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Interview

tecnet: Wie Niederösterreich an der Schnittstelle zwischen Forschung und Startups investiert

Tecnet Equity Geschäftsführerin Doris Agneter ©tecnet

Doris Agneter ist eine der wichtigsten Frauen der heimischen Venture-Capital-Szene. Sie verantwortet als Managerin des niederösterreichischen Startup-Fonds tecnet equity ein Volumen von 50 Millionen Euro. 2018 hat sie sich einen renommierten Investorinnen-Award geholt (Trending Topics berichtete) und feierte einen großen Exit aus ihrem Portfolio. Der Technologieausrüster Alcatel-Lucent Enterprise hatte die Mehrheit an dem niederösterreichischen Startup Sipwise übernommen.

„Sipwise ist nach wie vor am Standort in Niederösterreich tätig und hat dort seine Aktivitäten auch ausdehnen können. Dadurch ist es aus zweierlei Hinsicht für uns ein Erfolg“, sagt Agneter im Gespräch mit Trending Topics. „Zum einen, weil wir finanziell gut verdient haben und zum anderen, weil der Standort durch ein sehr gutes Technologieunternehmen langfristig gestärkt wurde“. Im Interview spricht die erfahrene Investorin über Female Entrepreneurship, den Standort Niederösterreich und die Schwierige Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Trending Topics: tecnet setzt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Startups an. Wie bringt man Forschung in die Profitabilität?

Doris Agneter: Wir haben das research-to-value Programm, wo wir Forscherinnen und Forscher direkt an den Universitäten und Forschungseinrichtungen unterstützen, ihre Ideen in eine wirtschaftliche Umsetzung zu bringen. Da gibt es Mentoring, Coachings, Trainings, die unterschiedlichste Aspekte behandeln. Wir sehen, dass immer wieder im Vordergrund steht, wie man überhaupt mit einem Partner aus der Wirtschaft reden kann, wie man seine Erfindung oder sein Produkt entsprechend darstellt und wo man zusätzliche Anwendungsfelder findet. Es ist wichtig, Probleme zu lösen und nicht unbedingt nur die technisch ausgefeilteste Erfindung zu haben.

Wie gehen sie mit dem Thema Female Entrepreneurship um? Halten Sie Quoten für sinnvoll?

Wir haben keine Quoten und halten diese nicht für sinnvoll. Wir unterscheiden nicht in der Beurteilung, ob es männliche oder weibliche Gründer sind, sondern gehen nach der Qualifikation und dem Engagement der Gründerteams. Was wir natürlich tun, ist, dass wir schon sehr früh an den Fachhochschulen und den Universitäten mit unseren Awareness- und Unterstützungsprogrammen vertreten sind. Wir versuchen auch gemeinsam mit dem accent ganz gezielt weibliche Gründerinnen zu fördern und ihnen den Mut zu geben, in die Selbstständigkeit zu gehen.

Was muss ein Startup mitbringen, damit es für ihren Fonds interessant ist?

Zuallererst ein motiviertes und engagiertes Gründerteam. Es ist uns sehr wichtig, ein diverses Gründerteam zu haben, das unterschiedliche Bereiche abdeckt. Das Team sollte bereits eine gewisse Erfahrung im unternehmerischen Handeln mitbringen. Es muss nicht sein, dass die Gründer bereits ein Unternehmen gegründet haben, es geht um das Mindset und dass sie wirklich für die Idee und das Unternehmen brennen. Auf der anderen Seite brauchen wir auch ein Geschäftsmodell, das skalierbar ist, also international wachsen kann.

Haben Sie spezielle Branchen im Blick?

Wir sind sehr breit aufgestellt und haben auch im Team breite Erfahrungshintergründe von LifeScience bis hin zu IT und Industrie-Technologie. Wir sind da sehr offen.

In welchen Bereichen ist Niederösterreich besonders gut aufgestellt und wo gibt es vielleicht noch Nachholbedarf?

Wir brauchen uns im Vergleich zu anderen Bundesländern nicht zu verstecken. Wir haben speziell im Unterstützungs- und Förderungsbereich eine sehr durchgängige Szene. Wir fangen wirklich schon bei den Fachhochschulen und den Universitäten an, Unterstützung zu geben. Wir haben dann auch entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten mit unserem VC Fonds, wo wir schon in einer sehr frühen Phase mit dem sogenannten Business Angel Instrument einsteigen können. Das können wir auch sehr unkompliziert und rasch abwickeln. Dann können wir mit unseren Venture-Capital-Möglichkeiten ein Unternehmen bis zum internationalen Durchbruch begleiten.

Wo gibt es Nachholbedarf?

In Niederösterreich gab es traditionell keine großen Universitätsstrukturen. Dementsprechend findet man bei uns auch keine Universitätshubs wie in anderen Städten. In den letzten Jahren hat sich aber einiges getan. Wir haben in Krems, Tulln und in Wiener Neustadt Forschungsschwerpunkte, wo auch eine Sogwirkung entsteht und wo sich auch große Unternehmen ansiedeln. Auch das IST in Klosterneuburg ist ein sehr großer Anziehungspunkt. Da sehen wir einige neue und interessante Startups entstehen.

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