Aufgedeckt

Terror in Paris: Wie sich auf Facebook und Twitter sofort Falschmeldungen und Fakes verbreiteten

Peace for Paris. © Jean Jullien
Peace for Paris. © Jean Jullien

Es hat nicht lange gedauert, bis nach den schrecklichen Attentaten in Paris die ersten Falschmeldungen in Social Networks verbreitet wurden. Facebook und Twitter sind für viele Millionen Menschen weltweit der wichtigste, schnellste und erste Zugangspunkt zu Nachrichten, und sie alle liefen Gefahr, dort absichtlich oder unabsichtlich verbreitete Falschmeldungen und Fakes zu sehen zu bekommen. Unter anderem wurde versucht, vor allem mit alten und verfälschten Bildern, Screenshots und Videos falsche Tatsachen in Umlauf zu bringen – einige mit dem Ziel, gegen Flüchtlinge zu hetzen. Hier gibt es einige der Falschmeldungen:

Bild zeigt nicht das Konzert im Bataclan

Auf Facebook hat ein Bild die Runde gemacht, von dem behauptet wurde, kurz vor dem Eindringen der Attentäter die Pariser Konzerthalle Bataclan zu zeigen – eine Falschmeldung. Das Foto wurde einfach von der Facebook-Seite der Band Eagles Of Death Metal genommen, das diese am vergangenen Montag in Dublin aufgenommen hatte, aber erst am Freitag auf Facebook veröffentlichten.

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Jean Jullien ist der echte Künstler des #PeaceForParis-Bildes

Das Bild, das das Peace-Zeichen mit dem Eiffelturm verbindet und von unzähligen Social-Media-Nutzern verbreitet wurde, stammt von dem Pariser Künstler Jean Jullien und nicht vom britischen Künstler Banksy, wie viele behaupteten. Wired hat mit Jullien ein spannendes Interview zur Entstehung des Bildes geführt.

Peace for Paris

Ein von @jean_jullien gepostetes Foto am

Falsche Fotos von Attentätern wurden verbreitet

Wie mimikama.at aufgezeigt hat, wurden auf Facebook bereits angebliche Fotos von den mutmaßlichen Attentätern verbreitet – zu einem Zeitpunkt, an dem die Polizei noch keine Details zu den Terroristen bekannt gegeben hat. Die Macher der Fake-Meldung, die mit dem Begleittext „Hier habt ihr ein paar junge Burschen, die ihr noch vor kurzem als arme Refugees beklatscht habt“ versuchten, Stimmung gegen Flüchtlinge und falsche Anschuldigungen zu verbreiten, hatten einfach auf Bilder von Männern, die 2012 wegen Gründung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung von einem Gericht in Birmingham schuldig gesprochen worden waren, zurückgegriffen. Per „Reverse Image“-Suche auf Google kann man solchen Fakes übrigens einfach auf die Spur kommen.

Erfundenes Merkel-Zitat

Ebenfalls von mimikama.at aufgedeckt, wurde auf Facebook ein gefälschtes Zitat in Umlauf gebracht, das der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Mund gelegt wurde. Sie soll gesagt haben, dass man künftig solche Attentate als Teil des Lebens akzeptieren müsse, um die Integration von muslimischen Mitbürgern nicht zu gefährden. Das hat Merkel natürlich nie gesagt. Der Übeltäter hatte sich einfach bei einem Zitatebild aus dem Netz bedient, den Hinweis, dass es sich dabei um Satire handelt, weggeschnitten und das Bild mit dem falschen Zitat dann gepostet.

Altes Bild von leeren Straßen

Fast 9000 Retweets und damit große Reichweite hat ein Tweet bekommen, der an angebliches Foto von den leeren Straßen in Paris am Morgen nach den Attentaten verbreiten wollte. Nur: Das Bild wurde bereits 2012 für das Kunstprojekt „Silent World“ aufgenommen.

Attentat wurde nicht im Netz angekündigt

Ein Screenshot von Videoseite jeuxvideo.com ist durchs Netz gegangen, der eine Ankündigung der Attentate in französischer Sprache zeigen soll. Buzzfeed France allerdings hat herausgefunden, dass der Screenshot manipuliert wurde, der Originaleintrag hat einen komplett anderen Text wie der Screenshot (siehe unten), der auf Twitter tausendfach weiterverbreitet wurde.

Altes Vine-Video vom Eiffelturm

Ein Video, das zeigen soll, wie die Lichter der Pariser Sehenswürdigkeit in Gedenken an die Opfer der Attentate ausgehen, wurde am Wochenende vielfach in Social Media geteilt. Nur: Es stammt aus dem Jänner 2015, als die Beleuchtung des Eiffelturms in Gedenken an die Opfer des Charlie-Hebdo-Attentats abgedreht wurde.

Altes Bild von Demonstration

Ebenfalls auf Twitter kursierte ein Bild, dass eine Menschenmenge zeigen soll, die gegen den Terror protestiert. Das Bild stammt allerdings wieder von den Demonstrationen nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag Anfang des Jahres. Vielmehr gilt in Paris derzeit, nachdem der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, ein Versammlungsverbot, die Polizei rät davon ab, sich in großen Gruppen zu versammeln.

Uber hat Preise in der Schreckensnacht nicht erhöht

Die Vorwürfe gegen den Fahrtvermittlungs-Dienst Uber, dieser hätte aufgrund der plötzlich großen Nachfrage nach Taxis die Preise erhöht bzw. die App abgedreht, haben die Betreiber dementiert.

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