Q2 2015

Twitter: Umsatz wächst um 61 Prozent, Nutzer auf 304 Millionen – aber weiter in Verlustzone

Nicht wirklich am Drücker - Twitter. © Jakob Steinschaden
Nicht wirklich am Drücker - Twitter. © Jakob Steinschaden

Die neuen Quartalsergebnisse, die der börsennotierte Kurznachrichten-Dienst Twitter in der Nacht auf Mittwoch veröffentlicht hat, sind einigermaßen durchwachsen. Zwar konnte die Firma aus San Francisco ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um satte 61 Prozent auf 502 Millionen US-Dollar steigern, doch mit einem Verlust von 136 Mio. US-Dollar hat man es immer noch nicht in die Gewinnzone geschafft. Analysten rechneten vorab mit geringeren Umsätzen, doch der erhöhte Werbedruck auf der Plattform hat das seinige zum Ergebnis beigetragen. Ebenfalls nicht sonderlich berauschend sind die Wachstumszahlen bei den monatlich aktiven Nutzern, die bei anderen Diensten deutlich besser aussehen. Twitter berichtet zwar von nunmehr 316 Millionen monatlich aktiven Nutzern, doch effektiv sind es nur 304 Millionen (= plus 2 Millionen gegenüber Vorjahr). Der Rest sind so genannte „SMS Fast Follower“, die den Dienst (meist aus ärmeren Ländern) nur via SMS nutzen und Webseite oder App (und die dort angezeigte Werbung) gar nie zu Gesicht bekommen.

Spannend ist jedenfalls die Aufteilung des Umsatzes: Die Werbeeinnahmen mache 452 Mio. US-Dollar aus, 88 Prozent davon werden auf Mobile gemacht. Die restlichen 50 Mio. US-Dollar Umsatz stammen aus dem so genannten Bereich „data licensing“ – soll heißen: Twitter verkauft öffentliche Nutzerdaten an Firmen wie IBM, die diese zu verschiedenen Zwecken (z.B. Marktforschung) auswerten können. Ein Geschäft mit Zukunft jedenfalls, wuchs der Umsatz aus dem Datenhandel im Vergleich zum Vorjahr doch um 53 Prozent.

„Sind nicht glücklich“

Wie die Börsianer auch – die Twitter-Aktie brach im nachbörslichen Handel um mehr als elf Prozent ein – ist auch die Chefetage des Kurznachrichten-Dienstes nicht zufrieden. Interims-Chef Jack Dorsey (nebenbei auch CEO beim Payment-Dienst Square) sagte in einer Telefonkonferenz: „Menschen in aller Welt kennen Twitter, aber es ist nicht klar, warum sie Twitter nutzen sollten. Das ist inakzeptabel, und wir sind damit nicht glücklich.“

Auch Twitter-Finanzchef Anthony Noto zeigte sich vor den Analysten niedergeschlagen. Das Produkt sei immer noch zu schwer zu nutzen, und so werde man den Massenmarkt nicht erreichen. Dementsprechend bescheiden ist auch der Ausblick, den Twitter aufs dritte Quartal 2015 sowie aufs Gesamtjahr gibt – die Umsätze werden wohl nur leicht wachsen. Um die Kurve steiler nach oben zeigen zu lassen, muss man erst einen neuen Chef finden, der es vielleicht schafft, der Firma ein klareres Profil zu geben – und den Noch-Nicht-Nutzern besser zu erklären, wozu Twitter überhaupt verwendet werden kann.

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