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Bloggerin Teresa Hammerl: „Es wichtig ist, das Bildungssystem im Gesamten zu überarbeiten“

Teresa Hammerl mit Arbeitsgerät. © T. Hammerl
Teresa Hammerl mit Arbeitsgerät. © T. Hammerl

Teresa Hammerl arbeitet als Journalistin und Silicon Valley Korrespondentin. Aufgewachsen in Wien, lebt sie derzeit in San Francisco. Besonders interessiert Teresa alles, was im Internet passiert, da vor allem Social Networks wie Facebook, Instagram oder Twitter. Teresa ist Co-Founderin von Fillmore.at, einem Online-Magazin, das sich mit Themen aus dem Silicon Valley und dem deutschsprachigen Raum beschäftigt. Außerdem ist sie für die täglichen News aus dem Silicon Valley auf t3n.de und bei unterschiedlichen Projekten auch für Social-Media-Content verantwortlich oder als Bloggerin tätig.

Teresa war auch bereits Co-Organisatorin bei unterschiedlichen Events, wie dem Startup Weekend Vienna oder dem Betapitch Vienna, ehrenamtlich ist sie in San Francisco für Projekte wie das Northern California Cherry Blossom Festival oder die Reading Partners tätig.

Welche Leidenschaft treibt dich dabei an?

Ich weiß nicht, ob man das Leidenschaft nennen kann, aber ich mag es, andere Menschen dabei zu unterstützen, neue Dinge zu lernen oder etwas besser zu verstehen. Nachrichten aufzubereiten gehört dabei für mich genauso dazu, wie jemanden dabei zu helfen, Programmieren zu lernen oder einer Volksschülerin, etwa gemeinsam mit den Reading Partners hier in San Francisco, beim Erwerben von besseren Lesefähigkeiten zu helfen.

Wann hast du die Leidenschaft für Journalismus entdeckt?

Meine Großmutter hat mir immer von ihr selbst geschriebene Geschichten vorgelesen. Das hat mich sehr früh dazu gebracht, dass ich selbst angefangen habe zu schreiben. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich mich für Reportagen interessiere und habe begonnen, selbst welche zu schreiben. Das war als Jugendliche, später habe ich Texte ins Internet gestellt.

Warum gerade dieser Beruf?

Heute finde ich den Beruf der Journalistin besonders deswegen spannend, weil man Missstände aufzeigen kann und mit etwas Glück die Möglichkeit hat, Dinge zum Besseren zu verändern. Klappt das nicht, dann hat man mit Worten die Chance auf etwas hinzuweisen. Außerdem finde ich es gerade jetzt sehr spannend, wie sich der Beruf in der Zukunft entwickeln wird. Facebook Live und Periscope, VR und 360 Grad Videos werden bald Teil des Alltags sein, wobei es interessant sein wird, wie sich all das integriert.

Was ist das Reizvolle am Medium Blog für dich?

Dass alle einen Blog anlegen können. Das klappt auch ohne Vorkenntnisse zu haben. Wenn man keine besonderen Designvorstellungen hat oder an anderen Feinheiten interessiert ist, sondern nur einen Text online stellen will, geht das sofort. Theoretisch. Praktisch gibt es da aber trotzdem viele Hindernisse, sei es gesperrte Plattformen in manchen Ländern, Hasskommentare oder individuelle Probleme, für die niemand zuständig ist. Darüber sollte man mehr sprechen.

In einem Artikel schreibst du, dass du nie zur Schule gegangen bist. Wie hat sich diese Tatsache aus deiner Sicht auf deine berufliche Laufbahn ausgewirkt?

Sehr stark. Ich habe mir immer einen nicht ganz so leichten, individuellen Weg ausgesucht, den zuvor noch nicht so viele gegangen sind. Ich lege keinen Wert auf einen klassischen Lebenslauf oder den linearen Karriereverlauf. Wichtig ist mir vielmehr, dass ich niemals aufhöre dazuzulernen und mir Wissen selbst aneigne. Mit vorgegebenen Strukturen kann ich nur schwer umgehen.

Was muss sich aus deiner Sicht am Bildungswesen ändern, um Kinder und Jugendliche besser auf Leben & Beruf vorzubereiten?

Ich glaube, dass es wichtig ist, das Bildungssystem im Gesamten zu überarbeiten, statt immer nur kleine Veränderungen vorzunehmen. Mehr Praxis ist ein ganz wichtiges Thema, bei Prüfungen habe ich oft nicht verstanden, warum ich etwas erlernen muss, das ich mir im Detail kaum merken werde, obwohl ich viel lieber andere, für mich interessante Themen vertieft hätte. Das Lernen zu lernen ist des Weiteren meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aspekte. Dazu gehört es ebenso zu wissen, wie man etwas auf seine Richtigkeit überprüft. Eine Fähigkeit, die man als Journalistin benötigt und die man schon in der Schule lernen sollte.

Bist du ein neugieriger Mensch? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Na klar! Ich glaube, das gehört zu meinem Beruf dazu. Ich glaube, ich bin besonders gut beim stillen Recherchieren, wie ich es nenne. Dazu gehört es, dass ich Google Tools (zum Beispiel die umgekehrte Bildersuche), Web Archive benutze, Informationen von öffentlichen Stellen erfrage oder einfach nur Firmendaten anschaue. Manchmal liegen Auffälligkeiten direkt vor einem, trotzdem muss man sie erst einmal erkennen.

