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Porträt

tofmotion: Wiener Startup lässt Roboter mit blitzschnellen 3D-Kameras sehen

© tofmotion
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Wenn Maschinen mit Menschen zusammenarbeiten oder komplett selbstständig Arbeiten verrichten, müssen sie nicht nur heben, schieben oder schrauben können, sondern auch sehen. Das Wiener Startup tofmotion widmet sich seit 2017 genau dieser Aufgabe und hat mit so genannten Time-of-Flight-Kameras (ToF) Systeme entwickelt, die Robotern und Anlagen die wichtige Fähigkeit geben, und zwar im dreidimensionalen Raum Die Firma, die von Robert Hranitzky, Franz Duregger und Christian Neufeld gegründet wurde, ist jetzt für ihre Arbeit für den Phönix Gründerpreis nominiert worden (Trending Topics berichtete).

Diese Woche hat tofmotion zudem auf der großen Automesse IAA 2019 die weltweit erste sicherheitszertifizierte 3D-Kamera vorgestellt.

„Zu unseren Kunden sagen wir oft: Wir geben Maschinen Augen“, sagt Tia Maria Troch, die bei tofmotion für Strategie und Unternehmensentwicklung zuständig ist. „Das ermöglicht vielfältige Anwendungsgebiete. Wir fokussieren uns im ersten Schritt auf Robotik, wo eine echte Mensch-Roboter-Kollaboration das Ziel ist, auf Logistik, auf Automotive im Sinne von autonomen Transportfahrzeugen, Produktion und Automatisierung.“ Produktionsroboter, die mit den blitzschnellen 3D-Cams ausgestattet sind, können etwa menschliche Gesten erkennen oder Objekte vermessen, um beim Beladen punktgenau arbeiten zu können.

Im Dunkeln und im Nebel sehen

Zwei Produktlinien hat tofmotion bereits auf den Markt gebracht: Mit „spotguard“ wird der Bewegungsradius von Robotern überwacht und Alarm geschlagen, sobald ein Objekt in frei definierte Sicherheitszonen eindringt. Die neueste Kamera aus der Produktlinie „tofcam“  – die TFM IC5 – ist für den Outdoor-Einsatz konzipiert. Sie erlaubt es Maschinen, bei Dunkelheit, Nebel oder Regen räumlich zu sehen.

Das erklärte Ziel des Wiener Startups: „Wir wollen Weltmarktführer werden“, sagt Troch. Während derzeit viel von der so genannten Lidar-Technologie zu hören ist, die bei selbstfahrenden Autos für die Erkennung von Objekten in der Umgebung eingesetzt wird, scheinen TOF-Kameras schon einen Schritt weiter. „ToF wird im Englischen auch Flash-Lidar genannt. Ein Lidar-Scanner tastet seine Umgebung Zeile für Zeile ab und setzt daraus ein Bild zusammen. Mit ToF werden sozusagen mehrere Blitze auf einmal ausgestrahlt, durch die Lichtlaufzeit jedes einzelnen Pixels sind wir in der Lage, dreidimensional zu sehen. Und zwar in Echtzeit, das kann nicht jeder Hersteller“, sagt Troch.

© tofmotion
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Startup statt „sichere Anstellung“

Um solche Hightech-Kameras entwickeln und weltweit mit der Konkurrenz mithalten zu können, braucht es natürlich viel Erfahrung. Robert Hranitzky beschäftigt sich seit seiner Dissertation mit ToF, wir nennen Ihnen gerne unseren Mastermind“, sagt Troch. „Die anderen beiden Gründer, Franz Duregger und Christian Neufeld, hatten beide eine sehr gute Führungsfunktion in Aussicht, haben sich jedoch gefragt, ob sie mit 50+ nicht lieber noch einen Erfolg wagen wollen, anstatt das sichere Ufer einer Anstellung anzusteuern.“ Die drei hätten zusammengefunden, und tofmotion konnte an den Start gehen.

In den zwei Jahren seit dem Start hat das Startup schon mehrere Kunden gefunden. „Ein großer Teil unserer Kunden sind OEM-Kunden, die unsere Kamera in ihre Anlage oder nächste Produktgeneration einbauen. Dabei begleiten wir unsere Kunden über den gesamten Projektlebenszyklus“, sagt Troch. Welche Kunden das sind, darf sie nicht verraten: „Geheimhaltung in der Produktentwicklung ist ein absolutes Muss zum Schutz unserer Kunden.“

Software wird in Hagenberg entwickelt

In der Zusammenarbeit mit den Kunden geht es nicht mehr nur um Kamera-Hardware, sondern auch um immer mehr um Software. „Anfangs stand natürlich die Kameraentwicklung im Vordergrund, doch unser Software-Office in Hagenberg ist laufend am Wachsen“, sagt Troch. „Wenig Kunden haben Know-how und Kapazität für die Anwendungsentwicklung, sie wünschen sich ein Plug-and-Play-Produkt.“ In Hagenberg, wo eine der besten Fachhochschulen Österreichs ist, findet tofmotion Zugang zu vielen Studenten, die in dem Bereich arbeiten wollen.
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Am internationalen Markt für ToF-Kameras gibt es natürlich einige Konkurrenz. Doch davon lässt sich das selbstbewusste Startup nicht irritieren. Der große Vorteil von tofmotion sei die Geschwindigkeit. „„Neben der weltweit einzigen  Zulassung für sicherheitskritische Anwendungen sind wir mit 100 Frames per Second die Schnellsten am Markt, „sagt Troch. „Das ist eine wesentliche Voraussetzung für Sicherheit und Mobilität bei der Maschinenautonomie. Unsere Cam ist smart, wir verarbeiten die Bilder direkt in der Kamera und benötigen daher keine extra Auswerteeinheit.“ Konkurrenztechnologien werden oft als günstiger dargestellt, weil nur der Produktpreis und nicht der Systempreis verglichen wird. „Zudem wollen wir natürlich immer mehr Intelligenz in den Cams verpacken.“

Autonome Fahrzeuge könnten Thema werden

Einen Markt, der gerade stark im Umbruch steht, geht tofmotion noch nicht aktiv an: den Automotive-Bereich. Dort gelten autonome Fahrzeuge als das nächste große Ding, das komplette Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen könnte. Eine Chance für tofmotion? Troch: „Als Startup bearbeiten wir den klassischen Automotive-Markt nicht aktiv, gleichwohl unsere Cams durch die Echtzeitfähigkeit, die Sicherheitszertifizierung und dadurch, dass sie auch auf Outdoor ausgerichtet ist, perfekt geeignet wären. Wenn sich die Gelegenheit also mal ergibt…“

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