Coop-Story

Peter Buchroithner von Swell: „In LA haben wir den besten Zugang zu Usern und besseren Zugang zu Risikokapital“

Peter Buchroithner. © Tom Roschanek
Peter Buchroithner. © Tom Roschanek

Peter Buchroithner ist 28, kommt aus Eferding in Oberösterreich, hat 6 Jahre in Wien gelebt und ist seit Jänner 2016 in Santa Monica (Los Angeles).  Im Alter von 16 Jahren hat er die Schule abgebrochen, um mehr Zeit für seinen Online-Shop zu haben. Seither arbeitet er täglich daran sich zu verbessern und die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Swell, das er gemeinsam mit Philipp Holly und Manfred Strasser gegründet hat, ist eine App für Entscheidungshilfen. Die User helfen sich täglich bei Dingen wie “Was soll ich heute anziehen?” oder “Welche Schuhe soll ich kaufen?” und haben in den letzten Monaten 50.000.000 Meinungen geteilt. Mit Swell möchte Buchroithner eine Technologie anbieten, die Menschen in Zukunft dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen, egal in welchem Bereich – Ob es um den besten Burger in London geht oder die Frage nach dem passenden Outfit für ein Bewerbungsgespräch.

Was treibt dich an?

Die kleinen Erfolge und große Ziel. 300.000 User zu erreichen, war ein schönes Gefühl, aber zu wissen, dass wir jeden Tag tausende Menschen verbinden und ihnen dabei helfen bessere Entscheidung zu treffen, ist mein größter Motivator.
Ich brauche nicht viel, ein Kaffee in der Früh, mein Longboard, um damit am Strand ins Büro zu fahren, und etwas zu essen. Alles andere ist Luxus der “nice to have”, aber absolut nicht notwendig ist. Ich will Millionen von Menschen bewegen, indem ich an etwas arbeite, das mir Spaß macht und vielen Menschen wichtig ist.

Wann hast du die Leidenschaft für „Entrepreneurship“ entdeckt?

Ich habe schon als Kind alles Mögliche verkauft und immer schon gerne geredet. Als Ältester von 5 Geschwistern habe ich von meinen Geschwistern Zimmer-Eintritt verlangt, weil ich der Einzige mit einem Fernseher war, das hat super funktioniert (monthly subscritption fee = reccuring revenue ;-) ). Für mich war immer klar, dass ich meine eigenen Sachen machen will. Nachdem ich mit 12 begonnen habe, programmieren zu lernen und eigene Webshops gebaut hab, hat es wirklich angefangen Spaß zu machen. Offiziell selbstständig bin ich seit 10 Jahren. 2006 habe ich einen Skate-Shop eröffnet, der später zu einem Modegeschäft für junge Leute wurde.

peter buchroitner swell

Wann hast du die Idee für „Swell“ gehabt? Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe in meiner Zeit als Verkäufer in Mode-Geschäften immer wieder gemerkt, dass junge Leute sich oft nicht entscheiden können. Persönlich kannte ich das Problem natürlich auch, aber am meisten belastet hat mich als Unternehmer, wenn jemand offensichtlich etwas kaufen wollte und unglücklich und erfolglos den Laden verlassen hat. Da wurde mir klar, dass ich daran etwas ändern muss. Im Laden habe ich täglich Leute befragt, wie so eine Lösung aussehen könnte und mich mit meinen jetzigen Co-Foundern Phil und Fred zusammengesetzt. Die einfachste und schnellste Lösung war es aus unserer Sicht, Bilder mit Freuden zu teilen um Feedback zu bekommen. Was uns dabei am Wichtigsten war ,ist die Geschwindigkeit, also Votes innerhalb weniger Sekunden. Außerdem wollten wir keine negativen Kommentare haben.

Was sind deine Ziele mit Swell?

Swell soll Millionen Menschen dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen und als Unternehmen mit Mitarbeitern aus aller Welt erfolgreich werden. Neben Usern wollen wir auch Marken dabei unterstützen bessere (Produkt-)Entscheidungen zu treffen und mehr auf ihre Kunden zu hören.

Warum habt ihr den Schritt über den Atlantik gewagt? Ist Europa für euch zu klein?

Weil es keinen besseren Standort für unser Unternehmen gibt. Wir haben hier den besten Zugang zu unseren Usern, sehr offene Menschen, die gerne Neues ausprobieren wollen. 300 Millionen Leute, die eine Sprache sprechen und viel einfacher zu erreichen sind als etwa die gesamte EU. Außerdem gibt es hier besseren Zugang zu Risikokapital und Influencer, die uns weiterhelfen können. Wir fühlen uns sehr wohl in LA.

