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Wiener Reise-Start-up Ulmon: „Unsere Vision ist breiter, als einfach eine Offline-Karte anzubieten“

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Ulmon-Gründer Tymon Wiedemair und die Welt. © Jakob Steinschaden
Ulmon-Gründer Tymon Wiedemair und die Welt. © Jakob Steinschaden

Sternderl auf eine Offline-Karte setzen, nach Adressen suchen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten in der Nähe finden: Für viele Reisende haben sich die Apps des 2010 gestarteten Wiener Start-ups Ulmon zu einem unverzichtbaren Werkzeug auf Städtereisen entwickelt. Mehr als 15 Millionen Downloads verzeichneten die Gründer Tymon Wiedemair und Florian Kandler bis heute. 2014 kam dann quasi der Ritterschlag: Der Samwer-Fonds Global Founders Capital investierte 1,2 Millionen Euro in das bis dahin aus Eigenmitteln finanzierte Start-up.

2016, das wird beim Besuch von TrendingTopics.at im Wiener Büro von Ulmon klar, wird ein entscheidendes Jahr. Denn die aktuell etwa 15 Mitarbeiter arbeiten derzeit emsig daran, die Apps aufs nächste Level zu heben. “Unsere Vision ist breiter, als einfach eine Offline-Karte anzubieten“, sagt Gründer Tymon Wiedemair im Gespräch. „Wir wollen eine App, mit der man sich zu neuen Destinationen inspirieren lassen, die Reisen planen, während der Reise zum Finden von Orten nutzen und nach der Reise die Erlebnisse mit Freunden sharen kann. Wir wollen den ganzen Reise-Cycle abbilden.” Einfach nur weiter auf die anfangs beliebte Offline-Funktion der App zu setzen, reicht nicht mehr, das könnten andere mittlerweile auch. „Da können wir nicht mit Google Maps konkurrieren.“

Die Welt erobern macht auch mal hungrig. © Jakob Steinschaden
Die Welt erobern macht auch mal hungrig. © Jakob Steinschaden

Personalisierte Empfehlungen

Das Ziel von Ulmon: Man will die heute siebenstellige Zahl regelmäßig aktiver Nutzer nicht nur die paar Mal, die sie pro Jahr auf Reisen gehen, in der App sehen, sondern regelmäßig in die Software zurückholen – indem man ihnen personalisierte Empfehlungen anbietet. “Wir wollen ein führendes Service zur Reiseinspiration werden”, sagt Wiedemair. “Viele Reise-Start-ups scheitern, weil sie keine konstante Interaktion mit dem User haben. Ein, zwei Mal pro Jahr genutzt zu werden, ist zu wenig.“ Zum unverzichtbaren konstanten Begleiter durchs ganze Jahr will man werden, eine App, die nicht nur im Ausland unterwegs spannend ist, sondern etwa auch auf der Couch zu Hause.

“Das ist derzeit die große Herausforderung, diese Empfehlungs-Engine aufzubauen”, sagt Wiedemair. Basis für diese Empfehlungen sind die Interessen des Nutzers. Diese gibt er zum einen beim ersten Einloggen an, zum anderen durch seine Aktivität in der App. Wenn er beginnt, sich Listen mit spannenden Orten in einer Stadt anzulegen, weiß man bei Ulmon, dass die nächste Reise wahrscheinlich dorthin gehen wird. Dann kann man dem Nutzer automatisiert passende Blog-Artikel in den Discover-Stream der App pushen, um ihn so mehr Informationen rund um sein Reiseziel zu bieten.

Klassiker: Wuzeln im Start-up-Office. © Jakob Steinschaden
Klassiker: Wuzeln im Start-up-Office. © Jakob Steinschaden

Affiliate-Links sollen Kassen klingeln lassen

Die Entdeckungsfunktion, mit der man gezielt Reise-Enthusiasten ansprechen will, bietet dem nach wie vor nicht profitablen Start-up die Möglichkeit zur Monetarisierung. “Im Reisebereich finden sehr viele Transaktionen statt, vom Flug über Hotel bis zu Transport vor Ort”, sagt Wiedemair. Neben Blog-Artikel könnte man dem Nutzer etwa auch Hotels, Flüge oder Ausflüge über die Entdeckungs-Funktion empfehlen. Bucht der User, würde Ulmon eine Provision bekommen. Fix ist aber noch nicht, wie man letztendlich wirklich monetariseren wird. “Affiliate und App-Verkäufe haben wohl mehr Potenzial als das reine Advertising-Modell”, so Wiedemair.

Wenn man so will, könnte sich Ulmon zum virtuellen Reisebüro entwickeln, bei dem ein Algorithmus dem Nutzer eine maßgeschneiderte Vorauswahl für seinen nächsten Trip zusammenstellt. “Das Konsumverhalten im Netz ändert sich: Man sucht sich nicht mehr nur aus einem Online-Store mit einer Milliarde Produkten etwas aus, sondern lässt sich kleine Packages kuratieren”, so Wiedemair. So wie Outfittery im Kleidungsbereich als Kurator auftritt, könnte man bei Ulmon ebenfalls Komplexitätsreduktion für die Kundschaft anbieten.

Datenanalyst beim Werken. © Jakob Steinschaden
Datenanalyst beim Werken. © Jakob Steinschaden

„Social“ als Ausbaustufe

Potenzial dürfte auch die Integration von „sozialen“ Funktionen haben. Andere Leute finden, die schon an einer Destination waren, Leute treffen, die gerade in der gleichen Stadt sind, gemeinsam Ausflüge buchen, um sie billiger zu bekommen – all das wäre über die Ulmon-App denkbar. “Das Thema Social ist etwas, wo wir viele Ideen haben, aber den grünen Zweig haben wir noch nicht gefunden“, sagt Wiedemair.

Spannend wird auch, unter welchem Branding das Start-up künftig auftreten wird. Derzeit ist man zum einen unter Ulmon (ein Kunstwort, zusammengestöpselt aus den Vornamen von Gründer Wiedmair und seiner Frau), zum anderen unter dem App-Namen CityMaps2Go bekannt – 2016 will man dem Markenauftritt mehr Schärfe verpassen. Wiedermair: “Wir sind auf einer interessanten Reise.”

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