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Ufodrive im Test: Wenn das Smartphone zum Tesla-Schlüssel wird

Der Parkplatz von Ufodrive: Links unser Model 3, rechts das Model S. © Trending Topics / Oliver Janko
Der Parkplatz von Ufodrive: Links unser Model 3, rechts das Model S. © Trending Topics / Oliver Janko

Seit Anfang 2020 kann man an drei Standorten in Wien einen Tesla mieten – wahlweise das Model S oder das Model 3. Der Clou an der Sache: Anbieter Ufodrive verspricht, dass der komplette Miet-, Abhol- und Rückgabevorgang über das Smartphone funktionieren soll. Das Unternehmen aus Luxemburg sei darum der „schnellste E-Car-Rental-Service“ und setzt außerdem ausnahmslos auf emissionsfreie Fahrzeuge. Trending Topics konnte das Angebot zweieinhalb Tage lang testen.

Tesla-Buchung über die App

„Unsere Kunden sparen sich im Schnitt 40 bis 45 Minuten bei der Abholung des Fahrzeugs. Es ist kein Anstehen, Warten oder Ausfüllen von endlosen Dokumenten nötig“, erklärte Adele Szabo, tätig im Business Development bei Ufodrive, bereits beim Marktstart im Jänner 2020 gegenüber Trending Topics. Das war nicht gelogen: Die App verlangt eine klassische Registrierung mit Mailadresse, Rechnungsadresse und Kontaktdaten. Danach müssen Pass und Führerschein eingescannt werden. Das verlangt mitunter ein wenig Geduld, funktionierte im Test dann aber doch. Die gescannten Dokumente werden verifiziert, danach ist der Account freigeschaltet. In unserem Fall dauerte das nur wenige Minuten. Als Mindestalter fordert Ufodrive 26 Jahre.

Die Bepreisung

Das Auto selbst wird direkt in der App ausgewählt, ebenso wie der gewünschte Standort. In Wien stehen die Teslas am Hauptbahnhof, in der Tiefgarage bei der Votivkirche und am Flughafen in Schwechat. Der Zeitraum wird in Stundenschritten festlegt, danach gibt es noch optionale Versicherungsoptionen auszuwählen. Die kostet für das Model S in der günstigsten Version 15 Euro am Tag, dafür ist der Selbstbehalt im Falle eines Schadens auf maximal 1.000 Euro begrenzt.

Das Auto selbst schlug in unserem Fall mit 91,67  Euro pro Tag zu Buche, die Bepreisung ist abhängig davon, wie lange vor der Miete der Wagen reserviert wird. Wer sich heute einen Tesla für das erste Märzwochenende reservieren will, zahlt 122 Euro für das Model 3 und 142 Euro pro Tag (24 Stunden) für das Model S. Zum Vergleich: Bei Greenride kostet das Model S im gleichen Zeitraum (06.03, 12:00 Uhr bis 07.03, 12:00 Uhr) 604,99 Euro, bei ecar-rent gar 703  Euro für das Model S und 520 Euro für das Model 3.

Crowdfunding soll 1,5 Mio. Euro bringen

Autos anderer Hersteller gibt es in Wien bei Ufodrive noch nicht, allerdings verkündete der E-Car-Rental-Service zuletzt eine Kooperation mit Sono Motos. „Ufodrive wird das Solarauto von Sono Motors, den Sion, in seine Flotte von Elektroautos in einem Netzwerk von erstklassigen Stadtstandorten aufnehmen“, heißt es in der Pressemeldung. Allerdings konnte noch kein genaues Datum für die Einführung genannt werden. Sono Motors sammelte erst Anfang 2020 über 50 Millionen in einer Crowdfunding-Kampagne ein. Das will auch Ufodrive: Auf Seedrs läuft derzeit eine Crowdfunding-Kampagne, das gewünschte Ziel von 1,5 Millionen Euro ist bereits erreicht. Verirklicht werden sollen mit dem Geld „Emissions- und Expansionspläne“.

Sono Motors: Die 50 Millionen Euro sind da. Doch das Startup braucht noch viel mehr Geld.