Mittlerweile seid ihr ja sehr erfolgreich unterwegs. Wie wichtig ist für dich Erfolg?

Erfolg ist für mich, morgens aufzuwachen und zu wissen, ich darf heute an etwas arbeiten, das mir Spaß macht und das viele Leute bewegt. Das ist für mich das Wichtigste im Leben.

Viel wird derzeit in Österreich über Start-ups geredet. Kaum ein Tag vergeht ohne einer neuen Initiative. Wie siehst du Österreich als Startup-Land?

Österreich hat die besten Voraussetzungen um Start-ups langfristig erfolgreich zu machen. Ich glaube, wir sollten uns nicht zu sehr in dieser Blase aufhalten und einfach auf unsere eigene Sache konzentrieren. Fokus ist extrem wichtig, und es muss für uns egal sein, was andere Start-ups machen. Wir müssen es schaffen, selbst bald kein Start-up mehr zu sein, sondern ein funktionierendes Unternehmen zu bauen.

Was braucht es an Unterstützung, um zu einem echten und vielfältigen Start-up-Land zu werden?

Ich glaube nichts, in Österreich geht´s uns viel besser als in den meisten anderen Ländern. Jeder sollte offen für neue Ideen sein, das ist ein Mindset, der uns helfen würde, aber abseits davon haben wir alles, was es braucht.

Welchen Stellenwert nimmt das Themenfeld Entrepreneurship bei dir ein?

Swell ist mein Leben. Ich habe wenig Freizeit, denn ich sehe meine Arbeit als Freizeit. Ich denke, man kann nur richtig erfolgreich sein, wenn man „all in“ geht und richtig Gas gibt. Das bedeutet natürlich auch, auf sich selbst zu schauen und mal ein paar freie Tage genießen um seinen Batterien aufzuladen.

Bist du ein neugieriger Mensch? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Ich will alles können und wissen. Wenn ich etwas nicht kann, finde ich jemanden, der’s mir zeigt :)

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Viel Spaß und Unterhaltung. Vor allem aber ein junges motiviertes Team mit sehr viel Energie. Unsere Community ist einzigartig und viele sind täglich online um sich auszutauschen. Das würde sicher vielen fehlen!

Was treibt dich an, immer wieder neue Projekte zu starten?

Ich glaube, das wars erstmal für mich. Ich will die nächsten 5-10 Jahre schauen, wie weit ich Swell bringen kann. Ich bin davon überzeugt, dass “Decision Making” genauso groß ist wie eine Suchmaschine oder ein Netzwerk für Bilder. Das zu beweisen ist alles, was mich im Moment interessiert. Side-Projects könnten irgendwann mal Kinder sein ;-)

Wo findest du den Raum, um deine Leidenschaft ausleben zu können?

Überall. Ich mag es nicht, jeden Tag am selben Ort zu sein. Ich arbeite oft in Coffee Shops, am Strand oder in Coworking Spaces. Einfach, weil ich es genieße, viele Menschen um mich zu haben und neue Dinge zu erleben.

Wer sind deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Meine Familie, meine besten Freunde und Co-Founder Phil und Fred und natürlich meine Investoren Hansi, Stefan und Michael. Die 3 sind der Hammer!

Wohin wird dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Mit Sicherheit noch sehr weit. Ich bin aber eher der Typ, der sich überraschen lässt. Cool wären Büros in LA, New York, Tokio, London und Wien in den nächsten 5 Jahren.

Was sagen eigentlich deine Freunde, dein Umfeld, deine Familie zu diesem Engagement?

Aktuell habe ich volle Unterstützung von allen Seiten. Meine Familie war nicht immer so begeistert davon, dass ich meine Matura abgebrochen hab und nix “fertig” gemacht habe, aber jetzt sehen alle, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Hast du Tipps für unsere LeserInnen?

Wenn du etwas machen willst, mach es einfach. Der beste Zeitpunkt, etwas Neues zu starten und deiner Leidenschaft nachzugehen ist gestern, der zweitbeste jetzt!

Hast du einen Wunsch?

Marillenknödel wären jetzt richtig geil, gibt’s leider in LA nicht!

Way to Passion“ ist ein Projekt von Reinhard Herok und Thomas Peham. Ihr Ziel ist es, mit Interviews aufzuzeigen, wie leidenschaftliche Menschen einen Beitrag für eine bessere Welt leisten können. „Way to Passion“ stellt TrendingTopics.at ausgewählte Inhalte zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung, vielen Dank dafür!

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