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Tech-Investments in Europa: Corona-Jahr wird zum Rekordjahr

Europa, der Alte Kontinent. © Photo by Tom Grimbert on Unsplash
Europa, der Alte Kontinent. © Photo by Tom Grimbert on Unsplash

Hat die europäische Tech-Branche den Corona-Sturm überlebt? Der neue „State of European Tech„-Report, den der skandinavische VC Atomico jedes Jahr mit Partnern herausgibt, hat eine klare Antwort auf diese Frage: Ja. Und wie. War 2019 bereits ein Rekordjahr mit in Summe 38,6 Milliarden Euro (Trending Topics berichtete), die in Tech-Firmen (Startups wie Scale-ups) investiert wurden, werden es 2020 voraussichtlich 41 Milliarden Euro sein.

„In der europäischen Tech-Branche sehen wir ein stärkeres Zusammenspiel zwischen Venture Capital, Private Equity und öffentlichen Märkten. Es entstehen mehr M&A-Gelegenheiten, eine wachsende Zahl zukünftiger IPO-Kandidaten und die Branche profitiert bei Neugründungen systematisch von bereits erfahrenen Tech-Talenten. Um diesen Kreislauf weiter zu beschleunigen, muss Europa seinen Unternehmen weitere Wege zu Liquidität eröffnen. Und zwar in einer Weise, die Europas Macher und Investoren begünstigt – und gleichzeitig die Spitzen-Talente bindet“, so Tom Wehmeier, Partner bei Atomico, in einer Aussendung.

Den Trend müsse man weiter unterstützen, denn davon hänge die Wettbewerbsfähigkeit Europas ab. Klar: Als führender europäischer Risikokapitalgeber profitiert Atomico (u.a. Bitmovin, Klarna, Lilium) natürlich von einer florierenden Branche. Und auch klar ist, dass es noch viel mehr als die 41 Milliarden Euro braucht, um EU-Tech zu finanzieren. Zum Vergleich: In den USA wurden 2019 mehr als 130 Milliarden Dollar an VC-Gelder in Tech-Unternehmen investiert – also mehr als das Vierfache. Jedenfalls sind Europas Gründer ambitioniert. „Das Selbstvertrauen europäischer Gründer, Unternehmen von Weltrang zu bauen, war nie höher“, so Wehmeier.

Was sind nun die (negativen) Highlights des Reports? Hier einige Auszüge:

US-Investoren immer wichtiger

Transatlantische Investment-Aktivitäten waren 2020 stärker denn je US-Investoren waren an 19 Prozent der diesjährigen Finanzierungsrunden beteiligt (2019: 16 Prozent). Investmentgelder aus Asien machen etwa sechs Prozent aus. Generell gilt: je größer die Runden werden, desto eher kommt das Geld dafür nicht aus Europa. Die großen Runden stemmen zu einem großen Teil immer noch die VCs aus Nordamerika (in der Grafik in Orange).

Viele viele kleine Runden

In Europa gibt es mehr als 140.000 Startups, von denen mehr als 43.000 im Jahr 2020 mindestens eine Finanzierungsrunde eingeworben haben. Während es in Europa etwa 15.000 Startups gibt, die zwischen 0 und 2 Millionen Dollar Investment bekommen haben, sind es nur 74, die mehr als 250 Mio. Dollar aufgestellt haben.

Keine Spur von Brexit

Jene Analysten, die meinten, dass der Brexit Großbritannien und insbesondere London als Startup- und Tech-Hub schaden würde, sei gesagt: Das Gegenteil ist der Fall. So hat Großbritannien wieder mit Abstand das meiste VC-Geld gesehen, und London ist weiter mit einigem Abstand vor Paris, Stockholm und Berlin der Hub Nummer 1.

FinTech weiter mit den meisten VC-Geldern

Revolut, N26, Klarna, Checkout – Fintech ist in Europa jener Bereich, in den das meiste Geld fließt. Danach folgen Enterprise Software, Health, Transportation und Energie. Die größten Zuwächse im Vergleich zu 2019 gab es in den Verticals Health (COVID-19 lässt grüßen), Marketing-Software und im Telekom-Bereich.

13 neue Unicorns

Europa verfügt nun über 115 VC-finanzierte private Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar (2016: 46). Im Jahr 2020 sind 13 neue europäische Einhörner dazu gekommen. Das sind die Top 10:

  1. Klarna: 10,7 Mrd. Dollar (Schweden)
  2. UIPath: 10,2 Mrd. Dollar (Rumänien)
  3. Checkout.com: 5,5 Mrd. Dollar (UK)
  4. Revolut: 5,5 Mrd. Dollar (UK)
  5. TransferWise: 5,0 Mrd. Dollar (UK)
  6. Veeam: 5 Mrd. Dollar (Schweiz)
  7. Greensill: 3,5 Mrd. Dollar (Deutschland)
  8. N26: 3,5 Mrd. Dollar (Deutschland)
  9. Arrival: 3,4 Mrd. Dollar (UK)
  10. Auto1: 3,3 Mrd. Dollar (Deutschland)

GreenTech boomt

Investitionen in Europas Startups mit Fokus auf den Klimawandel steigen sprunghaft an. In den letzten fünf Jahren flossen über 11 Milliarden Dollar in europäische Klimaschutz-Startups (SDG Nr. 13); 9,7 Milliarden US-Dollar gingen an Unternehmen, die sich mit erschwinglicher und sauberer Energie befassen (SDG Nr. 7).

Milliarden an Hilfsgeldern

Auch ein Faktor ist staatliches Geld. Dem Report zufolge stellten europäische Regierungen im Zuge der Covid-19-Pandemie zur Unterstützung und Liquiditätssicherung etwa neun Milliarden Euro zur Verfügung

Frauen stark benachteiligt

Seit 2018 stagnieren die Fortschritte in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter: 90,8 Prozent des gesamten Kapitals ging in diesem Jahr wieder an rein-männliche Gründer-Teams (2019: 90,3 Prozent). Keine einzige Finanzierungsrunde über 50 Millionen US-Dollar wurde europaweit von rein-weiblichen Gründerteams eingesammelt. Zwischen 2016 und 2020 flossen nur drei Prozent aller Finanzierungsrunden an weibliche Gründer-Teams.

Warum gibt es immer noch so wenig Frauen in Führungspositionen, Lisa Fassl?

Weniger IPOs als 2017

In Europa wurden bis Ende Oktober 36 Börsengänge von Tech-Unternehmen verzeichnet, darunter einige große Erfolge wie The Hut Group und Allegro. Jedoch wurden nur drei dieser Börsengänge nach dem ersten Handelstag mit über einer Milliarde US-Dollar bewertet. Insgesamt lag das Jahr 2020 hinter dem Rekordjahr 2017 (50 IPOs). In der Pipeline für Börsengänge gibt es aber immerhin Kandidaten mit einem gemeinsamen Wert von 150 Milliarden Dollar.

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