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Tim Draper: „Die Blockchain wird schlechte Regierungen ersetzen“

Investor Tim Draper. © Sara Grasel
Investor Tim Draper. © Sara Grasel

Geht es nach der Vision von Starinvestor Tim Draper, werden Regierungen bald weniger Arbeit haben. Denn Währungssysteme und Krankenversorgung ließen sich in Zukunft dezentral über die Blockchain verwalten. Regierungen könnten sich dann voll und ganz auf Themen wie innere Sicherheit, Müllentsorgung oder Infrastruktur konzentrieren. „Regierungen üben über ihre Kontrolle der Währungsysteme eine Menge Macht über die Bürger aus“, sagte Draper im Rahmen der GovTech-Pioneers-Konferenz in Wien. Die Lösung stellt sich der Investor mit Vorliebe für Kryptowährungen so vor: „Wenn wir Bitcoin, Blockchain mit Smart Contracts und Artificial Intelligence kombinieren, könnten wir die perfekte Bürokratie schaffen“.

„Viel Geld für schlechten Service“

Konkret könnte das etwa so aussehen: Bürger speichern alle Gesundheitsdaten in der Blockchain – dazu gehören in Drapers Vision alle Bluttests, Röntgenbilder, DNA-Analysen und ander Befunde. Eine AI kümmert sich laufend um die Analyse der Daten und sendet dem Bürger Empfehlungen oder Warnungen. Über Smart Contracts könnten dann Versicherung und Versorgung abgewickelt werden.

„Versicherungen, Gesundheitssektor und Immobilienbranche bieten einen wahnsinnig schlechten Service und brauchen dafür viel Geld“, sagt Draper. Diese Dinge auf der Blockchain abzubilden könnte die ganze Welt verändern, ist er überzeugt. „Regierungen, die für den schlechtesten Service besonders viel Geld verbrennen, bekommen das zuerst zu spüren“. Sie müssten ihre Bürger dann mit guten Services im Bereich Sicherheit und Infrastruktur locken, damit sie sich nicht eine andere „Landmasse“ zum Leben aussuchen. Drapers Vision einer virtuellen Regierung über die Blockchain wäre nämlich ein grenzüberschreitendes Projekt.

Draper will Kalifornien dreiteilen

Tim Draper ist bereits in der dritten Generation Investor und engagiert sich seit Jahren auch politisch. Sein jüngstes Projekt ist eine Initiative, die den US-Bundesstaat Kalifornien dreiteilen will. Die Idee dahinter ist, das Land einfacher verwalten zu können. Als Beispiel zieht Draper gerne den Bildungssektor heran. Ein einzelnes Ministerium ist für 10.452 Schulen mit 6,2 Millionen Schülern zuständig und damit schlicht überfordert. Kalifornien sei so groß, dass die Bevölkerung in unterschiedlichen Regionen ganz andere Bedürfnisse habe und auch die ökonomischen und natürlichen Rahmenbedingungen seien sehr verschieden. Bereits 2014 probierte es Draper mit der Idee, Kalifornien in sechs Teile aufzuspalten, erreichte allerdings nicht die notwendigen 336.000 Unterschriften.

Der Starinvestor ist bekannt für seine Vorliebe für Kryptowährungen und beeinflusst mit seinen Prognosen mitunter die Währungskurse. Draper hat 2014 rund 30.000 Bitcoin in einer Auktion erstanden, die die Behörden nach einer Beschlagnahmung bei dem illegalen Handelsplatz Silk Road durchgeführt hatten. Erst im Jänner hat Draper mit seiner VC-Firma Draper Venture Network und mit FirstMark Capital, Cathay Innovation, Korelya Capital, CapHorn Invest, GDTRE und der Digital Currency Group (Betreiber von CoinDesk) 75 Millionen Dollar in die französische Firma Ledger investiert. Ledger stellt Hardware-Wallets für Kryptowährungen her. Draper ist bekannt für seinen richtigen Riecher bei Startups. Der Risikokapitalgeber investierte unter anderem in Skype, Baidu, Twitter und Tesla.

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