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Tractive: Der tierische GPS-Tracker im Outdoor-Test

Mira in den Bergen mit Tractive. © Trending Topics
Mira in den Bergen mit Tractive. © Trending Topics

Mira ist einer dieser Hunde, der seine zwei Seiten hat. Zu Hause ist sie kaum von der Couch runter zu kriegen und würde am liebsten 24/7 am Bauch gekrault werden. Aber wenn es raus in die Natur geht, dann gibt es kein Halten mehr. Hunderudel, Gatschlacken, Büsche, Seen, Gruben, Schneeberge – Mira ist fix immer mitten drin statt nur dabei.

Beste Gelegenheit also, eines der erfolgreichsten Gadgets aus dem österreichischen Startup-Sektor mit Mira zu testen: Tractive. Der GPS-Tracker für Hunde und Katzen ist ab heute sogar Teil einer neuen Streaming-Show von Amazon, die auf den Titel „The Pack“ hört und bei der 12 Hunde und ihre Besitzer im sportlichen Wettstreit um 500.000 Dollar wetteifern – weltweit vor einem Millionenpublikum.

Und so werden auch in den USA, wo Tractive mit Hilfe der Amazon-Serie seinen Marktstart macht, viele Hunde- und Katzenbesitzer auf die Idee kommen, sich eines der Geräte (50 Euro plus monatliche Abogebühren von mind. 3,75 Euro) zu bestellen. Und sich fragen, wie sinnvoll die Geräte sind und ob sich ein Kauf lohnt.

Der Tracker am Halsband

Zur Installation des Geräts: Das funktioniert ziemlich einfach. Der Tracker ist schnell aktiviert und mit der App am Smartphone verbunden und fängt dann, Mobilfunkverbindung vorausgesetzt, auch zum Senden an. Die Standortdaten kommen über eine im GPS-Tracker integrierte SIM-Karte aufs Handy – deswegen bezahlt man schließlich auch die zusätzlichen monatlichen Gebühren.

Dann muss man Tractive eigentlich nur mehr am Halsband des Tiers befestigen. Das klappt auch sehr einfach, und das Gerät sitzt bombenfest. Wie erwähnt ist Mira ein Hund der aktiven Sorte und hat das Gerät auf keinen Fall geschont. Wasser, Schlamm, Steine, Büsche – Tractive ist nicht abgefallen und sendet immer noch brav seinen Standort.

Ein Hingucker

Tractive ist ein wenig wie eine Smartwatch für Hunde – allerdings nicht in Sachen Funktionsweise, sondern eigentlich in Sachen Style. Denn auf der Straße oder beim Wandern gibt es überraschend viele Menschen, die den Halsband-Anhänger entweder gleich als Tractive erkennen oder zumindest als GPS-Tracker. Es sind natürlich meistens jene Menschen, die selbst Hunde und deswegen ein Auge dafür haben. Jedenfalls: Das Gespräch mit ihnen fällt nicht selten auf das GPS-Gerät und auf dessen Vor- und Nachteile.

Die Hardware ist also in keinerlei Hinsicht störend, wirkt für manch einen sogar als modern. Nun die erste, etwas mühsame Sache. Als Tech-verliebter Besitzer, der schon Smartphone, Notebook, Tablet, Smartwatch und kabellose Kopfhörer ständig an den Strom bringt, kommt mit Tractive jetzt ein weiteres Gerät dazu, dass regelmäßig an die Steckdose will. Der integrierte Akku hält je nach Einsatz zwischen zwei und fünf Tagen. Der Akkustatus ist in der App abrufbar.

Nur Live ist live

Generell sollte man wissen: Die GPS-Daten werden nicht ständig live an das Smartphone geschickt – das würde den Akku zu stark beanspruchen. Deswegen gibt es eine eigene „Live“-Funktion, die man eigenhändig bei Bedarf aktivieren muss – erst dann sieht man in Echtzeit, wie sich das Positionssignal auf der Karte bewegt. Im Normalbetrieb werden die GPS-Daten in regelmäßigen Abständen ans Smartphone gesendet.

