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Umfrage: Händler:innen erleiden trotz Corona-Erholung 2021 Umsatzrückgang

Harald Gutschi, Vizepräsident des Handelsverbands © Handelsverband
Harald Gutschi, Vizepräsident des Handelsverbands © Handelsverband

Ein Großteil der Geschäftsbranchen in Österreich erholt sich in diesem Jahr allmählich von der Corona-Krise. Die große Ausnahme ist dabei der Handel, zeigt eine Umfrage von EY und dem Handelsverband. Im Durchschnitt rechnen die 136 befragten Mitglieder des Handelsverbands heuer mit einem Umsatzrückgang von vier Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2020. Etwa vier von fünf Händlern beklagen weiterhin eine gesunkene Kundenfrequenz und mehr als die Hälfte gehen im Jahr 2021 nicht von einer Verbesserung aus.

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„Handel fünf Jahre in die Zukunft katapultiert“

„Der Handel ist die letzte Branche, die noch mit schweren Auswirkungen der Krise zu kämpfen hat. Nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei der Beschaffung ist die Lage sehr ernst. Die Erzeugerpreise in China sind kürzlich um neun Prozent gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Transportkosten aus China pro Container von 1.500 Euro auf über 10.000 Euro erhöht. Zusätzlich dazu besteht auch ein massiver Mangel an Transportcontainern“, erklärt Harald Gutschi, Vizepräsident des Handelsverbands.

Um sich vor der Krise zu retten, müssen Händler laut der Umfrage zwangsläufig stärker auf den Online-Handel setzen. 81 Prozent der Befragten erwarten in Zukunft mehr Bestellungen. Die oberste Priorität ist für 59 Prozent der Auf- oder Ausbau der eigenen Online-Shops. „Corona hat den Handel fünf Jahre in die Zukunft katapultiert. Viele stationäre Anbieter haben hier schon ihre Hausaufgaben gemacht, aber für Kleinunternehmen ist die Umstellung auf E-Commerce oft schwer. Sie brauchen mehr gezielte Förderung“, sagt Gutschi.

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Viel Bürokratie bei Regierungsmaßnahmen

Tatsächlich gestalten sich Investitionen in den Geschäftsausbau für viele noch schwierig. Angesichts der Krise streichen die Befragten im Durchschnitt ein Viertel ihrer für 2021 ursprünglich geplanten Geldanlagen. Es gibt laut der Umfrage aber noch weitere Probleme: Die Mehrheit der Händler kämpft mit gestiegenen Altwarenbeständen aufgrund der niedrigeren Kundenfrequenz. Gleichzeitig verzeichnen 78 Prozent der Anbieter Lieferverzögerungen und -ausfälle. Was sich weniger verändert hat, ist der Personalstand der Unternehmen. Bei drei von vier hat dieser sich seit 2020 gar nicht verändert.

Ein Viertel der Händler klagt über restriktivere Kreditvergaben durch Banken seit Anfang der Krise. Viele haben die Hilfsmaßnahmen der Regierung in Anspruch genommen. Jeweils die Hälfte hat den Lockdown-Umsatzersatz beantragt und erhalten sowie Anträge an den Härtefallfonds gestellt. Sie sehen die Maßnahmen zwar positiv, jedoch sind viele mit deren Abwicklung unzufrieden. Es herrsche hier noch immer zu viel umständliche Bürokratie.

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Händler müssen Kostenmanagement optimieren

Martin Unger von EY empfiehlt Händlern, sich auf die „Etablierung einer durchgängigen Customer-Journey“ zu konzentrieren, die sowohl online als auch offline stattfindet. Eine Omni-Channel-Strategie sei wichtig, um auf möglichst vielen Plattformen vertreten zu sein. Auch beim Kostenmanagement bestehe immer Raum für Verbesserung. Durch digitale Tools sei es möglich, die Versorgungskette zu optimieren, außerdem müssten Händler ihr Filialen-Portfolio überdenken. Bislang haben nur 13 Prozent der Händler ihre physischen Standorte reduziert. Ein weiterer Fokus sollte laut Unger auf mehr Nachhaltigkeit liegen.

Der Handelsverband hat auch Empfehlungen, allerdings an die Politik. Dazu gehören die Abschaffung der Mietvertragsgebühr und die Senkung der Lohnnebenkosten. Auch sei eine Plattformhaftung für Verpackungsentpflichtung sowie mehr Schutz der Verbraucher vor Fake-Produkten wichtig. „Von Seiten der Politik war immer der gute Wille vorhanden, aber es muss sich jetzt eine Krisenlernkurve zeigen. Der Handel braucht immer noch Hilfe und muss sie schneller erhalten als bisher“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

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