 

Wagen prüfen, Mietvertrag abschließen

Das Auto holten wir am Stichtag vom Hauptbahnhof ab – eine kurze Suche inklusive. Zwar zeigt Ufodrive mit einem kurzen Video, wo sich in der Tiefgarage die Abholstation befinden soll, zumindest beim ersten Mal wird ohne Glückstreffer ein kurzer Fußmarsch aber nur schwer ausbleiben. Das macht aber nichts, auch Tiefgaragen sind enden wollend. Die Abholstation befindet sich übrigens genau bei der Ausfahrt Gerhard-Bronner-Straße. Vor der Fahrt muss das gewählte Model auf etwaige Schäden untersucht werden, passt alles, wird der Mietvertrag virtuell unterschrieben.

Wer eine Versicherungsoption wählt, muss darauf achten, dass die Kreditkarte entsprechend gedeckt ist – Ufodrive bucht die maximal zu bezahlenden 1.000 Euro ein. Ist die Summe nicht verfügbar, bleibt nur, auf die Versicherung zu verzichten, um den Mietvertrag abschließen zu können. Passt alles, wird das Smartphone freigeschaltet und dient fortan als Schlüssel und Starttaste für das Auto.

Die Sache mit dem „Tanken“

Zum Auto selbst gibt es nicht viel zu sagen: Der Tesla fährt sich sehr angenehm, die Beschleunigung macht Spaß und dank diverser Supercharger auf dem Weg von Wien nach Oberösterreich war auch das leidige Thema „Tanken“ kein allzu großes Problem. Voraussetzung ist allerdings, dass (möglichst preiswerte) E-Tankstellen in der Nähe sind. In Oberösterreich war das durchaus herausfordernd, vor allem auch, weil einige E-Tankstellen bei Discountern schlichtweg kaputt waren.

Ufodrive inkludiert 500 Lade-Kilometer bei den Superchargern, die wachsen aber nicht unbedingt wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden. Soll heißen: Die Navi-Suche nach der nächsten Stromquelle wird schnell zum guten Freund. Ein wenig Planung ist also vonnöten, in unserem Fall in Form eines Zwischenstopps in St. Pölten bei der Rückfahrt. Das ist zwar ein wenig lästig, unterm Strich aber auch kein Beinbruch.

Beim Supercharger reicht es im Prinzip, das Kabel anzustecken, danach fließt der Strom schon. Zum Abstecken muss die Ladestation dann von Innen entriegelt werden. Während der rund 45 Minuten langen Wartezeit lässt sich die Zeit aber ganz gut mit dem On-Board-Unterhaltungsprogramm verbringen. Bei vier Teslas in St. Pölten rannte in dreien ein Spiel oder Video während des Ladens. Wer es eilig hat, wird aber wohl auch dabei nicht entspannen.

Die Rückgabe

Die Rückgabe erfordert dann zum Abschluss die selben Schritte wie die Annahme. Wer zu spät kommt, muss übrigens keine Angst haben: 19 Uhr war in unserem Fall ausgemacht, 20 Uhr wurde es – der Zeitraum lässt sich bis 23 Uhr beliebig in der App verlängern. Das kostet auch nicht extra. Zuletzt muss bestätigt werden, dass es keine neuen Schäden gibt, Spotify getrennt ist und nichts im Auto liegen bleibt. Mit der letzten Bestätigung verliert das Smartphone sämtliche Schlüssel-Funktionen. Liegt die Jacke dann noch auf dem Rücksitz, bleibt nur ein Anruf bei der Hotline.

Unser Fazit: Die Buchungsmodalitäten über die App sind schnell erledigt, technisch ist die Umsetzung einwandfrei gelungen. Der Preis ist im direkten Vergleich günstig, das Portfolio an verfügbaren Autos zwar überschaubar, aber vorerst wohl ausreichend. Wenn es also unbedingt ein Tesla als Leihwagen sein muss, ist Ufodrive sicher zu empfehlen.

Anmerkung: Die Kosten für die Leihe wurden uns von Ufodrive in Form eines Gutscheincodes retourniert.

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