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Twoday.net: Österreichs erste Blog-Plattform stellt Ende Mai ihren Betrieb ein

Twoday sah schon 2006 so aus wie heute. © Screenshot/Internet Archive
Twoday sah schon 2006 so aus wie heute. © Screenshot/Internet Archive

Am 31. Mai schließt ein Stück österreichischer Internet-Geschichte die Pforten. Mit Twoday.net geht der erste kommerzielle Blog-Host des deutschsprachigen Raumes offline. „Es war ein Liebhaberprojekt, das uns in den letzten Jahren viel Geld gekostet hat“, erklärt Twoday-Papa Dieter Rappold im Gespräch mit Trending Topics. „Es kommen keine neuen Nutzer mehr und es wäre einfach nicht wirtschaftlich, die Plattform weiterzubetreiben“.

Die EU-Datenschutzverordnung (DSGVO), die Ende Mai 2018 in Kraft tritt, habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Zuletzt waren es laut Rappold noch etwa 40.000 bis 50.000 Blogs, die sollen jetzt gelöscht werden. Die Nutzer selbst sind gefragt, ihre Beiträge in die Internet-Gegenwart zu retten.

2004 druckte man Blogbeiträge noch in Bücher

Aus der Wiege gehoben wurde Twoday.net 2003 von Rappolds Digitalagentur Knallgrau. „Ich erinnere mich gerne an die Gemeinschaft, die aus der Internet-Community entstanden ist“, sagt Rappold und meint damit auch Lesungen aus Twoday-Blogs und ein Buch, das aus diesen Inhalten entstanden ist.

2004 erschien das Buch „Readme.txt“ mit Blog-Einträgen aus dem ersten Jahr Twoday.net. Die starke Community ist es auch, die Twoday-Blogger besonders vermissen werden. Bloggerin bonanzaMargot kommentiert: „Wir werden das schon schaffen. Einfach in eine andere Dimension übersiedeln. Twoday ist nicht die einzige Welt/Klapsmühle.“

„Hatte noch eine andere Qualität als Social Media“

Rappold lobt „Aufwand, Krativität und Herzblut“, die in die Plattform geflossen sind: „Das hatte eine ganz andere Qualität als das Schnelllebige von Social Media“. Dass Bloggen mittlerweile stark kommerzialisiert ist, sieht Rappold aber nicht kritisch: „Es ist klar, dass sich die Inhalte in den letzten 15 Jahren verändert haben, und ich finde es gut, wenn Blogger eine wirtschaftliche Grundlage haben“.

Auf Twitter verabschiedet sich die österreichische Community unter einem Tweet von Kobuk-Gründer Helge Fahrnberger:

 

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