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Gastbeitrag

WTF is UX-Design? Wie Österreich zum Hot Spot für Benutzerfreundlichkeit werden kann

Die Vereinfachung technisch komplexer Geräte, Software und Services steht im Fokus des World Usability Congress (WUC) in Graz, der sich zu einem internationalen Branchenhighlight entwickelt hat. Dieses Jahr wird er als Online Event durchgeführt.

UX – für viele ist das nur eine weitere Abkürzung aus der Computerwelt, die Otto Normalverbraucher nicht versteht. Dabei geht es eigentlich genau darum: Verstehen. Denn UX steht für User Experience, also welche Erfahrungen Nutzer mit einem Programm, vor und nach der Nutzung machen, und wie diese nötigenfalls verbessert werden können. Dabei denken viele zuerst an Handys, Tablets oder TV-Geräte. UX betrifft aber viel mehr und durchdringt alle Branchen, denn beispielsweise müssen auch Maschinen möglichst einfach und intuitiv bedienbar sein. Was in letzter Instanz auch die Sicherheit des Benutzers gewährleistet. Bei Medizinprodukten besteht bereits die Verpflichtung, diese auf Benutzerfreundlichkeit zu prüfen. Deutschland ist hier schon einen Schritt weiter gegangen. Dort wurde gesetzlich geregelt, dass Produkte nach einem menschzentrierten Prozess entwickelt werden müssen. Hier in Österreich fehlt diese Vorgabe noch.

Globale UX High-Society in Österreich

Hotspot der UX-Szene in Österreich ist der WUC, der seit 2013 jährlich in Graz stattfindet. Am WUC werden Projekte Best-Practices aus allen Branchen vorgestellt und Strategien beschrieben, wie man es schafft den Benutzer in den Mittelpunkt zu stellen. Der Kongress zieht die internationale Szene an: globale Branchengrößen wie SAP, Google, Amazon tauschen sich gemeinsam mit lokalen Unternehmen und UX-Designern aus. Seinen Ursprung hat der Kongress in einer Veranstaltung der FH Joanneum im Jahr 2007 genommen. Damals wurden 30 Teilnehmer verzeichnet, im vergangenen Jahr waren es 550. So international wie die Vortragenden sind auch die Teilnehmer. Sie kommen etwa aus Neuseeland, Japan, China, Indien, Kanada oder den USA.

Notwendigkeit für jedes Unternehmen

UX ist keine Nische mehr, sie ist Notwendigkeit für jedes Unternehmen. Wir Menschen haben uns in den vergangenen Jahrhunderten physiologisch kaum verändert, die Technologie und die Informationsmenge, mit der wir tagtäglich Arbeiten und der wir ausgesetzt sind, wird aber immer größer. Eine zehnjährige Studie des Design Management Institute zeigt, dass Design-driven Unternehmen um über 228% besser performen als Unternehmen ohne einen Fokus auf Design & UX (mehr dazu hier).

Es ist essentiell, UX – international allgemein auch als DESIGN definiert – als einen integralen Part der Unternehmensstrategie zu sehen. Ein erster Schritt ist immer das Know-How in das Unternehmen zu bringen. Danach wird sich das Thema „automatisch“ intern verbreiten. Denn Unternehmens-„Design“ bringt Mehrwert, in aller Hinsicht. Sehr früh erkannt hat das Dynatrace. Das In Linz gegründete Softwareunternehmen ist eines der am schnellsten wachsenden Cloud-Softwareunternehmen der Welt und zählt zu den UX-Vorreitern in Österreich.

Freiheit für UX-Designer: Handwerkszeug für Softwareentwickler

Bei Dynatrace hat man mit einem sehr kleinen Team begonnen, UX in das bereits bestehende Produkt zu integrieren. Die Software ist derart schnell gewachsen, dass das vergleichsweise kleine UX-Team anfangs nicht mit-skalieren konnte. Die Lösung: Man hat sich aus der Detailarbeit zurückgezogen und auf Themen gestürzt, die jedes einzelne Softwareentwicklungs-Team unterstützen. Dynatrace Barista, ein Design System das auf Programmiercode basiert, wurde geboren.

Die Softwareentwickler müssen sich nicht durch Seitenlange Designvorgaben lesen, und diese anschließend selbst manuell programmieren, sondern können auf eine wachsende Datenbank an fertig programmierten Designelementen zugreifen und diese 1:1 in ihre Software einbauen. Barista ist ein open source Projekt, Kunden und andere Unternehmen können sich an den Design-Bausteinen bedienen und selbst neue beitragen. Expertenrollen wurden geschaffen (UX Writer, Researcher, Manager, usw.), und das UX-Team von Dynatrace ist mittlerweile auf über 20 Personen angewachsen und expandiert weiter, weil der Mehrwert von UX-Design die Nachfrage stetig anheizt.

Wie wird man ein UX Experte?

Personen die sich mit UX beschäftigen können aus allen Branchen einsteigen, dafür benötigt es eine sehr hohe Kommunikationsfähigkeit, viel Interesse weiter zu lernen und Grundkenntnisse in gewissen Bereichen der Psychologie, Design, Development und Management. Vom Spezialisten bis zum Generalisten ist alles möglich. Ausbildungen im Bereich gibt es an der FH Technikum Wien (berufsbegleitenden Master in UX Management), oder als Vollstudium Interaction Design an der FH Joanneum Graz. Eine Zertifizierung von den Grundkenntnisses oder Fortgeschrittenen Level bietet die UXQCC Global – User Experience Quality Certification Center.

Über den Autor Hannes Robier:

Hannes Robier ist Lehrender am FH JOANNEUM & FH Technikum Vienna für UX Management und UX Design, sowie Organisator und Gründer des World Usability Congresses und der youspi Consulting GmbH. Der World Usability Congress findet dieses Jahr rein online von 19. bis 23. Oktober statt. Alle Infos unter: www.worldusabilitycongress.com

Hannes Robier. © H. Robier
Hannes Robier. © H. Robier

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