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Porträt

Voltlabor: Der Hidden Champion, der mit Batterien nach der Technologieführerschaft greift

© Voltlabor
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Viele sagen, dass die Zukunft von Daten angetrieben werde. Man könnte aber auch sagen, dass die Zukunft von Batterien angetrieben wird. Lithium-Ionen-Akkus sind nicht nur das Herzstück von Elektroautos, sondern werden aller Voraussicht nach auch entlang von Autobahnen zur Versorgung von Ladestationen oder zu Hause als Speichersysteme für Solaranlagen vermehrt zum Einsatz kommen. Und genau in diesem Umfeld arbeitet eine erst dieses Jahr gegründete oberösterreichische Firma namens Voltlabor – ein echter Hidden Champion mit einer außergewöhnlichen Geschichte.

“Wir waren immer schon sehr offen für neue Ideen”, sagt Johannes Kaar. Er hat Voltlabor gemeinsam mit Edmund Jenner-Braunschmied und Martin Reingruber als Spin-off des oberösterreichischen Maschinenbauunternehmens Nordfels 2019 an den Start gebracht. Der oberösterreichische Industriezulieferer Miba beteiligte sich im Sommer mit 25,1 Prozent an Voltlabor – mit dem Ziel, gemeinsam einen bedeutenden Anbieter für die Entwicklung und Produktion von Batterie-Systemen aufzubauen. Und zwar einen, der weltweit Technologieführer sein kann.

© Voltlabor
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Das Fundament dafür ist vielversprechend. Bei Nordfels begannen die Maschinentüftler schon vor vielen Jahren, mit Batterien zu basteln. Und schafften dann etwas, was zuvor von der Branche für unmöglich gehalten wurde. Batteriezellen galten als nicht verschweißbar, “aber wir haben es dann doch geschafft”, sagt Kaar. Die Folge: Batterieriese Panasonic (wichtiger Partner von Tesla) pilgerte mit Delegationen genauso ins Mühlviertel wie die Kreisel-Brüder.

„Dann bauen wir halt unsere eigenen Batterien“

Die Kooperation mit Miba hat ihre Wurzeln im Jahr 2013: Damals entwickelte die Hammerschmid Maschinenbau GmbH, die dann später in Nordfels umbenannt wurde, ein Motorrad mit Elektromotor, den „Johammer“. Wir haben damals gesagt: Dann bauen wir halt unsere eigenen Batterien”, sagt Kaar heute. Heute baut das Spin-off Voltlabor Batterien in Serie. Eine Gigafactory ist es noch nicht, aber: „Unsere Anlage hat eine Produktionskapazität im 1-Schicht-Betrieb im etwa dreistelligen Megawattbereich pro Jahr“, sagt Kaar, der bei Voltlabor CFO ist. „Wir wollen die Anlage mittelfristig im Mehrschichtbetrieb mindestens verdoppeln.“

© Voltlabor
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Wo werden die oberösterreichischen Batterie-Packs nun eingesetzt? Dazu muss sich Voltlabor bedeckt halten und darf nur einen Kunden nennen: das oberösterreichische Startup Agilox, das Logistik-Roboter baut. Deren „Intelligent Guided Vehicles“ sind quasi batteriebetriebene, selbstfahrende Gabelstapler für den Industrieeinsatz. “Es sind definitiv Kunden dabei, die man kennt”, sagt Kaar zu den anderen Abnehmern. Man böte derzeit das „technologisch hochwertigste Produkt“ und müsse keine Werbung machen, um neue Kunden zu gewinnen.

Die Beziehung zu Kreisel

Viel bekannter als Voltlabor ist in Österreich die Firma Kreisel, die mit ihren Batteriesystemen für Elektroautos weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Kreisel und Voltlabor kennen sich gut. „Wir haben für Kreisel fertige Batteriemodule geliefert und Kreisel vollen Einblick und Zugang zu unserer Laserschweißanlage gewährt – was zu diesem Zeitpunkt, laut unserem Wissensstand, die erste und einzige global gewesen ist, auf der zylindrische Rundzellen prozesssicher lasergeschweißt wurden„, sagt Kaar. Später sollten sich die Wege von Nordfels und Kreisel wieder trennen.

Während Kreisel unter anderem durch das Investment von Schwarzenegger-Neffe Patrick Knapp-Schwarzenegger (Trending Topics berichtete) und PR-Aktionen mit dem „Terminator“ groß in die Medien kam, fuhr man bei Nordfels bzw. später bei Voltlabor unter dem Radar – bis schließlich Miba einstieg.

© Voltlabor
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Die Batteriezellen, die Voltlabor (und einige andere Firmen in Europa) zu Batterie-Packs zusammenbauen, kommen heute zumeist aus Asien. „Momentan von allen großen Premiumherstellern wie Sony, Samsung, LG oder Panasonic, teilweise auch aus China und den USA“, sagt Kaar. Künftig will man bei Voltlabor aber mehr auf europäische Zellen setzen. „Wir sind dabei, eine Lieferbeziehung mit einem europäischen Premiumhersteller aufzubauen“, sagt Kaar.

Denn in Europa wollen mehrere Firmen mit asiatischen Herstellern gleichziehen. 2017 wurde etwa die European Battery Alliance mit 120 Industriepartnern gestartet. Ziel ist, die gesamte Wertschöpfungskette in der EU abzubilden. Einer der Treiber der Bewegung ist das schwedische Startup Northvolt, das mit Unterstützung der EU eine Gigafactory hochzieht und kürzlich mit Volkswagen ein Joint Venture gegründet hat (Trending Topics berichtete), ist dabei, in Europa große Fabriken für die Herstellung von Batteriezellen hochzuziehen. Das soll dafür sorgen, dass vor allem die europäische Autoindustrie unabhängiger von asiatischen Produzenten wird. Spezialisten wie Voltlabor könnten in dieser Marktbewegung noch eine große Rolle spielen.

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