Was ist Techhouse?

Eveline Steinberger-Kern und Johannes M√ľller erkl√§ren im Live-Interview mit Jakob Steinschaden, wie der neue Innovations-Hub Techhouse funktionieren wird:

Gepostet von TrendingTopics.at am Montag, 17. Juni 2019
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Techhouse: „Israel ist uns in jedem Fall voraus. Da k√∂nnen wir uns einiges abschauen.“

350 multinationale Konzerne, 40 Venture-Capital-Firmen, 6,4 Milliarden investiertes VC-Geld 2018 und eine lange Liste an Milliarden-Exits an Tech-Riesen wie Intel, Google, Cisco, IBM oder HP: Das kleine Israel ist dem ebenfalls kleinen √Ėsterreich viele Jahre voraus, was Innovations-√Ėkosysteme angeht.

Mit Techhouse will die Wiener Unternehmerin Eveline-Steinberger-Kern gemeinsam mit Johannes M√ľller ein Netzwerk schaffen, dass den Entrepreneur-Spirit von Israel nach Mitteleuropa bringt. Dazu hat sich das neue Projekt aus dem Universum der Blue Minds Company im Open Innovation Center in Linz einquartiert, um von dort aus zu beginnen, die Br√ľcken zwischen der produzierenden Industrie, Startups und auch Israel zu bauen. Die N√§he zur Johannes Kepler Universit√§t Linz (JKU) ist daf√ľr entscheidend.

Spin-offs erzeugen

„Spin-offs zu erzeugen, halte ich f√ľr eine der wichtigsten Aufgaben. Deswegen sind wir sehr bewusst an den Standort der JKU gegangen“, sagt Eveline Stenberger-Kern im Interview mit Trending Topics. „Wenn wir uns mit erwachsenen √Ėkosystemen vergleichen, sind wir am unteren Ende, was wir an den √∂sterreichischen Universit√§ten an Spin-outs produzieren.“ Spin-outs – also Firmen, die auf Basis unversit√§rer Forschung und Patenten ausgegr√ľndet werden, soll Techhouse dabei helfen, Gesch√§ftsmodelle zu entwickeln und Geld aufzustellen.

„Die Johannes-Kepler-Universit√§t will mehr Spin-outs f√∂rdern. Wir wollen ihnen beim Skalieren, beim Finden von Kunden und beim Aufstellen von Geld zu helfen“, so Steinberger-Kern. Und: „Wir haben in Israel ein √Ėkosystem aufgebaut, dort in Startups investiert und eines gegr√ľndet.“ Und daf√ľr kommt das Netzwerk ins Spiel: Techhouse hat in Israel eine Kooperation mit ¬†SOSA HLS Tech aus Israel geschlossen. So kann man k√ľnftig etwa israelische Startups nach Linz holen, und umgekehrt ober√∂sterreichische Jungfirmen nach Israel bringen. „Wir wollen nicht nur √ľber Innovationen reden, sondern mitbauen“, so M√ľller, der nach seiner Zeit bei der Digital-Konferenz Darwin’s Circle zu Techhouse gekommen ist.

„Die Integrationsrolle ist nat√ľrlich nicht unentgeltlich“

Neben Universit√§ten und Startups ist es letztlich die Industrie, f√ľr die Techhouse gedacht ist. „Wir sprechen vor allem die produzierende Industrie an“, sagt Steinberger-Kern. „Wir wollen sie schneller mit relevanten Gesch√§ftsmodellen versorgen. Wir wollen bei inkrementellen Innovationen, bei Prozessinnovationen unterst√ľtzen, da reden wir noch gar nicht √ľber radikale Innovationen.“ Dabei gehe es auch darum, F√ľhrungskr√§fte und Belegschaft in Richtung Digitalisierung bringen. „Das ist ja nicht immer nur positiv besetzt.“

„Die Integrationsrolle ist nat√ľrlich nicht unentgeltlich. Wir haben einerseits Pakete, die wir der Wirtschaft und Industrie anbieten, und andererseits haben wir diverse Formate entwickelt, die wir in den Markt bringen. Dazu geh√∂rt etwa im Education-Bereich alles, was mit digitaler Fitness zu tun hat“, so Steinberger-Kern.

„Der AI-Bereich ist f√ľr den Mittelstand sehr spannend. Die brauchen harte, funktionierende L√∂sungen“, sagt M√ľller. AI k√∂nne mittelst√§ndischen Unternehmen helfen, das, was sie bereits machen, besser und effizienter zu machen. „Wir wollen die Digitalisierung in die Wertsch√∂pfungsketten der produzierenden Industrie bringen.“

„Israel ist uns in jedem Fall voraus“

Den Fokus auf ein Vertical hat sich Techhouse in Israel abgeschaut. „Dort findet ein fokussiertes Hineingehen in einen Technologie-Trend statt, etwa derzeit im Bereich Landwirtschaft und Food“, so Steinberger-Kern. Dort w√ľrden etwa Institute, Forscher, Entwickler, gro√üe Corporates in eine Region geholt, um vor Ort gezielt an einem Trend-Thema zu arbeiten. „Israel ist uns in jedem Fall voraus. Da k√∂nnen wir uns einiges abschauen. Das ist ein erwachsenes Innovationssystem.“

Den israelischen „Entrepreneur-Mindset“ nach Linz holen – dabei soll es nicht bleiben. „Ende des Jahres soll der Standort M√ľnchen dazukommen, weil wir dort ein bereits existierendes, starkes √Ėkosystem im Bereich der produzierenden Industrie vorfinden“, sagt M√ľller. Dann, 2020, will Techhouse am ZWI der Karl-Franzens-Universit√§t einen weiteren Standort er√∂ffnen. M√ľller: „Wir wollen so viele Partnerschaften wie m√∂glich im bestehenden √Ėkosystem eingehen.“

„Wir sind nicht politisch“

Die Netzwerke, die rund um Steinberger-Kern und ihre Unternehmungen entstanden sind, sind bemerkenswert.¬†Die Blue Minds Holding, bei der auch der ehemalige √∂sterreichische Bundeskanzler Christian Kern eingestiegen ist, ist √ľber die Blue Minds Solutions GmbH (eine Tochter der Holding) auch am Wiener Startup-Hub weXelerate beteiligt. Die n√§chste interessante gesch√§ftliche Verbindung: An der Blue Minds Holding ist auch die ZMH GmbH von Hans-Peter Haselsteiner beteiligt (dort ist wiederum der ehemalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer an Bord), sowie die peak pride management GmbH, an der ebenfalls Gusenbauer und Haselsteiner beteiligt sind.

Mit zwei ehemaligen SP√Ė-Bundeskanzlern und einem bekennenden NEOS-Unterst√ľtzer an Bord – wie politisch ist da eigentlich Techhouse? „Wir sind nicht politisch. Was jeder pers√∂nlich f√ľr Vorlieben hat, spielt keine Rolle“, sagt Steinberger-Kern. „Die Shareholder-Struktur ist eine sehr bunte, wenn man das von der politischen Seite her denkt, deswegen w√ľrde ich das nicht √ľberbewerten. wir sind sehr happy, dass wir diese neuen Investoren an Bord bekommen haben, die ja auch gezeigt haben, dass sie unternehmerisch sehr erfolgreich sind.“

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