Wer sind deine derzeitigen Energietreiber?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen, da ich im Moment etwas an Motivation verloren habe. Als freie Journalistin ist man oft in so einem Schwebezustand, in dem man sich eine Redaktion, mit der man über Ideen sprechen kann, herbei wünscht. Ich weiß aber mittlerweile, dass ich selbst meine größte Energietreiberin bin. Wenn ich nicht selbst von dem überzeugt bin, was ich gerade mache, dann weiß ich, dass es Zeit ist, sich nach einem neuen Weg umzusehen.

Du beschreibst dich immer wieder als „Internetmensch“. Ist es dein Beruf oder deine Berufung?

Ich glaube, dass es weder noch ist. Vermutlich ist es aber hilfreich, als Journalistin heute auch mit dem Internet umgehen zu können. Weil es mir auch noch großen Spaß macht und ich ständig neue spannende Aspekte entdecken kann, bezeichne ich mich gerne als Internetmensch.

Wo findest Du den Raum um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Ich arbeite stets gerne von zu Hause aus, weil ich mich da gut konzentrieren kann und nicht von meinem Umfeld abgelenkt werde. Auf der anderen Seite fehlt mir dann immer wieder Inspiration, weshalb ich auch gerne in unterschiedlichen Coworking Spaces bin. In San Francisco ist das etwa das Workshop Cafe.

Worauf verzichtest du, um deine Leidenschaft ausleben zu können?

Vielleicht auf Sicherheiten, einen geregelten Arbeitsalltag und ein fixes Einkommen. Ich habe allerdings nicht das Gefühl, dass ich wirklich auf etwas verzichten muss, für mich ist das, was ich dafür bekomme, eine Bereicherung.

Was ist das Schönste bei deiner Arbeit?

Das Wissen, dass man dank dem Internet und einem gut aufgebauten Netzwerk schnell und mit etwas Mühe eine Vielzahl an Menschen erreichen kann. Texte und Bilder zu gestalten, die etwas erreichen können, ist sicherlich einer der besten Momente in meinem Beruf. Außerdem ist es toll, viele neue interessante und kreative Menschen kennenzulernen. Mir ist es dabei besonders wichtig, vielleicht abseits von so manchem Trend, nicht stets mit den gleichen Personen oder Führungskräften zu sprechen.

Was ist das Schwierigste am Freelancertum?

Für mich war am Anfang die größte Herausforderung Kunden zu finden, mit denen man für mehr als nur einen Artikel zusammenarbeiten kann. Dieses Problem tritt auch jedes Mal wieder auf, wenn ich mich noch einmal neu orientiere. Mit der Zeit bekommt man aber mehr Erfahrung und hat sich auch mehr einen Namen in der Szene, bei mir ist das der deutschsprachige Raum, gemacht. Wichtig ist dabei, sich nicht unter seinem Wert zu verkaufen, sondern zu wissen, was man kann und das auch zu sagen. Was nicht ausgesprochen ist, kann das Gegenüber nicht wissen. Marketing für sich selbst zu machen, ist immer wieder ein nicht ganz so einfacher Punkt des Freelancerdaseins. Aber auch hier hilft das Internet sehr.

Wohin wird dich deine Reise noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Gemeinsam mit Elisabeth Oberndorfer führe ich ja unser Online Magazin Fillmore und wir nehmen uns im Moment die Zeit, um herauszufinden, wo unsere Ziele sind. Außerdem überlege ich im Moment, wie lange ich in San Francisco bleiben möchte und wie meine Zukunft hier aussehen wird. Also ja, geheime Projekte gibt es auf jeden Fall, ich muss auch selbst noch herausfinden, welche das genau sind.

Wie gelingt es dir, Menschen für deine Leidenschaft zu begeistern?

Wenn ich in der Vergangenheit dachte, dass es mir gelungen ist, dass ich jemanden zu Social Media Kommunikation gebracht habe, dann war das deshalb, weil ich persönliche Geschichten erzählt habe. Meiner Erfahrung nach funktioniert es also am besten, wenn ich positive, aber auch negative persönliche Beobachtungen teile, die etwas Abstraktes greifbarer machen. Außerdem finde ich es stets wichtig, dass das Gegenüber Fragen stellen kann und man, soweit es möglich ist, diese beantwortet. Man soll gegenseitig voneinander lernen können.

Was sagen eigentlich deine Freunde, dein Umfeld, deine Familie zu diesem Engagement?

Mein Umfeld ist immer interessiert an dem, was ich mache und findet es auch spannend, denke ich. Außerdem arbeiten viele meiner Freundinnen und Freunde in einem ähnlichen Gebiet, für die ist das, was ich mache, auch ganz normal.

Hast du für unsere LeserInnen einen Tipp?

Wer nach San Francisco kommt, sollte in den Botanischen Garten im Golden Gate Park gehen. Anschließend bietet sich ein Kaffee im Stable Cafe an.

Way to Passion“ ist ein Projekt von Reinhard Herok und Thomas Peham. Ihr Ziel ist es, mit Interviews aufzuzeigen, wie leidenschaftliche Menschen einen Beitrag für eine bessere Welt leisten können. „Way to Passion“ stellt TrendingTopics.at ausgewählte Inhalte zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung, vielen Dank dafür!

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