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Telegram: Wie die Messaging-App zwischen die Fronten von Apple und Russland geriet

Messaging per Telegram. © Jakob Steinschaden
Messaging per Telegram. © Jakob Steinschaden

Apple auf der einen Seite, Russland auf der anderen, und mittendrin Telegram. Unter der neuen iOS-Version 11.4 funktionieren Sticker und einige andere Funktionen in der Messaging-App mit rund 200 Millionen Nutzern nicht mehr richtig – möglicherweise Anzeichen für größere Einschränkungen, die auf Nutzer zukommen werden. Denn Telegram-Mitgründer Pavel Durov lässt User aktuell wissen, dass man zwischen die Fronten der russischen Kommunikationsbehörde Roskomnadzor und dem US-Konzern Apple geraten ist.

„Privatsphäre steht nicht zum Verkauf“

Kürzlich hat die Behörde von Apple verlangt, Telegram aus dem App Store zu werfen. Zuvor hat Russland von den App-Anbietern verlangt, Behörden die Entschlüsselung der Nutzerinhalte zu ermöglichen, was Durov allerdings strikt ablehnt, weil „Privatsphäre nicht zum Verkauf“ stehe und man das versprechen an die Nutzer, ihre Daten bestmöglich zu verschlüsseln, nicht brechen wolle. Weil sich Telegram, das in Russland gegründet wurde, nicht kooperativ zeigte, versucht es der Staat auf anderem Wege. Eine Blockade von IP-Adressen ging nach hinten los, und der iPhone-Hersteller, der sich Datenschutz und Privatsphäre groß auf die Fahnen schreibt, ist der Aufforderung, Telegram aus dem App Store zu verbannen, bis dato nicht nachgekommen.

Pavel Durovs Nachricht. © Telegram
Pavel Durovs Nachricht. © Telegram

Allerdings: Telegram konnte laut Durov aufgrund der Auseinandersetzung zwischen Apple und Russland bis dato seine App seit Mitte April nicht an iOS 11.4 anpassen, und zwar nicht nur in Russland, sondern weltweit. Das hat nicht nur zur Folge, dass Sticker unter der neuesten Version des mobilen Betriebssystems nicht funktionieren, sondern auch, dass Telegram die neuen Datenschutzregeln der EU (DSGVO) nicht vollständig einhalten kann.

Der Ball liegt bei Apple

Dass russische Behörden so erpicht darauf sind, Nachrichten bei Telegram mitlesen zu können, dürfte daher rühren, dass die App bei Gegnern der Regierung beliebt ist. In dem Land gibt es rund 14 Millionen Nutzer (7 Prozent der 200 Millionen User), die den Messaging-Dienst verwenden. Nachdem Russland Telegram sperren wollte, sind tausende Menschen aus Protest auf die Straße gegangen.

Unklar ist, wie die Sache ausgeht. Möglich ist, dass Apple der Forderung der Behörde nachkommt und Telegram aus dem App Store wirft, auch wenn das viele iPhone-Nutzer verärgern würde. In China hat Apple bereits auf Verlangen der Regierung VPN-Apps aus dem App Store entfernt, mit denen verschlüsselte Kommunikation hinter der chinesischen Firewall möglich war. Die Android-App von Telegram hat derweil keine Probleme – sie wurde zuletzt am 26. Mai mit einem Update versehen. Diese Version darf in der EU nur mehr von Nutzern verwendet werden, die älter als 16 Jahre sind.

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