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Forum Alpbach

Treichl: Klimaschutz „wird eine massive Industrie und wir sind erst am Anfang“

Andreas Treichl © EFA / Iryna Yeroshko
Andreas Treichl © EFA / Iryna Yeroshko

Spätestens seit dem Mauerfall herrschen in Europa Demokratie und Kapitalismus. Kapitalismus, das geht aber auch ohne Demokratie, wie China zeigt. Beides hat eine sehr beunruhigende Seite, findet Andreas Treichl, Vorstandschef der Erste Group, der gemeinsam mit dem Philosophen Richard David Precht im Rahmen des Forum Alpbach zu einer philosophischen Diskussion geladen war: „Kapitalismus und Demokratie – ein Machtkampf“.

Precht schaffte es nicht rechtzeitig. Er blieb am Flughafen hängen, entschuldigt die Moderatorin. „Hätte er den Zug genommen, wäre er jetzt auch schon da“, sagt Treichl. Applaus. „Flugscham“ ist als Thema in Alpbach angekommen und natürlich ist der Klimawandel auch in einer philosophischen Diskussion über Demokratie und Kapitalismus Thema.

Green-Tech als Chance für Europa

„Dass wir in Europa Unternehmen in den Bereichen Social Media oder AI Unternehmen schaffen können, die mit den USA oder China mithalten, halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagte Treichl in Hinblick auf den Vorsprung der beiden Länder. Im Klimaschutz sieht der bekannte Bankmanager hingegen eine große Chance: „Das wird eine massive Industrie und wir sind erst am Anfang. Im Klimaschutz kann Europa noch die Führerschaft übernehmen“. Bei Fintech und Biotech sei der Zug abgefahren, „aber vielleicht kann Green-Tech noch etwas für uns werden“.

Verbot von Private Jets

Um den Klimawandel zu bremsen brauche es ein starkes politisches Commitment, die Politik habe aber Angst vor unpopulären Maßnahmen. „Klimaschutz trifft beispielsweise die Mobilität ärmerer Menschen, auf die sie vielleicht angewiesen sind“. Eine der ersten Maßnahmen, die Treichl selbst setzen würde, wäre ein Verbot von Private Jets. Flugzeuge sollen erst ab 60 Passagieren abheben dürfen. Allerdings: „Das kostet Millionen Arbeitsplätze auf der ganzen Welt“.

„Superreiche“ als Retter der Welt

Treichl glaubt auch, dass sich ohne politischen Druck ein „Syndikat der Superreichen“ formieren könnte, das „hunderte Milliarden Euro“ aufbringen könnte, „um sich der Erderwärmung einmal wirklich anzunehmen“. Dass diese Annahme nicht von der Hand zu weisen ist, zeigt eine Initiative von Bill Gates. Der „Breakthrough Energy Coalition“ haben sich mehr als 20 Milliardäre angeschlossen, die gemeinsam in Forschung und Entwicklung von Innovationen im Energiesektor investieren, um den Klimawandel zu bremsen.

+++ Bill Gates will gemeinsam mit der EU 100 Mio. Euro in Startups aus Europa investieren  +++

Freiwillige „Obergrenze für Vermögen“

Von einer Vermögenssteuer hält Treichl wenig, eine „Obergrenze für Vermögen“ aber durchaus sinnvoll. „Das würde ich aber nicht in die Hand der Politik legen, sondern ihnen selbst überlassen“. Der Banker macht sich natürlich auch Gedanken über den Vermögensaufbau junger Menschen. „Junge Menschen müssen sich am Erfolg von Unternehmen beteiligen können. Das ist die einzige Chance, wie sie Vermögen aufbauen können“.

Die nächste Generation soll investieren und gründen. „Bei Kapitalbildung, Unternehmertum und Innovationskraft sind wir weit hinter anderen Kontinenten zurückgefallen“, mahnt Treichl. Vergleichsweise wenige junge Menschen in Europa wollen seiner Ansicht nach ein eigenes Unternehmen gründen.

Furchterregende Firmen und (Nicht-)Demokratien

Die Machtkonzentration in wenigen Großunternehmen sieht der Banker kritisch. „Das ist auch für mich furchterregend, dass es in den USA eine Firma gibt, die mehr Wert ist als der gesamte deutsche Aktienmarkt“. Die größten Firmen kommen aus den USA und China und Treichl ist sich nicht sicher, was ihm mehr Sorgen bereitet: „Eine Trump’sche Demokratie oder eine Nicht-Demokratie wie in China“. Chinas Kapitalismus fördere zwar die Entstehung großer Unternehmen, dann aber nutze der Staat diese Unternehmen, um Bürger zu kontrollieren. „Eine Vermögens- und Machtkonzentration kann die Demokratie gefährden“, meint Treichl. „Firmen, die über der Politik stehen, finde ich furchterregend“.

Wie man das verhindern könne? „Würde Apple 500 Millionen Menschen gehören, die auch einen Shareholder-Einfluss nehmen können, würden wir uns vielleicht wohler fühlen“.

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