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Tezos: Die Blockchain der Baker boomt wie nie zuvor

© Tezos, Montage Trending Topics
© Tezos, Montage Trending Topics

Das bisherige Jahr 2020 hat in der Welt der Kryptowährungen für viel Bewegung gesorgt – und eine Reihe von relativ neuen Aufsteigern gesehen, die es in die Top 10 der größten Crypto-Assets nach Marktkapitalisierung geschafft haben. Die Shooting-Stars sind Chainlink, Crypto.com, Tether – und auch das Blockchain-Projekt Tezos mit seinen XTZ-Token.

Wie auch Ethereum verspricht Tezos eine Plattform, auf der Smart Contracts, STOs und dezentrale Applikationen laufen können. Etwas im Schatten anderer und nach einigen Streitereien rund um die Tezos Foundation in der Schweiz und das Geld aus dem ICO 2017 im damaligen Wert von 232 Mio. Dollar ist die Marktkapitalisierung nun auf ein Allzeithoch geklettert.

Mit einem Preis von mehr als 4 Dollar sind die Tezzies, wie die XTZ-Token gerne genannt werden, so hoch gehandelt wie noch nie zuvor, und Tezos hat in der allseits bekannten Hitparade von CoinMarketCap mittlerweile den zehnten Platz erobert – noch vor anderen bekannten Namen wie EOS, Stellar oder TRON.

Wer steckt hinter Tezos?

Zuerst einmal das Ehepaar Arthur und Kathleen Breitman. Die beiden arbeiten seit 2014 an dem Projekt, als Arthur Breitman das Whitepaper zu Tezos unter dem Pseudonym L.M Goodman veröffentlichte. 2015 wurde die Firma Dynamic Ledger Solutions mit Sitz im US-Bundesstaat Delaware vom Ehepaar Breitman gegründet, 2017 wurde dann die Tezos Foundation (also eine Stiftung) in Zug in der Schweiz errichtet. Neben diesen Einrichtungen gibt es einige weitere Unternehmen und Organisationen, die an Tezos arbeiten.

Zentral ist dabei Nomadic Labs aus Paris, die Hauptentwickler des Tezos-Protokol und der meistverwendeten implementation der Tezos-Nodes, oder TQ Tezos aus New York. Außerdem gibt es Stiftungen und Verbände in China, Indien, Japan oder Südkorea. Damit ist Tezos also sowohl in Europa, den USA als auch in Asien verwurzelt.

Was tut man mit XTZ?

Die Tezzies, wie die Tezos-Token mit dem Kürzel gerne genannt werden, sind dafür gedacht, Interaktionen mit der Tezos-Blockchain zu bezahlen – also etwa immer dann, wenn ein Smart Contract ausgeführt wird. Ein Smart Contract kann etwa im Rahmen eines Security Token Offering (STO) regeln, wer wie viele Anteile an einem Unternehmen oder einer Immobilie hält. Über die Tezos-Blockchain kann man also Werte mit Hilfe von XTZ transferieren.

XTZ ist dabei kein Stablecoin, sondern unterliegt einer Preisbildung am Markt durch Angebot und Nachfrage. Derzeit werden Tezzies aber häufig an Exchanges gehandelt. Die Token – es gibt derzeit etwa 694 Millionen Stück davon – werden an allen großen Krypto-Börsen wie Binance, Coinbase Pro, OKEx oder Kraken gehandelt.

Wie entstehen die “Tezzies”? Was ist Baking?

Die Blockchain von Tezos beruht nicht wie Bitcoin oder (noch) Ethereum auf Proof of Work, wo Miner für die Bereitstellung von Rechen-Power mit neuen BTC oder ETH belohnt werden, sondern auf Proof of Stake (PoS, siehe unten). Das bedeutet, dass XTZ nicht durch Mining entstehen, sondern dass man durch das Staken (Halten) von XTZ am Netzwerk teilnimmt und dafür mit neuen Tezzies belohnt wird.

