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Tech-Aktien: Wie ein japanischer Whale die Kurs-Rallye befeuerte

Die New York Stock Exchange an der Wall Street. © Aditya Vyas on Unsplash
Die New York Stock Exchange an der Wall Street. © Aditya Vyas on Unsplash

Bis vor kurzem war es ein No-Brainer: Die Gewinner der Krise sind die großen Tech-Firmen – also wer Geld übrig hat und an der Börse investiert, der steckt es am besten in die „Giant Five“ Apple, Google, Microsoft, Amazon und Facebook und in andere Krisengewinner wie Tesla, PayPal oder Netflix. Und wer es ein wenig exotischer wollte, der schaute nach China und legte etwa bei Baidu oder JD.com an.

Doch die Kurse haben zuletzt einen Knacks bekommen. Nach die Kurse in den vergangenen Monaten stiegen und stiegen und die Big Five Mitte vergangener Woche gemeinsam einen Börsenwert von unglaublichen 7,8 Billionen Dollar erreichten, war dann wenige Tage später Schluss mit der Rekordjagd. Ende vergangener Woche ist der Nasdaq Composite, der über 3.000 Unternehmen hauptsächlich aus dem Technologiesektor listet, deutlich eingebrochen. Die „Giant Five“ fielen am Donnerstag und Freitag zwischen 6 und 8 Prozent, was viele viele Milliarden an Marktkapitalisierung in Luft auflöste.

© Bloomberg
© Bloomberg

Im Zuge des Tech-Schocks wurde dann auch klar, wer zuvor so in der Kurs-Rallye mitgemischt hatte. Denn natürlich waren es nicht nur die kleinen Anleger, die in der Krise im Herdentrieb auf den Zug aufsprangen und wie wild Tech-Aktien von AAPL bis TSLA kauften. Es war auch ein ganz großer Investor dabei – ein so genannter Whale, wie die ganz dicken Brummer im Investment-Business auch gerne salopp genannt werden.

Softbanks Vision Fund schlägt zu

Denn wie Financial Times und Wall Street Journal berichteten, ist der vermutlich größte Startup-Investor der Welt, Softbank aus Japan mit seinem riesigen Vision Fund, auf den Geschmack gekommen. Wie mehrmals berichtet war der Vision Fund in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar vor einigen Jahren gestartet, um in aufstrebende Scale-ups rund um den Globus zu investieren. 2019 war dann durch die Misere bei WeWork und das Debakel bei Uber ein hartes Jahr für Masayoshi Sons enorme Wette auf die Zukunft.

Und so haben die Fonds-Manager in der Corona-Krise ein neues Investmentziel gefunden: Sie haben begonnen, Milliarden von Dollar auf die steigenden Aktienkurse an der Technologiebörse Nasdaq zu wetten. Laut Wall Street Journal sollen sie mit etwa vier Milliarden Dollar über Call-Optionen auf steigende Preise gesetzt haben – und damit mit einem enormen Investment zum Höhenflug der Tech-Aktien während der Corona-Krise beigetragen haben.

Auch innerhalb von Softbank soll die Strategie, kurzfristig auf Tech-Aktien zu setzen, für Kontroversen gesorgt haben. Denn bisher war der Vision Fund eher dafür bekannt, durchaus riskante Wetten auf Startups und Scale-ups abzuschließen, aber eben mit mittel- bis langfristigen Zielen.

„Dies sind einige der größten Geschäfte, die ich in den letzten 20 Jahren in diesem Bereich gesehen habe“, sagte ein Hedgefund-Manager gegenüber der Financial Times. Das Interesse von Retail-Anlegern, die etwa via Trading-Apps wie Robinhood investieren, hat zum Boom der Tech-Aktien beigetragen. Doch der Einfluss von Whales ist vielen Beobachtern zufolge deutlich größer.

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