Manche redditors sind dabei aber scheinbar weniger von Gewinnabsicht, sondern vielmehr von Rache getrieben. „We need to take the wealth back from these boomers“, schreibt einer im Forum. Wenig verwunderlich werden nun auch gleich Eingriffe seitens der US-Börsenaufsicht SEC laut. Fraglich ist aber, wie man dagegen vorgehen könnte. Pseudonyme, die im Netz über Aktienkäufe reden, kann man schwerlich verklagen.

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