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Lars Müller: „Es gibt eine berechtigte Sorge vor einer Entwertung von Fiatgeld“

Er hat sein Unternehmen an die Börse gebracht, kauft sich in Europa ein Cannabinoid-Imperium zusammen, und dann hat er noch öffentlichkeitswirksam mit seiner Firma in Bitcoin investiert. Lars Müller, der CEO von SynBiotic SE, ist ein definitiv ein Unternehmer, der keine Risiken scheut. Der neueste Clou: Müller will durch den Zukauf von The Hempany ins Geschäft mit Hanfmilch.

Im großen Interview mit Trending Topics spricht er über das BTC-Engagement, die Vorbilder Michael Saylor und Elon Musk, seine M&A-Strategie, die Zukunft von Cannabis-Produkten in Europa und warum CBD größeres Potenzial hat als THC.

Trending Topics: Sie haben mit einem Investment ihrer Firma in Bitcoin für Aufsehen gesorgt. Sind Sie wirklich besorgt, dass der Euro entwertet werden könnte? Sehen Sie da schon Anzeichen dafür?

Lars Müller: Ich würde schon sagen, dass es angesichts der exzessiven Geldvermehrung sowohl in der Euro- als auch USD-Zone eine berechtigte Sorge vor einer massiven Entwertung von Fiatgeld gibt. Außerdem wollten wir mit unserer Entscheidung ein Signal setzen: Ein Hedge in Bitcoin ist machbar, Unternehmen können sich trauen.

Bitcoin ist selbst nicht unbedingt das stabilste Asset – warum sollte ausgerechnet BTC eine Absicherung gegen eine mögliche Inflation sein?

Ich sehe den Bitcoin als das genaue Gegenmodell zu herkömmlichen Währungen: Sein Volumen ist auf 21 Millionen Stück begrenzt. Dieses Limit ist festgeschrieben und unantastbar, wofür wiederum die dezentrale Organisation der Kryptowährung und die manipulationssichere Natur einer Blockchain garantiert.

Aus diesem Grund habe ich langfristig gedacht tatsächlich in Teilen mehr Vertrauen in den Bitcoin als in Euro oder Dollar. Ganz einfach weil hier eine zentrale Institution, beeinflusst von Politikern, die Geldmenge ins Unermessliche ausdehnen kann.

Wie viel Prozent der Firmenwerte haben Sie in Bitcoin investiert? Wo läge die Schmerzgrenze? Und: Investieren Sie auch in andere Assets?

Der Begriff „Investition“ passt hier nicht ganz. Wir wollen dagegen 10 Prozent des Barvermögens in Bitcoin hedgen – uns also gegen einen Währungsverfall absichern. Ein Hedge in andere Assets ist zurzeit nicht angedacht. Prinzipiell ausschließen würde ich es aber nicht.

SynBiotic: Cannabis-Firma will sich mit Bitcoin gegen Entwertung des Euro absichern

MicroStrategy aus den USA hat institutionelle BTC-Investments 2020 salonfähig gemacht. Ist Michael Saylor Ihr Vorbild?

Ich schätze sowohl Michael Saylor als auch Menschen wie Elon Musk als Visionäre sehr. An ihnen nehme ich mir also gerne ein Beispiel.

MicroStrategy ist den meisten wegen der Bitcoin-Investments bekannt – die Software spielt eine untergeordnete Rolle, auch beim Börsenkurs. Läuft SynBiotic Gefahr, dass der Firmenwert künftig stark vom BTC-Kurs abhängig ist?

Nein, dafür ist unser Hedge zu klein. Und unser eigentliches Geschäft zu groß. Der Hegde war ja kein Marketing Gag und auch längst nicht die einzige spannende Entwicklung bei uns, die Investoren interessiert hat und interessieren wird. Das beste Beispiel haben wir gerade mit unserer Beteiligung an The Hempany gebracht. Damit steigen wir in das dynamische Wachstumssegment der Milchalternativen – ein Milliardenmarkt! – ein und bieten nun gemeinsam die Hanfmilch hemi an.

Ein Unternehmen, dass im Cannabinoid-Geschäft unterwegs ist und dann in Bitcoin investiert – schrecken Sie damit konservative Anleger ab? Wollen Sie so bei Millennials punkten, die Trading-Apps benutzen?

Gerade der Cannabis-Sektor hat sehr positive Erfahrungen mit Bitcoin als einfaches und digitales Zahlungsmittel gemacht. Verschiedene SynBiotic-Unternehmen akzeptieren ohnehin neben Zahlungen in Euro auch Zahlungen in Bitcoin. Wir wollen mit unserer Entscheidung also bei niemandem punkten, sondern sind in der Hinsicht einfach Überzeugungstäter und schreiten als First Mover, was wir in Deutschland mit unserem Schritt zum Hedge sind, voran.

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SynBiotic fährt eine ambitionierte Strategie der Zukäufe. Welche weiteren Zukäufe in welchen Bereichen sind da geplant?

Wir investieren vor allem stark in unsere drei Kernbereiche: Forschung & Entwicklung, Produktion & Biotech sowie in Marken, die zu uns passen, wie zuletzt bei hemi. Ich kann auch schon mal so viel verraten: In allen drei Verticals werden wir noch die eine oder andere Firma zukaufen, um unsere Plattform-Strategie komplett zu machen. Näheres darf ich leider, Stand heute, noch nicht verraten.

Im Kern geht es bei SynBiotic um Cannabinoide, die aber in sehr unterschiedlichen Produkten verarbeitet werden – von Nahrungsergänzungsmittel über Kosmetika bis hin zu Medikamenten. Was hat das meiste Potenzial am Markt?

Der Direct-to-Consumer-Markt hat einen entscheidenden Vorteil für uns: Wir können Produkte schnell und ohne große bürokratische Hürden auf den Markt bringen. Das sorgt schnell für Umsätze und Gewinne. Unsere Bemühungen im Medical Sektor brauchen dagegen etwas mehr Zeit in der Entwicklung. Das Plus hier aber: wir haben das Potential deutlich größer zu werden als mit unseren DTC-Marken. Deshalb bedienen wir beide Bereiche.

Cannabis-Produkte sind in vielen Märkten noch verpönt. Wie sieht es regulativ in Europa aus?

Von den Vereinten Nationen kam Ende vergangenen Jahres ein positives Signal für Cannabis-Unternehmen. Cannabis wurde von der Liste der gefährlichsten Drogen der Welt gestrichen. Und der EuGH hat zuletzt bestätigt, dass CBD kein Betäubungsmittel ist. Daraus ergeben sich zunächst schon mal neue Chancen für Cannabis-Unternehmen.

Cannabinoide wie CBD werden THC dabei übrigens meiner Meinung nach um Längen abhängen. Auch, weil wir rechtlich bei den nicht-psychoaktiven Cannabinoiden regulativ bald bestimmt weiter sein werden. Dass uns bald erlaubt wird, statt einem Glas Rotwein einen Joint anzuzünden, glaube ich dagegen nicht. Aber das ist für das Geschäft von SynBiotic auch nicht wichtig.

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