Bei Tezos wird das Staken der Einfachheit und dem Spaß halber „Baken“, also Backen, genannt. Man braucht derzeit mindestens 8.000 XTZ (das wären also Token im Wert von umgerechnet mehr als 28.000 Euro), um am Baking teilnehmen zu können. Außerdem wird etwas Rechenpower benötigt, und natürlich eine stabile Internetverbindung. Im Unterschied zu Proof of Work/Mining soll der Energiebedarf von PoS-Blockchains viel geringer sein.

Tezzies entstehen also nicht durch Mining, sondern wurden ganz zu Anfang im ersten Block („Genesis“) geschaffen und dann zu einem großen Teil an die Token-Käufer des ICO 2017 ausgegeben. Wenn ein Baker einen Block schreibt, dann bekommt er als Belohnung neue XTZ. Auch für die Entwickler, die an Tezos arbeiten, gibt es diese Art von Belohnung. Wenn jemand ein neues Protokoll für die Chain vorschlägt und es von allen Bakern akzeptiert wird, bekommt der Autor dafür überlicherweise auch XTZ. Bei Tezos wird das „Inflation Funding“ genannt.

Genaue Details, wie Tezzies verteilt sind, gibt es unter https://tezos.foundation/fundraiser-statistics/.

Was ist Liquid Proof of Stake?

Wie erwähnt braucht ein Teilnehmer an der Tezos-Blockchain mindestens 8.000 XTZ, die man dauerhaft in einer Wallet hält, um Baking machen zu können. Andere Blockchains wie jene von EOS, TRON oder Lisk setzen auf „Delegated Proof of Stake“: Dabei kann nicht jeder mit Token, die ja gleichzeitig auch Stimmrechte sind, Voten, sondern teilt seine Token einem Validator zu, der dann das Staking für sie macht und etwaige neue Token ausschüttet. Das könnte man etwa mit dem Prinzip der Wahlmänner in den USA vergleichen, wo die Wahlberechtigten in ihrem Wahlbezirk einen oder mehrere Wahlmänner bestimmen, und diese wählen ihrerseits die eigentlich zu Wählenden.

Bei Tezos gibt es eine Mischform zwischen Proof of Stake und Delegated Proof of Stake, die Liquid Proof of Stake genannt wird. Dabei kann man entweder direkt wählen, oder man übergibt seine Stimmrechte an einen anderen Baker – je nachdem, wie man Zeit und Lust hat. Man kann jederzeit wechseln und muss seine XTZ nicht auf bestimmte Zeit an einen anderen Baker binden.

Wer verwendet Tezos bereits?

Essenziell für den langfristigen Erfolg des Tezos-Projekts ist es, dass Unternehmen und Organisationen die Blockchain auch verwenden und nicht bloß mit XTZ gehandelt wird. Einige Beispiele finden sich bereits. Die südamerikanische Investmentbank BTG Pactual und Dalma Capital haben Mitte 2019 verkündet, dass sie Tezos künftig für STOs einsetzen wollen. Die Abteilung für Cyberkriminalität (C3N) der französischen Gendarmerie erfasst mittels Tezos-Blockchain die bei Ermittlungen anfallenden Gerichtskosten. Elevated Returns will Immobilien für qualifizierte Investoren mit Hilfe von Tezos tokenisieren.

Weitere Bereiche, in denen Tezos eingesetzt werden soll, sind staatliche Kryptowährungen (so genannte Central Bank Digital Currencies, kurz CBDC) oder bei Decentralised Finance (DeFi).

Mit welchen anderen Blockchains konkurriert Tezos?

In erster Linie mit allen Blockchain-Plattformen, die ebenfalls für Smart Contracts, dApps und Security Token Offerings ausgelegt sind – also Ethereum, EOS, NEO, Cardano oder Cosmos.

Wie wird die Adaption der Tezos-Blockchain vorangetrieben?

Die Tezos Foundation vergibt regelmäßig Stipendien für Projekte, die mit Tezos arbeiten. Projekte werden mit bis zu 100.000 Dollar gefördert. In der letzten Runde wurden 21 Projekte auf diese Weise unterstützt. Auch 2020 werden wieder Grants vergeben.

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