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Telegram sagt nach Presale mit 1,7 Milliarden Dollar geplanten Initial Coin Offering ab

Telegram-Gründer Pavel Durov. © Techcrunch/Flickr (CC BY-SA 2.0)
Telegram-Gründer Pavel Durov. © Techcrunch/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Wie das Wall Street Journal berichtet, will die Messaging-App Telegram seinen geplanten ICO (Initial Coin Offering) abblasen. Geplant war, nach einer Presale-Phase für akkreditierte Investoren die GRAM-Token auch Nutzer kaufen zu lassen. Seit Anfang des Jahres haben die beiden Köpfe hinter Telegram, das Brüderpaar Nikolai und Pawel Durov, in zwei Runden bei Investoren insgesamt 1,7 Milliarden Dollar im Zuge eines Presale eingesammelt. In der ersten Runde wurden 850 Millionen Dollar bei 81 Investoren, in der zweiten Runde weitere 850 Millionen Dollar bei weiteren 94 Investoren eingesammelt. Das geht aus Dokumenten hervor, die von der auf den britischen Virgin Islands registrierte Telegram Group Inc. bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht wurden.

Eigene Kryptowährung in Planung

Das viele Geld dürfte den Durov-Brüdern vorerst offenbar reichen, um das geplante Telegram Open Network (TON) zu bauen. Ursprünglich war Berichten zufolge geplant, rund 1,2 Milliarden Dollar aufzustellen, nun liegt man deutlich über diesem Ziel. Telegram will eine eigene Blockchain bauen, die eine Million Transaktionen pro Sekunde schaffen soll. Mit dem GRAM-Token sollen Nutzer in dem Netzwerk etwa für kostenpflichtige Dienste bezahlen können oder sich gegenseitig Geld zuschicken können. Wann diese neue Plattform starten soll, ist noch unklar.

Erschwerte Bedingungen für ICOs

In den USA haben Unternehmen, die ICOs durchführen wollen, derzeit keine leichte Zeit. Die US-Börsenaufsicht SEC hat in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Verfahren gegen Unternehmen eingeleitet, die mit Krypto-Assets arbeiten und Fundraising durch ICOs betreiben wollen. Dieses Umfeld dürfte den Telegram-Machern nun zu heikel werden.

Mittlerwiele sollen auch jene, die im Presale GRAM-Token gekauft haben, diese mit ordentlichen Profiten – Techcrunch berichtet von Preisen bis zum dreifachen des ursprünglichen Kaufpreises – weiterverkauft werden. Für Normalnutzer ist die ICO-Absage nachteilig, da man sich die Token später wohl nur auf Exchanges kaufen wird können.

In den USA gehen immer mehr Projekte dazu über, sich nur mehr Geld in geschlossenen Presales bei Investoren zu holen. Mittlerweile steht auch Ethereum im Visier der SEC. Diese will die Frage klären, ob Ether als Wertpapier einzustufen ist und der Verkauf von Token im Jahr 2014 zur Finanzierung des Ethereum-Projekts legal war oder nicht (Trending Topics berichtete).

Telegram kämpft an vielen Fronten

Die Messaging-App Telegram hat im März 2018 200 Millionen monatlich aktive Nutzer erreicht. Damit ist die Plattform deutlich kleiner als ähnliche Dienste wie WhatsApp, Messenger oder WeChat, hat aber eine große Verbreitung unter Krypto-affinen Menschen. Allerdings ist Telegram derzeit ordentlich unter Beschuss von staatlicher Seite. Sowohl Russland als auch der Iran sind gegen die App vorgegangen. In beiden Ländern nutzen viele Millionen Menschen Telegram, dessen Nachrichten verschlüsselt werden. Russland wollte sich Zugriff auf diese Daten verschaffen, was Telegram aber nicht zulassen wollte. Im Iran hieß es, dass auf Telegram zu „bewaffneten Aufständen“ aufgerufen werde.

Im Iran sind es rund 40 Millionen Nutzer, in Russland laut Durov rund 14 Millionen User. Zwar werden in diesen Ländern VPN-Dienste verwendet, um die Sperre von Telegram zu umgehen, dennoch dürften der App bald viele Millionen User wegbrechen, die nicht mehr auf den Dienst zugreifen können. In Russland gingen wegen der Sperre von Telegram mehr als 10.000 Menschen auf die Straße, um für Internet-Freiheit zu protestieren, darunter auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Als Zeichen des Protests wurden zahllose Papierflieger in die Luft geschlossen – das Symbol von Telegram.

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