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Vorarlberger Startup Bugbattle: Handy schütteln, Softwarefehler melden

Das Team von Bugbattle. © nussbaumerphotography
Das Team von Bugbattle. © nussbaumerphotography

Das Vorarlberger Startup Bugbattle bietet das erste In-App-Bug-Reporting-Tool für Apps, Websites und Industrieanwendungen aus Europa. Mit Bugbattle können Nutzer Fehler in Apps, Websites oder Industrieanwendungen durch das Schütteln des Smartphones oder einen simplen Klick melden. Das war auch der FFG eine „großzügige Förderung“ wert.

Bugbattle soll „Zeit und Nerven sparen“

Qualitätsansprüche in der Softwareentwicklung seien in den letzten Jahren rasant angestiegen, heißt es von Bugbattle. Kleinste Fehltritte könnten „kolossale Auswirkungen“ haben. Dementsprechend viel Zeit, im Schnitt etwa 70 % der Arbeitszeit, würden manche Entwickler in das Adressieren von Softwarefehlern stecken. „Mit Bugbattle haben wir ein Tool geschaffen, welches den Prozess rund um das Melden eines Fehlers revolutioniert und somit jedem Entwickler viel Zeit und Nerven spart“, erklärt Lukas Böhler, Gründer des Startups.

50 Mal schneller

Die Idee zu Bugbattle habe sich „aus dem Berufsalltag in unserer Softwareagentur BoehlerBrothers ergeben“, erzählt der Böhler weiter. „Bei BoehlerBrothers kämpfen wir im User Testing oder bei Iterationen mit Kunden quasi ständig mit unvollständigen Bug Reports. Das bedeutet, dass wir extrem viel Zeit damit verbringen, gemeldete Fehler in Apps oder Websites zu reproduzieren oder zusätzliches Feedback einzuholen“. Die Idee hinter Bugbattle sei es also, diesen Prozess zu beschleunigen. Das Melden und Beheben von Softwarefehlern über Bugbattle sei darum im Vergleich zum konventionellen Weg 50 Mal schneller. 

Handy schütteln, Fehler melden

In der Praxis sehe das konventionelle Reporting von Bugs folgendermaßen aus: „Ein Kunde oder ein User findet beispielsweise in einer App ein Fehler. Der User macht dann in der Regel davon einen Screenshot, markiert und beschreibt den Fehler und sendet ihn per Mail an den zuständigen Entwickler. Auf Entwicklerseite wird der Fehler dann samt Screenshot in ein Projektmanagement-Tool gepflegt. Sollte der User wichtige Informationen zu seinem Betriebssystem, App-Version oder Bildschirmauflösung vergessen haben händisch zu notieren, was sehr oft der Fall ist, muss der Entwickler noch eine zusätzliche Schleife einlegen und Rücksprache mit dem User halten“. 

Die Lösung von Bugbattle beschleunige diesen Prozess enorm, erklärt Lukas Böhler: „Sobald der User ein Fehler feststellt, schüttelt er sein Device und es wird automatisch ein Screenshot inklusive aller für den Entwickler wichtigen Informationen, wie Session-Daten, Console Logs und die letzten Schritte vor dem Fehler, generiert. Der User kann den Screenshot dann noch mit einer Nachricht versehen und absenden. Auf Entwicklerseite wird der Screenshot samt Daten und Beschreibung direkt an das hinterlegte Projektmanagement-Tool gesendet und automatisiert ein Ticket erstellt“.   

Alle Softwareentwickler als potenzielle Kunden

Bugbattle habe man als Tool von Entwicklern für Entwickler gebaut. „Der Einsatzbereich ist dementsprechend vielseitig, da wir potenziell alle Softwareentwickler als Kunden sehen“, erzählt Böhler. In einem ersten Schritt habe man sich allerdings auf mobile Plattformen fokussiert. Aktuell lasse sich die Lösung also in erster Linie von App- und Web-Developern einsetzen. Böhler: „Mit einer Zeile Code und in weniger als einer Minute kann Bugbattle ganz einfach in alle Android-, iOS-, React Native- und JavaScript-Anwendungen eingebunden werden. Neben dem Einsatz von Bugbattle in Apps und Websites arbeiten wir momentan mit Hochdruck an einer Bug-Reporting-Lösung für Industrieanwendungen, da wir gerade in diesem Bereich extrem viel Potenzial sehen“. Aktuell sei Bugbattle bereits „bei etwa 100 Usern vor allem im Bereich der App-Entwicklung in Amerika“ im Einsatz – Tendenz steigend. 

Bugbattle: SaaS-Lösung

Bugbattle ist als Software-as-a-Service-Lösung konzipiert. „Unser Geschäftsmodell mit unseren Subscription-Plans ist komplett digital. 14 Tage kann Bugbattle gratis getestet werden und danach entscheiden sich die Kunden für ein Abo. Unter vergleichbaren Produkten ist Bugbattle dabei das kostengünstigste, weil wir unser Tool speziell auch für Startups und kleinere Betriebe zugänglich machen wollten“, sagt Böhler. Mit den Einnahmen wird ein sechsköpfiges Team finanziert. 

Gründung während der Pandemie

Der Launch des ersten Produkts fand im November statt. Bugbattle wurde tatsächlich auch erst Mitte des Jahres, also in der Pandemiezeit, gegründet. Böhler sieht das nicht negativ: „Prinzipiell sehen wir als Softwareentwickler die Krise vor allem als Treiber von neuen Ideen, die auch den Trend zur Digitalisierung verstärkt. Genau dort setzen wir mit Bugbattle an. Jetzt, wo Software immer wichtiger und die Qualitätsansprüche daran immer größer werden, soll Bugbattle als Tool helfen, Fehler schneller zu beheben und somit qualitativ hochwertigere Apps und Websites zu liefern“. Man habe die Zeit des ersten Lockdowns gut nutzen können, um mit der Entwicklung des Tools durchzustarten. Böhler: „In der Softwarebranche sind wir sowieso komplett digital unterwegs, das hat uns die Umstellung zum remoten Arbeiten natürlich extrem erleichtert“. 

Integrationen in Arbeit

Derart positiv soll es auch weitergehen. Bugbattle werde stets weiterentwickelt: „Wir bauen gerade an Integrationen für GitHub und Slack – das bedeutet, dass Bugbattle in Zukunft an diese Tools angebunden werden und somit noch einfacher in firmeneigene Workflows integriert werden kann. Zudem soll es bald möglich sein, Bugbattle auch für Industrieanwendungen zu verwenden. Hier stehen wir in engem Austausch mit großen Vorarlberger Industrieunternehmen“. In fünf Jahren soll sich Bugbattle als Bug-Reporting-Lösung vor allem in den USA und Europa etabliert haben. Böhler: „Wir wollen so viele Entwickler wie möglich dazu befähigen, weniger Zeit und Nerven in das Finden von Fehlern und mehr in die schönen Dinge im Leben eines Developers zu investieren“. 

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