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Virtual Vehicle: Das ist Österreichs einziges wirklich autonomes Auto, das zugelassen ist

Das "Virtual Vehicle", ein aufgerüsteter Ford Mondeo Hybrid. © Virtual Vehicle Research Center
Das "Virtual Vehicle", ein aufgerüsteter Ford Mondeo Hybrid. © Virtual Vehicle Research Center

Um einen Blick in die Zukunft werfen zu können, dazu kommen viele Besucher zu den Technologiegesprächen des Europäischen Forum Alpbach. Vor dem Kongresszentrum des kleinen Tiroler Bergdorfs ist dieser Tage ein ganz besonderes Auto geparkt. Denn der „Virtual Vehicle Automated Drive Demonstrator“ ist Österreichs einziges selbstfahrendes Auto, das eine Zulassung bekommen hat. Nennen darf man es ADD – die Kurzform für „Automated Drive Demonstrator.“

Zwar sieht es aus wie ein herkömmlicher Ford Mondeo Hybrid, doch tatsächlich ist es vollgepackt mit Sensoren. Diese erlauben es ihm, auf einer Autobahn zu Testfahrten selbstständig zu beschleunigen, lenken, blinken oder bremsen. Nur drei Testfahrer haben die Lizenz, um den PKW zu fahren und bei Bedarf einzugreifen und die Steuerung des Wagens zu übernehmen. an der Mittelkonsole gibt es dafür einen großen roten Stop-Knopf, falls das Auto mit dem Selberfahren sofort aufhören soll.

Chip-Hersteller Infineon an Bord

Betrieben wird Österreichs einziges Roboter-Auto vom Virtual Vehicle Research Center in Graz. Mit mehr als 200 Mitarbeitern forscht das Kompetenzzentrum bereits seit 2002 an neuen technologischen Entwicklungen rund ums Auto. In Alpbach präsentiert Virtual Vehicle gemeinsam mit Chiphersteller Infineon, wie man mit neuesten Sensortechnologien und 3D-Software die Fahrwege des selbstfahrenden Autos vorausberechnen kann.

Sensor-Demonstrator des Virtual Vehicle. © Virtual Vehicle Research Center
Sensor-Demonstrator des Virtual Vehicle. © Virtual Vehicle Research Center

Neben einem Radar, der ständig checkt, ob sich Objekte dem Wagen nähern, und einem Lidar-Sensor (ein Laserstrahl scannt zehn Mal pro Sekunde die komplette Umgebung und erzeugt ein realistisches Bild der Umgebung des Autos) kommt bei Virtual Vehicle so genannte „Time of Flight“-Technologie zum Einsatz. Speziell für die Präsentation in Alpbach wurde der ADD mit vier „Time of Flight“-Kamera-Prototypen ausgestattet. So können auf einem Display Objekte um das Auto dargestellt werden – die Farbe des Objekts sagt etwas über die Distanz zum Wagen aus.

20 Terabyte im Kofferraum

ADD ist außerdem mit sechs HD-Kameras sowie zwei GPS-Sensoren ausgestattet, die den Standort auf zwei Zentimeter genau erfassen können. Zusammen mit dem Radar, Lidar und dem „Time of Flight“-Laser liefern all diese Sensoren ziemlich viele Daten, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen. Dazu gibt es im Kofferraum Computer, die pro Tag rund 20 Terabyte an Daten auswerten müssen. Immerhin müssen sie ständig berechnen, wo ADD ist, wo andere Verkehrsteilnehmer sind, wie der Streckenverlauf aussieht und ob plötzlich Tiere oder Menschen auf der Fahrbahn sind.

Für das Virtual Vehicle Research Center ist die Präsentation bei den Technologiegesprächen wichtig. Mit Infineon hat man einen wichtigen Partner gewonnen, der Chips und Sensoren liefert. BMW etwa hat eine Allianz mit dem führenden Chip-Hersteller Intel und dessen Tochter MobilEye geschlossen, um selbstfahrende Autos voranzutreiben.

Virtual Vehicle ist in Österreich das führende Zentrum in Sachen autonomer Fahrzeuge. An der Forschungsgesellschaft sind neben der TU Graz (40%) und der Joanneum Research Forschungs-GmbH (10%) mit AVL List (19%), Magna Steyr (19%) und Siemens Österreich (12 Prozent) gewichtige Player aus der Autozulieferindustrie beteiligt.

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