Tractive verwendet eine SIM-Karte, die in allen österreichischen Mobilfunknetzen und auch im Ausland kommunizieren kann. Wenn ein bestimmter Netzanbieter keine Netzabdeckung in einem bestimmten Bereich hat, wechselt Tractive automatisch zum bestmöglichen, verfügbaren Netz. Sollte sich der Hund mal in einem Bereich ohne Netzabdeckung aufhalten (z.B. beim Wandern), werden die GPS-Daten aufgezeichnet und später an den Nutzer übertragen. Das bedeutet auch: In diesem Fall kann das Tier nicht live geortet werden.

Die etwas verschachtelte Software

Nun zur Software ergo App, mit der man am meisten zu tun hat. Die ist prinzipiell schön designt und lässt ein niedliches Profil des Hundes samt Foto anlegen – dann bekommt der Positionszeiger auf der Karte auch ein Bild des Tieres, was ganz nett aussieht, wenn es sich über die Landkarte bewegt.

Aber: Die Software kann und wird auch überarbeitet werden. Denn derzeit lässt sich eine der offensichtlichsten Funktionen („Zeig‘ mir die Route, die mein Hund heute zurück gelegt hat, auf der Karte an“) nur nach längerem Stöbern in der App finden. Dann sieht man übrigens ziemlich genau, wo der Hund und sein Gefährte (dazu unten mehr) unterwegs war. Von seiten Tractive heißt es gegenüber Trending Topics, dass die App derzeit überarbeitet wird und Anfang 2021 in einer neuen Version kommen wird.

Wenn man andere Menschen trackt

Und nun zur eigentlich heikelsten Frage rund um Tractive: Wer wird eigentlich getrackt? Auf den ersten Blick erscheint der Tracker praktisch, weil man nachschauen kann, wo der Hund ist, wenn er mal davonläuft oder wenn er sich selbstständig frei bewegt. Doch jeder Hundebesitzer weiß: Das sind wirkliche Ausnahmesituationen. Ob in der Stadt, am Land oder gar im Wald: Es gibt eigentlich nur sehr wenige Bereiche, in denen sich ein Hund außer Sichtweite frei bewegt. Und selbst da: Ein Hund, der einigermaßen folgt (Voraussetzung dafür, dass er von der Leine darf), kommt beim Wandern permanent zum Besitzer zurück, wartet auf ihn und lässt ihn meistens gar nicht außer Sicht (außer es muss schnell mal ein Hase verfolgt werden). Ein Hund, der sofort weglaufen würde, sollte sowieso keinesfalls von der Leine gelassen werden.

Umgekehrt war es während meiner Testphase mehrmals so, dass andere Menschen, die mit Mira z.B. Gassi gingen oder auf sie aufpassten, sich getrackt fühlten. Denn dabei ist es ihre Aufgabe, den Hund bei sich zu haben – und da der Tracker mit meinem Smartphone verbunden ist, konnte ich theoretisch jederzeit nachsehen, wo diese Menschen sind. In einigen Fällen führte das dazu, dass verlangt wurde, den Tracker vor der Hundeübergabe abzunehmen.

Fazit

Insgesamt kann man festhalten: Tractive funktioniert prinzipiell sehr gut und hält seine Versprechen. Längere Akkulaufzeit und eine bessere App kann man sich sicher wünschen, aber bei welchen Hardware-Gadgets ist das eigentlich nicht der Fall? Grundsätzlich muss man sich eher die Frage stellen, ob man für das Gerät, das ja auch ein Abonnement auslöst, auch das Geld bezahlen will. In die Situation, seinen Hund per GPS und Smartphone suchen zu müssen, kommt man hoffentlich niemals – und dann ist das Gerät hoffentlich am Halsband befestigt und gut aufgeladen. Auch der Problematik, dass man theoretisch andere Menschen, die mit dem Hund unterwegs sind, tracken könnte, sollte man sich bewusst sein.

Insgesamt ist Tractive also ein ziemlich interessantes Gerät. Spannend wird seine Zukunft. Wie berichtet entwickelt das oberösterreichische Startup es in Richtung Fitness-Tracker. Da geht es dann nicht mehr nur um die GPS-Position des Hundes, sondern um Gesundheit und Ernährung des Tiers. Wenn das gelingt, dann wird Tractive wirklich im Alltag nützlich – und nicht nur dann, wenn der Hund davongelaufen ist.

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