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Corona-Pandemie trifft Werbeumsätze von Facebook, Twitter und Google

© Photo by dole777 on Unsplash
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Eigentlich müsste es für Social Media dieser Tage geschäftlich ja super laufen. Mehr als 2,6 Milliarden Menschen weltweit sind im Zuge der Corona-Krise mittlerweile von Ausgangssperren betroffen, während es nur ganz wenige Meldungen dazu gibt, dass die Netze dem Online-Ansturm nicht standhalten. Internetnutzer haben derzeit enorm viel Zeit, um Facebook und Twitter zu verwenden.

Doch auch im Silicon Valley, in den Zentralen der Social-Media-Riesen, bereitet man sich bereits auf herbe Zeiten vor. Denn mehr Traffic für die Apps und Dienste von Facebook, zu denen auch WhatsApp, Messenger und Instagram gehören, bedeutet nicht automatisch auch mehr Umsatz.

Mehr Zugriffe, weniger Umsätze

„Ein großer Teil des zunehmenden Datenverkehrs findet über unsere Messaging-Dienste statt, aber wir haben auch gesehen, dass mehr Menschen unsere Feed- und Story-Produkte nutzen, um Updates von ihrer Familie und ihren Freunden zu erhalten“, so ein Facebook-Sprecher. „Gleichzeitig wird unser Geschäft wie so viele andere auf der ganzen Welt negativ beeinflusst. Wir monetarisieren viele der Dienste, bei denen wir ein verstärktes Engagement feststellen, nicht, und wir haben eine Abschwächung unseres Anzeigengeschäfts in Ländern erlebt, die aggressive Maßnahmen zur Verringerung der Verbreitung von COVID-19 ergreifen.“

Ein ähnliches Stimmungsbild auch bei Twitter. Auch dort verzeichnet man wegen des stark erhöhten Informations- und Kommunikationsbedarfs nach vielen Quartalen der Stagnation einen Anstieg bei der Anzahl der monetarisierbaren täglich aktiven Nutzer (mDAU) auf 163 Millionen (plus 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal). Doch mehr Nutzung bedeutet auch bei Twitter nicht automatisch mehr Werbeumsatz.

Auch Twitter und Google betroffen

„Die Auswirkungen von Covid-19 haben in Asien begonnen, und als es sich zu einer globalen Pandemie entwickelte, hat es Twitters Werbeeinnahmen weltweit in den letzten Wochen immer stärker beeinflusst“, so Twitter-CFO Ned Segal. Eine Umsatzprognose für das aktuelle Geschäftsquartal, das noch mit einem Umsatz von 800 bis 850 Millionen Euro rechnete, wurde bereits zurück gezogen.

Sogar Google ist von der Entwicklung betroffen. Den Analysten von Loop Capital Markets zufolge wird der Suchriese alleine im Anzeigenbereich für Reisen einen Rückgang von 15 bis 20 Prozent hinnehmen müssen. Grund dafür ist natürlich, dass derzeit kaum jemand einen Flug oder ein Hotel bucht.

Warum sinken nun die Werbeumsätze, wenn doch die Nutzung so stark steigt? Dieser Umstand ist relativ einfach erklärt. Viele Unternehmen auf der ganzen Welt stehen derzeit still – vom kleinen Lokal am Straßeneck bis hin zum großen Autobauer. Dementsprechend weniger Nachfrage nach Werbung gibt es, um Produkte an den Konsumenten zu bringen.

Effekte auf die Print-Branche

Dieser Effekt trifft nicht nur werbefinanzierte Online-Dienste. In Österreich rechnet der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) mit einem Schaden von 40 Millionen Euro für die gesamte Printbranche – alleine im März. Denn quer durch die Branche stornieren zahlreiche Werbekunden ihre Werbekampagnen und Anzeigenschaltungen. In den USA, wo die Corona-Krise derzeit gerade so richtig ankommt, ist bereits von einem „Media Extinction Event“ die Rede – also ein Aussterben vieler Medien.

„Praktisch die gesamte Unterhaltungswerbung ist weg, die Restaurants sind weg. Nun beginnt es sich auch auf die Autowerbung auszuwirken“, so etwa Alan Fisco, Finanzchef der Seattle Times. Der Rückgang bei Print-Anzeigen in den USA ist bereits dramatischer als während der Finanzkrise 2008 und 2009, analysiert Ken Doctor von Newsonomics. Ist Erholung nach der Krise möglich? Fisco ist pessimistisch. „Wenn Sie zu Ereignissen in der Vergangenheit zurückgehen, bei denen man große Auswirkungen auf die Werbeausgaben gesehen hat, kam dann alles wieder zurück? Das war nicht der Fall.“

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