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Von der 24-Stunden-Pizza zum Franchise-Unternehmen

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Die BistroBox in Alkoven ist auch ein Drive-in. © Peter Baier
Die BistroBox in Alkoven ist auch ein Drive-in. © Peter Baier

Pizza rund um die Uhr. 24 Stunden lang. Jeden Tag. 24/7 eben. Die Erfinder der BistroBox hatten sich die Latte hoch gelegt. Das Konzept scheint zu funktionieren. Im Oktober wurde der elfte Standort eröffnet, weitere sind in der Planung.

In den BistroBox-Lokalen können Kunden der Pizza beim Backen zusehen. Nachdem die gewünschte Pizzasorte am Automaten ausgewählt wurde, beginnt der Countdown. Auf einem Bildschirm zählt die Maschine die Zeit herunter, während das Pizzastück automatisch aus der Verpackung befreit, in den Ofen geschoben, gebacken und serviert wird. Durch ein Fenster können die Arbeitsschritte verfolgt werden. Am Bildschirm sollen Fun Facts und Werbung die Zeit vertreiben.

Kein Personal im Lokal

Da es kein Personal gibt, das in den Lokalen arbeitet, ist es möglich, 24 Stunden am Tag geöffnet zu haben. Die BistroBox soll Kunden rund um die Uhr aber nicht nur mit Pizza versorgen. Weitere Automaten bieten Getränke, Snacks, Süßigkeiten und Kaffee an. Ebenso unverzichtbar in mobilen Zeiten sind das gratis WLAN und verschiedene Stromstecker für gängige Handymodelle. Wer sich gerne beim Essen fotografieren lässt, greift zum Fotobuzzer. Die Selfies werden direkt auf die Fotowall von BistroBox hochgeladen. Zu Halloween war der Fotobuzzer besonders beliebt.

Seit 2006 haben David Kieslinger, Klaus Haberl und Jürgen Traxler mit einem weiteren Studienkollegen an der Idee eines Pizzaautomaten gefeilt. Die vier Studenten haben das Projekt an der FH Wels gestartet, wo sie Wirtschaftsingenieurwesen und Automatisierungstechnik studiert haben. Praktisch jede Gruppenarbeit wurde der Vision einer 24-Stunden-Pizza gewidmet.

Die Gründer von BistroBox: Jürgen Traxler, Klaus Haberl, David Kieslinger (vlnr) © Julia Traxler
Die Gründer von BistroBox: Jürgen Traxler, Klaus Haberl, David Kieslinger (vlnr) © Julia Traxler

2009 wurden die Marke BistroBox und das Patent angemeldet. An der FH Wels, der Johannes Kepler Universität und der Voestalpine wurden die Geräte im Jahr 2011 erstmals getestet. Das Rollout der Seriengeräte startete im Oktober 2012. Das erste Automatenbistro eröffnete 2014 in Eferding.

Die Betreiber wollen mit  ihren Lokalen einen Treffpunkt für Jung und Alt schaffen, an dem nie Langeweile herrschen soll. Das Design ist modern, frisch und reduziert. 39 Prozent der Besuche der BistroBox fallen in die Zeit von 23 bis 6 Uhr. Das Konzept der Pizza rund um die Uhr zieht also insbesondere Nachtvögel an. Die Betreiber haben dabei vor allem den ländlichen Raum vor Augen, wo die Versorgung rund um die Uhr nicht gegeben ist. Man will Schichtarbeiter genauso ansprechen wie feiernde Nachtschwärmer.

Von Vandalismus oder Diebstählen können Klaus Haberl und seine Kollegen nicht berichten. „Es läuft erstaunlich gut“, sagt Haberl. Natürlich komme es zu Verschmutzungen, aber die Lokale werden täglich gereinigt.

Pizza made in Niederösterreich

Mittelpunkt des Projekts bleiben aber immer noch die Pizzen. Deren Rezeptur hat sich über die Jahre verändert. Die Betreiber betonen gerne die Herkunft der Zutaten. Alle Pizzazutaten stammen demnach aus Österreich. Die Teigfladen werden in Niederösterreich zubereitet und von Hand belegt. Gelagert werden sie im Frischebereich bei circa  fünf Grad. Erst wenn ein Kunde die Pizza am Automaten bestellt, wird die Plastikverpackung geöffnet und die Pizza im Heißluftofen bei 300 Grad Celsius zubereitet.

Die Pizzen sind mehrere Tage haltbar, dennoch werden die Automaten täglich neu bestückt. Sollte es Verzögerungen beim Bestücken der Maschinen kommen, sortiert der Automat die Pizza aus. Die Betreiber können mittels eigens entwickelter Systeme mit dem Smartphone Fakten wie die Lagerdauer und den Lagerbestand in den Automaten überprüfen.

Die aussortierten Pizzen werden an Sozialmärkte gespendet. Die Qualität ist einwandfrei, der Geschmack aber leicht verändert. „Die Märkte freuen sich immer wieder über die Lieferungen“, sagt Haberl.

Die beliebteste Pizza in den BistroBoxen ist die Sorte Salami, die 35 Prozent der bisher gebackenen Pizzen ausmacht. Am zweithäufigsten wurde die Sorte Schinken gekauft, Diavolo folgt auf Platz drei. Das Käsebaguette wird am seltensten bestellt und macht 18 Prozent der bisher verkauften heißen Brote aus. Seit wenigen Monaten ist mit Spinat eine fünfte Sorte erhältlich.

Die BistroBox GmbH hat mittlerweile zwölf Angestellte in Oberösterreich. Jürgen Traxler, Klaus Haberl und David Kieslinger übernehmen die Geschäftsführung. Wichtig für den Erfolg war, sagt Haberl, dass sich die Gründer gut verstanden haben. Hürden habe es natürlich gegeben und als Jungunternehmer werde man manchmal auch unterschätzt. „Das ist manchmal gar nicht so schlecht“, ist Haberl überzeugt.

Franchisepartner gesucht

Derzeit ist liegt der Fokus der Geschäftsentwicklung auf der Suche nach Franchisepartnern. Ab drei Standorten soll eine Vollexistenz möglich sein. Die Lokale brauchen keine ständigen Mitarbeiter, wodurch sich ein Franchisenehmer Personalproblematiken wie Krankenstände erspart. Von der ursprünglichen Idee, die nur die Automaten an Schulen oder Firmen zu platzieren, hat man sich verabschiedet. Die Qualität der Standorte und der Umgebung habe nicht mit der Qualität der angebotenen Produkte zusammen gepasst. Bei einem vollständig durchdachten Lokal konnten diese Diskrepanzen ausgemerzt werden. Den Franchisenehmern wird ein standardisiertes Konzept geboten.

Die Jungunternehmer denken dabei über Ländergrenzen und wollen nach Deutschland expandieren. „Wir haben in zwei Monaten 150 Anfragen erhalten“, sagt Haberl. Demnächst sollen BistroBoxen auch an Autobahnraststätten in Österreich zu finden sein.

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